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Tierversuche 2012: Zahl der Versuchstiere übersteigt drei Millionen

Im Dienst der Wissenschaft: Versuchsratten in einem Forschungslabor (Archiv) Zur Großansicht
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Im Dienst der Wissenschaft: Versuchsratten in einem Forschungslabor (Archiv)

In wissenschaftlichen Versuchen werden in Deutschland vor allem Mäuse, Ratten und Fische eingesetzt. Insgesamt waren es 2012 mehr als drei Millionen Tiere, deutlich mehr als im Vorjahr. Auch der Anteil genetisch manipulierter Tiere ist gewachsen.

Berlin - In Deutschland sind erneut mehr Tiere in wissenschaftlichen Versuchen eingesetzt worden. Insgesamt stieg ihre Zahl im vergangenen Jahr um 5,8 Prozent auf knapp 3,1 Millionen, wie aus einer Statistik des Bundesagrarministeriums (BMELV) hervorgeht. Darunter waren allein mehr als 2,2 Millionen Mäuse. Eingesetzt wurden außerdem 418.000 Ratten, 166.000 Fische und 97.000 Kaninchen.

Doch nicht bei allen Tierarten verlief die Entwicklung gleich. So nahm die Zahl der Versuchsmäuse um zehn Prozent zu, die der Versuchskaninchen sogar um elf Prozent. Demgegenüber wurden im vergangenen Jahr aber knapp 17 Prozent weniger Fische eingesetzt als im Vorjahr.

Der Tierschutzbund kritisierte, trotz Absichtsbekundungen der Politik blieben Strategien zur Eindämmung von Tierversuchen seit Jahren aus. "Wir brauchen mehr Geld, um tierversuchsfreie Methoden zu entwickeln, wir brauchen Lehrstühle, an denen Nachwuchswissenschaftler in diesem Bereich ausgebildet werden können", forderte Vizepräsidentin Brigitte Rusche.

Das Bundesagrarministerium sieht hier weniger Handlungsbedarf. Deutschland leiste bereits einen "herausragenden Beitrag" für die Entwicklung von Alternativen, etwa mit einem eigenen Forschungsschwerpunkt "Ersatzmethoden zum Tierversuch" und einer Zentralstelle, die diese Methoden erfassen und bewerten soll.

Im Zentrum der Kritik steht zudem die Verwendung von transgenen Versuchstieren, deren Erbgut zuvor manipuliert wurde. Dieser Bereich ist in der jüngsten Vergangenheit besonders gewachsen: Waren 2011 noch 25 Prozent aller eingesetzten Tiere transgen, stieg dieser Anteil auf 30 Prozent im Jahr 2012.

Für die biologische Grundlagenforschung wurden 12 Prozent mehr Tiere verwendet, für die Herstellung und Qualitätskontrolle von Medizinprodukten 2,6 Prozent mehr. Zur Erforschung und Entwicklung solcher Medizinprodukte und -geräte wurden dagegen weniger Tiere (minus 8,8 Prozent) eingesetzt.

In Versuchen verwendet werden dürfen in der Regel nur Tiere, die dafür speziell gezüchtet werden. In der Statistik erfasst werden alle Arten von Eingriffen wie etwa Blutentnahmen oder Arzneimitteltests. Versuche zur Entwicklung von Kosmetika oder Waschmitteln sind verboten.

che/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 64 Beiträge
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1. Transgene Tiermodelle
v. m. photon 28.10.2013
Zitat: "Im Zentrum der Kritik steht zudem die Verwendung von transgenen Versuchstieren, deren Erbgut zuvor manipuliert wurde." Ermüdend, wie sich gewisse Kreise reflexhaft auf Reizbegriffe wie "Gen" oder auch "Atom" stürzen, ohne sich überhaupt die Mühe zu machen, diese auch zu verstehen. Wo stehen denn diese Modelle in der Kritik? Bei den Grünen? Solche Tiere bilden eine wesentliche Grundlage für die heutige Forschung und sind nicht ohne weiteres ersetzbar. Zudem kommt es ja wohl mehr auf die Art der Versuche und die Haltungsbedingungen an als auf den Genotyp.
2. Wen wunderts?
robert.c.jesse 28.10.2013
Da der Mensch "Die Krone der Schöpfung" sich phantasievoll gegenseitig ausbeutet und vernichtet ist auch dieses traurige Verhalten offensichtlich als normal einzustufen.
3. Ethik
cato-der-ältere 28.10.2013
- gilt immer und überall. Auch in diesen verborgenen Winkeln der Labore, die sich dem Blick der Öffentlichkeit entziehen. Eine Gesellschaft die zulässt dass fühlende Wesen missbraucht werden für das Profitstreben von Konzernen, denn darum geht es vermutlich bei 90% der Versuche, erodiert innerlich. Es fehen den Verantwortlichen offenbar schlicht Ernst und Empathie.
4. Was erwarten Sie denn?
hermes69 28.10.2013
Zitat von cato-der-ältere- gilt immer und überall. Auch in diesen verborgenen Winkeln der Labore, die sich dem Blick der Öffentlichkeit entziehen. Eine Gesellschaft die zulässt dass fühlende Wesen missbraucht werden für das Profitstreben von Konzernen, denn darum geht es vermutlich bei 90% der Versuche, erodiert innerlich. Es fehen den Verantwortlichen offenbar schlicht Ernst und Empathie.
In einem angeblich modernen Land, dass mittlerweile billiger schlachtet als ganz Osteuropa, in dem die größten Verschmutzer von Abwasser noch von Angie & Co. von unseren Steuergeldern subventioniert werden. Und Sie erwarten allen Ernstes Empathie? Dieses Land ist moralisch schon so unter der Linie das mich nix mehr wundert.
5.
robertjcole 28.10.2013
Jeder, der Tierversuche strikt ablehnt und sich ob dieser Statistik in Empörung verliert, sollte konsequenterweise jegliche schulmedizinische Behandlung ablehnen- ohne Tierversuche keine effektiven Behandlungen für den Menschen. So sind Tierversuche schlicht und ergreifend notwendig, auch wenn die Tiere unter uns Menschen leiden müssen. Die Frage, die sich hier stellt ist also: Medizinischer Stillstand oder Tierversuche. Zellkulturen reichen als Modell nunmal einfach nicht aus. In der Öffentlichkeit empören sich so viele Menschen wegen der Tierversuche, nehmen im Krankheitsfall aber eine schulmedizinische Behandlung dankend in Kauf. Scheinheilig nenne ich sowas, diese Leute sollten sich dann doch bitte der Homöopathie zuwenden.
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