Tierversuche mit Mäusen "Ich mache meinen Job"

Eine Forscherin untersucht an Mäusen, wie Parasiten gefährliche Krankheiten übertragen. Die Tiere am Ende der Versuche zu töten, macht ihr keinen Spaß, ist aber Teil des Jobs.

Nager in einer Forschungseinrichtung (Symbolbild)
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Nager in einer Forschungseinrichtung (Symbolbild)

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Ich erforsche Krankheiten, die von Parasiten übertragen werden. Da die Parasiten häufig nicht ohne ihren Wirt leben können, muss ich beispielsweise Mäuse mit ihnen infizieren. Nur so kann ich die Entwicklung der Tiere und der Krankheitserreger in ihnen beobachten. Anschließend töte ich die Nager mit Kohlendioxid. In diesem Moment mache ich meinen Job. Es ist kein schöner Teil davon, aber es gehört dazu.

Die meisten meiner Freunde akzeptieren das inzwischen. Ein, zwei Bekannte wollen aber auch nichts mehr mit mir zu tun haben, seit sie davon wissen. "Warum infizierst du dich nicht selbst", haben sie mich gefragt. Das fand ich ziemlich unsachlich. Dass die Debatte über Tierversuche so abläuft, ist in meiner Wahrnehmung aber eher die Ausnahme als die Regel.

Die meisten Menschen, die etwas gegen Tierversuche haben, müssten sich zunächst an die eigene Nase fassen. Für die Fleischproduktion stirbt ein Vielfaches der Tiere, die jährlich in Tierversuchen genutzt werden. Dabei bräuchte streng genommen niemand Fleisch, um gesund zu leben.

Und wer krank ist, läuft in die Apotheke und erwartet sichere Arzneien. Da fragt dann keiner, wie man eigentlich dazu gekommen ist. Wer konsequent gegen Tierversuche ist, dürfte all diese Mittel eigentlich nicht nutzen.

Dass die Emotionen bei dem Thema so hochkochen, liegt meiner Meinung nach auch daran, dass es wenig sachliche Informationen gibt. Kaum jemand hat eine realistische Vorstellung davon, wie Tierversuche ablaufen und wie unterschiedlich sie sein können. Schon wenn ich bei einem Tier Blut abnehmen will, was in Tierarztpraxen ja ständig passiert, muss ich dafür einen Tierversuch beantragen und er geht in die Statistik ein.

"Tierversuche waren nie mein Ziel"

Was mich in der Debatte aber am meisten stört, ist, dass Tierversuchsforscher mitunter hingestellt werden, als wären sie emotionslose Monster. Als ich angefangen habe, Biologie zu studieren, waren Tierversuche nie mein Ziel. Um meine Forschungsfragen zu beantworten, gab es irgendwann aber einfach keine andere Möglichkeit.

Im Computer oder der Petrischale kann ich nicht sehen, wie sich für den Menschen unter Umständen tödliche Krankheitserreger in ihren Wirtsorganismen entwickeln und wie sie sich möglicherweise aufhalten lassen. Obwohl das Grundlagenforschung ist, kann sie dem Menschen eines Tages nutzen.

An meinen ersten Versuch kann ich mich noch gut erinnern. Er ist mir nicht leichtgefallen. Damals musste ich unter Anleitung eines erfahrenen Kollegen Hamster mit einem Krankheitserreger infizieren. Das war kein schöner Tag. Ich war nervös, hatte Angst, etwas falsch zu machen und den Tieren damit mehr wehzutun als unbedingt nötig.

Natürlich sind die Hamster krank geworden und wir mussten sie töten, damit sie nicht qualvoll an der Krankheit zugrunde gehen. Das hat mich mitgenommen, keine Frage.

"Wer Tierversuche macht, muss das Leid achten"

Es geht mir um einen professionellen Umgang mit den Tieren. Nur, wenn ich fokussiert bin, kann ich meine Arbeit gut machen. Ich muss sicher sein, dass mir das Experiment hilft, meine Frage zu beantworten. Das ist auch wichtig, weil ich die Versuche sonst nicht vor mir selbst rechtfertigen könnte.

Es gibt nichts Schlimmeres als einen Tierversuch ohne eine genaue Fragestellung, denn wenn man die Ergebnisse später nicht gebrauchen kann, sterben Lebewesen für nichts.

Ich erwarte auch von meinen Studenten, dass sie aus Tierversuchen so viel Wissen und Erfahrung wie möglich rausholen. Wenn sie ein Tierexperiment nicht nutzen, um etwas zu lernen, werde ich ungemütlich.

In meinen Kursen infiziere ich mitunter ein paar Mäuse mit einem Erreger, um den Studenten beizubringen, wie ein Tierversuch abläuft, worauf sie achten müssen und wie die Erreger den Wirt verändern. Ich erwarte dann von den Studenten, dass sie den maximalen Nutzen daraus ziehen. Die Mäuse überleben den Versuch nicht.

Wer Tierversuche macht, muss das Leid honorieren. Dabei stört es mich nicht, wenn Studenten im Vorfeld Bedenken haben und diskutieren möchten, ob das Experiment ethisch vertretbar ist. Das passiert aber kaum.

Ich bin nicht grundsätzlich für Tierversuche und könnte auch nicht jedes Experiment machen. Versuche mit Primaten kann ich mir zum Beispiel nicht vorstellen. Das ist eine persönliche Entscheidung.

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