Todesserie im Kongo Tausende fliehen vor der Pest

In einer Diamantenmine in der Demokratischen Republik Kongo ist die Lungenpest ausgebrochen. Die Seuche hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation mindestens 61 Todesopfer gefordert. Aus der betroffenen Region fliehen die Menschen in Scharen. Experten befürchten, dass sie die Seuche weiter ausbreiten.


Ratte: Pest-Überträger
AFP

Ratte: Pest-Überträger

"Das Hauptproblem ist, dass es zu einer Panik kam und wahrscheinlich zwei Drittel der Bevölkerung aus der Region geflohen sind", erklärte Eric Bertherat von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Seit dem Ausbruch der Pest vor zwei Wochen seien 7000 Bergleute, die in Zobia Diamanten abbauten, aus dem Gebiet nördlich der Stadt Kisangani geflohen. Man befürchtet, dass sich die Krankheit durch die Geflohenen ausbreiten könnte. Kisangani ist die drittgrößte Stadt des Landes und ein Handelszentrum am Kongo.

"Weil die Lage in der Region relativ instabil ist, gab es bislang keine Gelegenheit, Aktivitäten zur Pestkontrolle zu initiieren", sagte eine Sprecherin der WHO der BBC. "Deshalb hat der Ausbruch ein relativ großes Ausmaß angenommen." Seit dem 15. Februar habe man Berichte über 61 Todesfälle unter den Minenarbeitern im Ituri-Distrikt im Norden der Demokratischen Republik Kongo erhalten, teilte die Organisation mit. 350 weitere Arbeiter sollen sich angesteckt haben. Die genaue Anzahl der Fälle sei aber immer noch unbekannt. Der Ausbruch sei der schlimmste seit 50 Jahren.

DER SPIEGEL
Alle Opfer waren Arbeiter in einer Diamantenmine im Ort Zobia. Etwa 7000 Menschen sollen die Gegend seit dem ersten Ausbruch bereits verlassen haben. Die WHO will sich jetzt bemühen, sie aufzuspüren. Die zeitweilig geschlossene Mine war erst Mitte Dezember wieder eröffnet worden. Der erste Pestfall trat offenbar schon am 20. Dezember auf, die WHO wurde erst jetzt alarmiert.

Erste Tests in der Gegend hätten bestätigt, dass es sich um die Lungenpest handele. Genauere Untersuchungen sollen jetzt in einem Forschungsinstitut in der Hauptstadt Kinshasa folgen. Fälle von Beulenpest seien bislang nicht gemeldet worden, so die WHO.

"Es ist sehr wichtig, die an Lungenpest erkrankten Personen zu isolieren, um eine Ausbreitung der Krankheit unter Kontrolle zu bringen", sagte ein WHO-Experte. Dazu müssten aber die infizierten Menschen gefunden und behandelt werden. Ein Team von Medizinern verschiedener Organisationen, darunter die WHO und Ärzte ohne Grenzen, ist im Augenblick in der Region, um die Lage zu beurteilen. Eine zusätzliche Gruppe aus Forschern verschiedener Fachrichtungen soll morgen folgen.

Bei der WHO macht man sich offenbar Sorgen um ausreichenden Zugang für die Wissenschaftler. Regierungsvertreter des zentralafrikanischen Staates gaben bereits zu bedenken, dass die abgelegene Diamantenmine schwer zu erreichen sei. Sie liege in einem Gebiet, das von Rebellen kontrolliert werde, und die WHO-Mitarbeiter benötigten für die Weiterreise die Erlaubnis der in der Gegend stationierten Uno-Blauhelmtruppen.

Beulenpest existiert in Teilen Afrikas einschließlich der Republik Kongo immer noch, Epidemien gibt es jedoch nicht mehr, weil sich die Krankheit ebenso wie die Lungenpest gut mit Antibiotika behandeln lässt. Menschen werden üblicherweise von Flöhen oder Nagetieren angesteckt, die Lungenpest kann aber auch durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übetragen werden.



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