Todesursachen 2030 WHO sagt mehr Krebs- und weniger Aids-Tote voraus

Gesundheit von Arm und Reich: Während Kinder in Afrika an Infektionskrankheiten sterben, töten in reichen Ländern Tabak und Krebs vor allem die Alten. Global prognostiziert die WHO mehr Verkehrs- und Krebstodesfälle, die Zahl der Aidsopfer soll sich dagegen halbieren.


Fast jeder zweite Mensch, der in Afrika stirbt, ist nicht einmal 15 Jahre alt geworden. In den reichen Ländern entfällt auf diese Altersgruppe nur ein Prozent aller Todesfälle. Das geht aus der globalen Todesursachen- und Krankheitsstatistik für das Jahr 2004 hervor, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montag in Genf veröffentlicht hat und auf der eine Prognose für das Jahr 2030 basiert.

Aids in Afrika: Bis 2030 soll sich die Zahl der Todesopfer halbieren
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Aids in Afrika: Bis 2030 soll sich die Zahl der Todesopfer halbieren

Insgesamt sind im Jahr 2004 58,8 Millionen Menschen gestorben, jeder Fünfte war ein Kind unter 15 Jahren. Vor allem Geburtskomplikationen, Durchfallerkrankungen, Atemweginfekte und Malaria töteten diese Kinder. Etwa die Hälfte der verstorbenen Kinder lebte in Afrika, wo deutlich mehr junge Menschen sterben als in den reichen Ländern: So erreichten 46 Prozent der Verstorbenen in Afrika nicht das 15. Lebensjahr, nur 20 Prozent waren 60 Jahre oder älter. In den reichen Industriestaaten dagegen sind 84 Prozent der Gestorbenen mindestens 60 Jahre alt geworden.

Weltweit gesehen bleiben Herzkreislaufleiden mit 17,1 Millionen Toten im Jahr 2004 die führende Todesursache. Mit gesunder Ernährung, regelmäßiger Bewegung und dem Verzicht auf Tabak könnten 80 Prozent der vorzeitigen Herzkreislauf-Todesfälle vermieden werden, betont die WHO. Vor allem wegen der weltweit steigenden Lebenserwartung rechnet die UN-Organisation aber mit einer Zunahme dieser Todesfälle um mehr als ein Drittel (37 Prozent) auf über 23 Millionen im Jahr 2030.

Mehr Aidsmedikamente in armen Ländern

Aus demselben Grund werde auch die Zahl der Krebstoten um 60 Prozent steigen: von 7,4 Millionen (2004) auf 11,8 Millionen (2030). Die häufigste vermeidbare Krebsursache bleibe das Rauchen, betont die WHO. Sie rechnet mit einem Anstieg der Zahl der Tabaktoten von 5,4 Millionen auf 8,3 Millionen bis 2030 - ein Zuwachs um 54 Prozent. Damit werde der Tabakkonsum dann für nahezu jeden zehnten Todesfall weltweit verantwortlich sein.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Die Zahl der Aidstoten soll zwar bis 2012 auf ein Maximum von 2,4 Millionen steigen. Bis 2030 wird sie sich dann aber halbieren, so die Prognose. Die WHO begründet ihre Einschätzung mit der zunehmenden Versorgung der Bevölkerung mit Aidsmedikamenten - die Infektionskrankheit könnte so auch in armen Ländern langsam von einer tödlichen zu einer beherrschbaren Krankheit werden. Dabei muss ein wichtiger Fokus dennoch weiterhin auf der Prävention liegen, denn auch wenn Medikamente im Erkrankungsfall helfen können, sie haben schwere Nebenwirkungen und die Krankheit schränkt die Betroffenen weiterhin stark ein.

Besorgniserregend ist wiederum die WHO-Prognose zu den Verkehrstoten, deren Zahl sich bis 2030 auf 2,4 Millionen nahezu verdoppeln wird - vor allem als Folge der steigenden Motorisierung in Entwicklungs- und Schwellenländern. Zudem hatten Experten kürzlich im Fachmagazin "The Lancet" berichtet, dass sie für China einen Anstieg der Atemwegserkrankungen voraussagen. Der Grund: neben Tabakkonsum vor allem die Umweltverschmutzung durch das zunehmende Verkehrsaufkommen.

Auch beim Thema Depression zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen armen und reichen Ländern: Von den 120 Millionen Menschen, die weltweit an Depressionen leiden, hat nur jeder vierte Zugang zu einer Therapie. Vor allem in Entwicklungsländern gibt es kaum Hilfsangebote.

hei/dpa



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