Tödliches Gasmesser Zustechen, zischen, zerfetzen

Das Wasp Knife ist mehr als ein Messer. Aus einer Kartusche im Schaft zischt Gas zur Klingenspitze: Die Wunde wird nach dem Zustechen so schnell gefroren, dass es sie regelrecht zerfetzt. Die Waffe ist für Jäger, Taucher, Wanderer und Soldaten gedacht - Kritiker wollen sie verbieten.

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Ein Mann sticht mit einem Messer in eine Wassermelone von der Größe eines Fußballs - und plötzlich explodiert die Frucht. Zerbirst von innen heraus. Teile spritzen weg, Rauch steigt auf.

Die Demonstration des sogenannten Wasp Knifes (siehe Video und Fotostrecke) macht klar, welch zerstörerische Wirkung das stark komprimierte Gas hat, das aus des Messers Schneide zischt. Es dehnt sich rasant aus und entzieht der Umgebung große Mengen Wärme. So funktioniert im Prinzip auch ein Kühlschrank. Doch dies hier geschieht in Sekundenbruchteilen und mit stark komprimiertem Gas. Das Wasser in der Melone gefriert - und weil Eis ein größeres Volumen als Wasser hat, zerplatzt die Frucht sofort.

"Das Wasp-Messer gibt Ihnen die Fähigkeit, sich mit tödlicher Kraft zu verteidigen", schreibt der US-Hersteller Wasp Injection Systems auf seiner Website - und macht dort kräftig Werbung für das 400-Dollar-Produkt. Die Firma aus der Kleinstadt Cheshire im US-Bundesstaat Connecticut preist ihr Gasmesser vor allem Tauchern, Jägern und Wanderern an, die sich damit gegen Angriffe von Bären oder Haien wehren sollen.

Das stark komprimierte Gas wird durch einen Druckknopf aus einer Mini-Kartusche im Messerschaft gejagt. Es zischt dann durch ein kleines Loch in der Klingenspitze. "Die Waffe setzt eine eiskalte Gasblase von der Größe eines Basketballs frei", heißt es in der Beschreibung. Der Druck betrage etwa 55 Bar - dies entspricht dem 54-fachen Luftdruck auf Meeresspiegelhöhe.

Ein Messer, das den Job erledigt

Ausdrücklich wird die Waffe als sinnvolle Alternative zu Gewehren und Pistolen gepriesen - ähnlich wie die Elektroschock-Pistole Taser. In manchen Regionen sei das Führen von Schusswaffen schließlich sogar illegal.

Ein herkömmliches Messer sei "nutzlos", wenn es darum gehe, einen Bären abzuwehren, erklärt der Hersteller. Das Gasmesser hingegen habe eine "verheerende Wirkung auf Säugetiere jedweder Größe".

Natürlich ist auch der Mensch ein Säugetier - und so offeriert der Hersteller das Wasp Knife ausdrücklich dem Militär. Seit dem Zweiten Weltkrieg seien die Waffen von Soldaten radikal verbessert worden, nur beim Messer habe es praktisch keine Veränderungen gegeben: "Wenn man an der letzten Verteidigungslinie steht, möchte man etwas dabei haben, mit dem man den Job erledigen kann." Das Wasp Knife arbeite leise und vernichte jedes Lebewesen, verspricht der Hersteller. Es eigne sich sehr gut für Spezialeinheiten, über Feindesland abgestürzte Piloten und Sky Marshalls.

"Waffen wie diese sind nicht akzeptabel"

In Großbritannien machen sich Polizei und Politiker nun schon Sorgen, dass das Messer in die falschen Hände geraten könnte - eine Messerstecher-Serie unter Jugendlichen beunruhigt derzeit das Land. "Waffen wie diese sind nicht akzeptabel", sagte der Labour-Abgeordnete Khalid Mahmood der Zeitung "Daily Mail". Man müsse gegen jeden vorgehen, der mit einem solchen Messer herumlaufe.

"Um derartige Waffen in Deutschland verkaufen zu können, benötigt man eine Genehmigung vom Bundeskriminalamt (BKA)", sagt Wolfgang Fuchs, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler. Das Messer müsse dazu beim BKA vorgelegt werden. "Ich sehe keine Chance auf Zulassung", sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Beim Bundeskriminalamt allerdings ist das Wasp Knife bislang nicht bekannt. Eine BKA-Sprecherin sagte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, bisher habe niemand einen Antrag gestellt, das Messer in Deutschland verkaufen zu dürfen. Über die Chancen einer Zulassung will man im BKA nicht spekulieren - Aussagen dazu seien erst möglich, wenn das Messer vorliege, sagte die Sprecherin.



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