Tote Frühchen Verschärfte Untersuchungen an Bremer Klinik

Mehrere Frühchen sind im Klinikum Bremen-Mitte an Bakterien-Infektionen gestorben. Nach dem erneuten Hygiene-Skandal wird die Suche nach der Herkunft der tödlichen Keime ausgeweitet - neben Krankenhausmitarbeitern werden auch Besucher, Handwerker und Reinigungskräfte untersucht.

Bremer Klinik: Tod der Frühchen gibt weiter Rätsel auf
dapd

Bremer Klinik: Tod der Frühchen gibt weiter Rätsel auf


Die Untersuchungen zum Tod von zwei Frühchen in Bremen Ende Februar werden ausgeweitet. Seit bekannt ist, dass die beiden zuletzt gestorbenen Kinder von Klebsiella-Bakterien infiziert waren, die wahrscheinlich das gleiche Genprofil aufweisen wie bereits 2009 in der Klinik nachgewiesene Erreger, steht fest: Trotz der Sanierung nach den Todesfällen dreier Frühchen im vergangenen Jahr, trotz Hygieneschulungen für Mitarbeiter und trotz verschärfter Desinfektionsmaßnahmen gibt es in der Bremer Klinik ein Problem. Und das seit mindestens drei Jahren.

"Das ist schon hochdramatisch", sagte Petra Gastmeier, Leiterin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Berliner Charité gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit". "Man muss doch davon ausgehen, dass die Mitarbeiter in Bremen sich nach dem Trauma im vergangenen Jahr sehr bemüht haben, keine Fehler zu machen." Wenn aber ein genetisch identischer Keim über Jahre immer wieder auftrete, könne der Infektionsherd eigentlich nur ein Mitarbeiter sein.

Die Hygienikerin Frauke Mattner, Hygiene-Expertin der Kölner Kliniken, mochte diese Möglichkeit ebenfalls nicht ausschließen, wobei Mitarbeiter auf Frühchen-Stationen eigentlich gut geschult seien. Es gäbe tatsächlich unzählige Möglichkeiten. "Es ist auch möglich, dass eingesetzte Medizinprodukte, Cremes, Medikamente oder Tücher zur Säuglingspflege kontaminiert sind. Das kommt aber nur sehr selten vor", sagt Mattner.

In der Bremer Klinik werden ab sofort neben Mitarbeitern des Klinikums Mitte auch Besucher, Handwerker und Reinigungskräfte auf den resistenten Erreger getestet. Die Betroffenen würden zu einem verpflichtenden Screening geladen, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsressorts am Freitag.

Damit setzt die Behörde Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts um, das nach dem erneuten Keimausbruch auf der Frühchenstation ein Team nach Bremen geschickt hatte. In der vergangenen Woche waren dort wieder ein Junge und ein Mädchen gestorben. Bereits im vergangenen Jahr hatte es eine tödliche Infektionswelle auf der Station im Klinikum Mitte gegeben.

Wie die Gesundheitsbehörde Bremen am Freitag mitteilte, werden ab sofort bei den betreffenden Mitarbeitern der Klinik auch Abstriche an den Ohren vorgenommen. Mit den Untersuchungen wird ein externes Labor beauftragt. "Wir werden die Anregungen des RKI aufgreifen und auch das gesamte Screening nochmals auf den Prüfstand stellen", sagte Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD).

nik/dpa

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