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Tote Schwäne auf Rügen: Vogelgrippe erreicht Deutschland

Nach Italien und Österreich hat die Vogelgrippe laut Angaben des Robert-Koch-Instituts jetzt auch Deutschland erreicht. Für die Experten gibt es "keine ernsthaften Zweifel" mehr daran, dass die auf Rügen gefundenen Schwäne mit dem gefährlichen Virus H5N1 infiziert waren.

Berlin - "Wir müssen davon ausgehen, dass sich der Verdacht bestätigt hat. Wir haben persönlich als Experten keine Zweifel mehr", sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts in Berlin, Prof. Reinhard Kurth, heute im ZDF-Morgenmagazin. Zugleich warnte er vor Überreaktionen in Deutschland: "Erst mal Ruhe bewahren, keine Panik. Dazu ist kein Anlass." Die Seuche wüte in Südostasien und nicht in Europa.

Verendeter Schwan: Auf dem Eis an der Wittower-Föhre auf Rügen wurden die toten Vögel entdeckt
DPA

Verendeter Schwan: Auf dem Eis an der Wittower-Föhre auf Rügen wurden die toten Vögel entdeckt

Laut Angaben von Agrarminister Horst Seehofer von gestern Abend traten auf der Insel Rügen ernsthafte Verdachtsfälle des aggressiven H5N1-Virus' auf, der auch für Menschen gefährlich sein kann. Bei zwei von insgesamt vier toten Schwänen fiel ein Schnelltest auf H5N1 positiv aus, teilte das Bundesagrarministerium in Berlin mit. "Es deutet alles auf das hochpathogene Virus H5N1 hin", sagte Horst Seehofer. Der CSU-Politiker zog die bundesweite Stallpflicht für Geflügel auf den kommenden Freitag vor.

Am Abend sei er vom nationalen Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit über die Verdachtsfälle informiert worden, teilte der Minister mit. Unmittelbar nach dem Gespräch mit Institutschef Thomas Mettenleiter habe er die Landesregierung in Schwerin unterrichtet, die sofort alle Notmaßnahmen wie die Schutz- und Sperrzonen eingeleitet habe. Gefährdungen für den Tourismus sieht Seehofer nicht, fügte aber hinzu: "Wir bitten auch die Bevölkerung um Mithilfe, dass sie tote Tiere in der Natur meldet - um Gottes Willen nicht anfasst, damit unsere Behörden dann das ihre tun können."

Die Vogelgrippe
Virus
DDP
Die Vogelgrippe, auch als Aviäre Influenza bekannt, ist eine hochansteckende Viruskrankheit und befällt vor allem Hühner und Puten, aber auch Wildvögel, Fasane und Perlhühner. Der Virusstamm H5N1 ist eine besonders aggressive Variante, die bei 80 bis 100 Prozent der erkrankten Tiere innerhalb weniger Tage zum Tod führt. In seltenen Fällen können sich auch Menschen anstecken. Weltweit wurden bisher über 300 solcher Fälle festgestellt, die meisten in Asien. Fast 200 Menschen starben. Die meisten hatten beruflich mit Geflügel zu tun.

Übertragen wird die Seuche von Tier zu Tier durch direkte Berührung, über Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit oder über Kontakt mit infiziertem Material wie Transportkisten oder Eierkartons. Bei starker Staubentwicklung ist auch eine indirekte Ansteckung über die Luft möglich.
Symptome
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Die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt meist 3 bis 14 Tage. Oft treten hohes Fieber, Atemwegsprobleme, Schwarzfärbung von Kamm und Kehllappen, Mattigkeit, Fressunlust, verminderte Legeleistung und Durchfall auf. Die Tiere können aber auch plötzlich tot umfallen oder ersticken.
Gefahr für Menschen
AP
Forscher sind besorgt, dass H5N1 mutieren könnte, bis es von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Neuere Forschungsergebnisse bestätigen diese Befürchtung: Der Subtyp H1N1, der von 1918 bis 1920 als Spanische Grippe grassierte und bis zu 50 Millionen Tote forderte, war ein reines Vogelvirus, das sich an den Menschen angepasst hat. Denkbar ist auch eine Doppelinfektion eines Menschen oder eines Schweins mit menschlichen und tierischen Erregern. Dabei könnte sich eine Virus-Variante bilden, die eine verheerende weltweite Seuche - eine sogenannte Pandemie - auslösen könnte.
Behandlung
Zwei Medikamente können Menschen im unwahrscheinlichen Fall einer H5N1-Infektion helfen: Die antiviralen Medikamente Tamiflu (Roche) und Relenza (GlaxoSmithKline). Tamiflu gibt es als Tablette oder Saft, Relenza als Pulver, das inhaliert wird. Sie werden auch Neuraminidase-Hemmer genannt. Neuraminidase ist eine Eiweißstruktur an der Virushülle. Wird diese Struktur von den Medikamenten blockiert, können neu gebildete Influenza-Viren die Wirtszelle nicht mehr verlassen und sich daher nicht weiter im Körper ausbreiten. Die deutschen Bundesländer haben 2006 beschlossen, mehr als acht Millionen Dosen beider Medikamente als Vorsichtsmaßnahme kaufen. Sie sollen die Monate zwischen einem Pandemie-Ausbruch und der Entwicklung eines Impfstoffs überbrücken.

Seehofer berief für heute den nationalen Tierseuchenkrisenstab ein, um die Situation mit den zuständigen Landesministern zu erörtern. Daran nimmt neben seinen Länderkollegen auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) teil.

Urlauber hatten die toten Tiere bereits am 8. Februar entdeckt. Rund um die Fundstelle wurde nach Angaben der Agrarministerien in Berlin und Schwerin eine Schutzzone im Umkreis von drei Kilometern und eine Überwachungszone im Umkreis von zehn Kilometern eingerichtet. In der Schutzzone werden 21 Tage lang alle Betriebe festgestellt, die Geflügel halten, die Tiere werden desinfiziert, und es herrscht ein Bewegungsverbot.

Die Sprecherin des Schweriner Agrarministeriums, Iris Uellendahl, erklärte: "Wir rufen alle Geflügelhalter zu äußerster Vorsicht auf." Man empfehle, das Geflügel ab sofort im Stall zu halten. Erst gestern Nachmittag hatte Seehofer angeordnet, die ursprünglich für 1. März vorgesehene Aufstallungspflicht auf den 20. Februar vorzuziehen, nachdem auch in Österreich Vogelgrippe-Verdachtsfälle aufgetreten waren.

lan/AP/dpa

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