ThemaSchlafstörungenRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Traumforschung "Nachts offenbart sich unsere tierische Seite"

Schlafende Frau: "Während des Traums sind all unsere emotionalen Schaltkreise aktiv"Zur Großansicht
DDP / DAK / Schlaeger

Schlafende Frau: "Während des Traums sind all unsere emotionalen Schaltkreise aktiv"

5. Teil: Was ich aber überhaupt nicht realisiert hatte, war meine Wut

SPIEGEL: Haben Sie ihm davon erzählt?

Solms: Klar! Das ist ja das Wunderbare an der Analyse: dass es der einzige Ort ist, an dem man einem Menschen alles sagen kann, was man von ihm denkt.

SPIEGEL: Und mit neutraler Analytikermiene fragte er Sie dann, was "Pädophiler" für Sie bedeutet?

Solms: Genau. Tatsächlich verwies der Traum auf sexuelle Konflikte, die ich als Junge hatte. Ich will das hier nicht ausbreiten, es ist zu privat, aber im Grunde ging es um meinen Vater, der ja meine männliche Vorbildfigur war. Die Pädophilie im Traum verwies auf meine damaligen Zweifel, ob denn wohl mit seiner Sexualität, der meiner Eltern, alles in Ordnung war. Wenn mein Vater vielleicht impotent war, würde ich dann jemals ein richtiger Mann werden? Diese Art von Ängsten eben, die sich um die schmutzige sexuelle Welt drehen und um die eigene Scham und Unsicherheit.

SPIEGEL: Ist der Unfall Ihres Bruders in Ihren Träumen aufgetaucht?

Solms: Sehr, sehr oft. Ich war ja dabei, als er vom Dach fiel. Lange erinnerte ich mich immer nur daran, wie leid mir mein Bruder tat, als ich ein Kind war. Was ich aber überhaupt nicht realisiert hatte, war meine Wut auf ihn, weil er so viel Aufmerksamkeit bekam. Wie sehr ich ihm alles Schlechte wünschte. Darauf hat mich ein Traum gebracht: Darin war jemand vom Dach gefallen, und ich trat mit Füßen auf ihn ein ...

SPIEGEL: ... dieser Jemand stand für Ihren Bruder.

Solms: Meine Eltern erlaubten mir nicht, besser zu sein als er, wohl wegen ihrer Schuldgefühle. Sie hielten mich klein. Es schmerzte sie, seinetwegen, wenn ich irgendetwas Neues gelernt hatte.

SPIEGEL: Ein ziemlich starker Antrieb, richtig gut und erfolgreich zu werden?

Solms: Gewiss, so dass es alle mitkriegen: Seht mal, was ich geschafft habe! Gleichzeitig fand ich mit meinem Forschungsgebiet eine ideale Entschuldigung dafür, doch besser sein zu dürfen als mein Bruder. Meinen Eltern, die immer sagten: Sieh nur, wie weh du ihm tust, konnte ich antworten: Aber schaut mal, ich lerne etwas, womit ich Leuten mit neurologischen Krankheiten helfen kann, Leuten wie meinem Bruder.

SPIEGEL: Herr Professor Solms, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Das Interview führten Beate Lakotta und Annette Großbongardt

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 39 Beiträge
sam clemens 19.11.2009
... mal wieder was Interessantes im SPIEGEL. Zur Traumsymbolik: Dass es keine allgemeingültige Symbolik gibt, erkennt jeder, der mal ein Traumtagebuch geführt hat. Ebenso offensichtlich wird der Grund vieler Träume in [...]
... mal wieder was Interessantes im SPIEGEL. Zur Traumsymbolik: Dass es keine allgemeingültige Symbolik gibt, erkennt jeder, der mal ein Traumtagebuch geführt hat. Ebenso offensichtlich wird der Grund vieler Träume in Auseinandersetzungen mit dem Alltagsgeschehen, vor allem mit den Alltagsängsten. Ein paar wenige Träume sind dann so stark, dass mehr dahinter stecken muss. Alles in allem ein sehr interessantes Gebiet - und das Interview wurde dem gerecht.
suum.cuique 19.11.2009
Zitat: Träume geben uns Einblicke in unsere elementare emotionale Persönlichkeit, glaubt der Neurowissenschaftler Mark Solms. Der zweite Teil des Satzes sagt schon alles. "Glaubt". Glauben heißt nicht wissen.
Zitat: Träume geben uns Einblicke in unsere elementare emotionale Persönlichkeit, glaubt der Neurowissenschaftler Mark Solms. Der zweite Teil des Satzes sagt schon alles. "Glaubt". Glauben heißt nicht wissen.
hajoschneider 19.11.2009
Mein Gott, welch tiefgreifende Erkenntnis.
Zitat von sysopTräume geben uns Einblicke in unsere elementare emotionale Persönlichkeit, glaubt der Neurowissenschaftler Mark Solms. Im SPIEGEL-ONLINE-Gespräch erklärt er die tiefere Bedeutung unserer Träume - und erzählt, was er aus seinen eigenen Träumen gelernt hat. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,660784,00.html
Mein Gott, welch tiefgreifende Erkenntnis.
empro 19.11.2009
Interessantes Interview! Glückwunsch zu dieser analytischen Meisterleistung. Was wollen Sie damit sagen?
Zitat von suum.cuiqueZitat: Träume geben uns Einblicke in unsere elementare emotionale Persönlichkeit, glaubt der Neurowissenschaftler.....
Interessantes Interview! Glückwunsch zu dieser analytischen Meisterleistung. Was wollen Sie damit sagen?
Blair01 19.11.2009
Deshalb ist das auch WIssenschaft und kein Esoterischer Blödsinn! Wenn ein Wissenschaftler von "Glauben" spricht meint er das er eine Hypothese hat die er (noch?) nicht ausreichend belegen kann. Intersantes [...]
Zitat von suum.cuiqueZitat: Träume geben uns Einblicke in unsere elementare emotionale Persönlichkeit, glaubt der Neurowissenschaftler Mark Solms. Der zweite Teil des Satzes sagt schon alles. "Glaubt". Glauben heißt nicht wissen.
Deshalb ist das auch WIssenschaft und kein Esoterischer Blödsinn! Wenn ein Wissenschaftler von "Glauben" spricht meint er das er eine Hypothese hat die er (noch?) nicht ausreichend belegen kann. Intersantes Interview, es erscheint mir logisch das Träume sich um das eigene Alltagsleben drehen und von innen kommen. Gerade deshalb halte ich Bücher zur Traumdeutung für kompletten Unsinn.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Mensch
alles zum Thema Schlafstörungen

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Zur Person
Muir Vidler
Mark Solms - Mit seiner Entdeckung, dass REM-Schlaf und Traum voneinander unabhängige Vorgänge sind, leitete der Neurowissenschaftler und Psychoanalytiker eine internationale Freud-Renaissance ein. Der 48-Jährige, in Namibia geboren, lehrt als Professor Neuropsychologie in London und New York; er lebt in Kapstadt, wo er die neurologische Abteilung des Groote-Schuur-Hospitals leitet. Nebenbei übersetzt er Freuds Werke neu und verzeichnet erste Erfolge als Winzer auf seiner Farm, deren Angestellte er zu 50 Prozent am Gewinn beteiligt hat.





TOP



TOP