Treibhausgas Globaler CO2-Ausstoß steigt dramatisch

In den letzten Jahren hat die Menschheit noch deutlich mehr Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen als zuvor. Neuen Messungen zufolge hat sich der jährliche Zuwachs des CO2-Ausstoßes gegenüber den neunziger Jahren verdreifacht. Die Schuld tragen nicht nur die boomenden Schwellenländer.


In den ersten fünf Jahren des neuen Jahrtausends ist der jährliche Kohlendioxid-Ausstoß der Menschheit mehr als drei Mal so stark gestiegen wie in den neunziger Jahren. Waren es zwischen 1990 und 1999 noch durchschnittlich 1,1 Prozent Zuwachs pro Jahr, nahmen die CO2-Emissionen in den Jahren 2000 bis 2004 um jährlich mehr als 3 Prozent zu. Diese beängstigende Zahl veröffentlicht ein internationales Forscherteam in der Wissenschaftszeitschrift "Proceedings of the National Academies of Sciences" (PNAS).

Braunkohlekraftwerk (bei Bergheim): "Keine Region reduziert den Kohlenstoffausstoß ihrer Energieversorgung"
DPA

Braunkohlekraftwerk (bei Bergheim): "Keine Region reduziert den Kohlenstoffausstoß ihrer Energieversorgung"

Die Zuwachsrate der Emissionen seit 2000 war damit sogar größer als im Treibstoff-intensivsten Zukunftsszenario, das der Klimarat der Vereinten Nationen in den neunziger Jahren entwickelt hat, schreiben die Forscher um Mike Raupach von der australischen Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) und Chris Field von der Carnegie Institution im kalifornischen Stanford. Die Realität hat die düsterste Vorhersage zum Treibhausgas-Ausstoß also noch übertroffen.

"Trotz des wissenschaftlichen Konsens, dass Kohlendioxid-Emissionen das Weltklima beeinflussen, sehen wir keinen Fortschritt beim Management dieser Ausstöße - weder in der industrialisierten Welt, noch in den Entwicklungsländern", sagte Field.

Größter Zuwachs in China

Tatsächlich fanden die Forscher in den boomenden Schwellenländern die größte Steigerung beim Treibhausgasausstoß, vor allem in China. Kürzlich hatte die Internationale Energieagentur prognostiziert, dass das asiatische Riesenland schon 2008 und damit früher als bisher gedacht die USA als weltgrößten CO2-Emittenten ablösen wird. Das bedeutet aber nicht, dass andere Weltgegenden unschuldig an der dramatische Zunahme wären. "Keine Region reduziert den Kohlenstoffausstoß ihrer Energieversorgung", stellen die Wissenschaftler fest.

Ihre Analyse basiere auf frei verfügbaren Angaben zum CO2-Ausstoß der einzelnen Staaten und Regionen. CSIRO-Forscher Raupach sagte: "Das wird maßgeblich dadurch getrieben, dass wir global gesehen pro Dollar Wertschöpfung mehr Kohlenstoff verheizen."

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Die 10 größten CO2-Emittenten
2005 seien beinahe acht Milliarden Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre geblasen worden, während es 1995 noch sechs Milliarden Tonnen gewesen seien. Klimaforscher stimmen darin überein, dass bis Mitte des Jahrhunderts der Ausstoß an Treibhausgasen um rund die Hälfte gegenüber dem Niveau von 1990 reduziert werden muss, wenn bis zum Jahr 2100 die durchschnittlichen Temperaturen um nicht mehr als zwei Grad Celsius ansteigen sollen. Diese Marke gilt als kritisch für die Vermeidung der schlimmsten Folgen des Klimawandels.

Diese Ziele will auch die deutsche G-8-Ratspräsidentschaft beim Gipfeltreffen im Heiligendamm im Juni festschreiben. Im Vorfeld torpedieren jedoch die USA bereits verbindliche Reduktionsziele: Aus einem US-Entwurf für das G-8-Papier zum Klimawandel geht hervor, dass US-Präsident George W. Bush die globale Erwärmung lieber als "langfristiges Thema" bezeichnen und für "eine Vielfalt von Ansätzen" plädieren möchte. Klimaforscher aus den wichtigsten Industriestaaten hingegen warnen Kanzlerin Merkel vor einer Verwässerung der Zielvorgaben.

stx/rtr

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