Trickreiche Therapie Kaugummikauen hilft nach Darm-OP

Die Säfte fließen nicht mehr, der Darm bewegt sich kaum: Nach einer Operation löst eine Darmlähmung häufig Schmerzen aus. Kaugummikauen soll dagegen helfen, denn dem Körper wird eine Nahrungsaufnahme vorgetäuscht. Das bringt den Muskelschlauch offenbar wieder in Schwung.


Der Eingriff ist folgenschwer: Wenn Ärzte einen Teil des Darms entfernen, bleibt der übrig gebliebene Muskelschlauch häufig auch nach der Operation vorübergehend gelähmt. Das Organ stellt seine Wellenbewegungen ein, die Verdauungssäfte fließen weniger - es droht ein schmerzhafter Darmverschluss mit Krämpfen, Übelkeit und Erbrechen. Um diesen sogenannten paralytischen Ileus zu verhindern, haben Ärzte einen einfachen Trick ausprobiert: Sie ließen ihre Patienten Kaugummi kauen, um die Verdauung wieder in Schwung zu bringen.

Spaß mit erwünschten Nebenwirkungen: Kaugummikauen kann offenbar Probleme nach Operation verringern
AP

Spaß mit erwünschten Nebenwirkungen: Kaugummikauen kann offenbar Probleme nach Operation verringern

Ob dieses Verfahren tatsächlich hilft, haben jetzt Wissenschaftler um Sanjay Purkayastha vom St. Mary's Hospital in London untersucht. Sie werteten fünf Studien aus, an denen insgesamt 158 Patienten teilnahmen, jeweils aufgeteilt in eine Gruppe, die nach dem Eingriff Kaugummi kauten und eine Kontrollgruppe ohne diese vermutete Hilfsmaßnahme. Drei Mal täglich kauten die Probanden der ersten Gruppe fünf bis 45 Minuten lang zuckerfreien Kaugummi.

Bei ihnen setzte die Darmtätigkeit etwa einen Tag früher ein als bei der Kontrollgruppe und auch die Darmgase traten schneller wieder auf. Wie die Forscher im Fachmagazin "Archives of Surgery" berichten, konnten die Teilnehmer der Studiengruppe das Krankenhaus zudem etwas früher verlassen als die Kontrollprobanden.

Die Theorie hinter dem Experiment: Kaugummikauen täuscht dem Körper eine Nahrungsaufnahme vor, vermuten die Wissenschaftler. Dadurch werden die Nerven im Verdauungssystem stimuliert und Hormone freigesetzt, die die Produktion von Speichel und Sekreten aus der Bauchspeicheldrüse erhöhen. Die Forscher merken allerdings an, dass ihre Metaanalyse nur ein Hinweis darauf sei, dass Kaugummikauen tatsächlich helfen könne. Beweise könnten erst größer angelegte Untersuchungen mit besserem Studiendesign liefern.

In Deutschland erkranken jährlich rund 73.000 Männer und Frauen neu an Darmkrebs. Der Tumor ist der häufigste Grund für die Entfernung eines betroffenen Darmabschnittes. Neben der Gefahr eines paralytischen Ileus müssen die Patienten oft vorübergehend, mitunter aber auch langfristig mit einem künstlichen Darmausgang leben und haben aufgrund des fehlenden Abschnitts häufig mit Verdauungsproblemen zu kämpfen.

hei/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.