Warmes Wetter Warum in Norddeutschland das Trinkwasser knapp wurde

Über 30 Grad Celsius im Mai: Durch die Hitze kam es in einigen Orten im Norden von Deutschland bereits zu Trinkwassermangel. Ein niedriger Grundwasserspiegel war allerdings nicht das Problem.

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Die ungewöhnlich große Hitze so früh im Jahr belastet nicht nur die Pflanzen im Garten und auf den Feldern, auch auf die Wasserversorgung wirkt sie sich aus.

Im Norden von Niedersachsen ist es wegen der Trockenheit im Landkreis Stade zu Engpässen bei der Trinkwasserversorgung gekommen.

Wie unter anderen der NDR berichtet, sei am Wochenende in Harsefeld südlich von Stade zeitweise kein Wasser mehr aus dem Hahn gekommen. Das Notruftelefon des für die Trinkwasserversorgung zuständigen Trinkwasserverbands sei aufgrund der vielen Anrufe von besorgten Bürgern nicht mehr erreichbar gewesen, hieß es. Auch in Böhmetal in der südwestlichen Lüneburger Heide kam es zu Versorgungsproblemen.

Vor allem weiter abgelegene Wohngebiete, die zwischen den einzelnen Orten liegen, waren betroffen. Einige Landwirte konnten zudem ihre Tiere nicht mehr tränken. Probleme gab es mit einigen Melkanlagen, für deren Betrieb ebenfalls Wasser benötigt wird.

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Das Problem der Versorgungsengpässe entsteht aber nicht, weil Brunnen versiegen und der Grundwasserspiegel zu niedrig oder die geförderte Menge zu gering ist. "Im Gegenteil, der Grundwasserspiegel ist sogar höher als sonst, weil es stärker geregnet hat", sagt Fred Carl vom Trinkwasserverband Stader Land. Wasser ist also genug da.

In der Region reichte vielmehr der Druck in den Wasserleitungen nicht mehr aus, als am Abend des Wochenendes der Wasserverbrauch von vielen Bürgern anstieg. Das liegt am sogenannten Rohrreibungsverlust. "Je größer die Reibung in der Leitung, desto geringer ist der Druck", sagt Carl. Deshalb waren vor allem Verbraucher betroffen, die am Ende von sehr langen Wasserleitungen wohnen.

Helfen könnte nur ein geringerer Wasserverbrauch, so Carl. Der Trinkwasserverband rief die Bürger dazu auf, bei der anhaltenden Hitze mit Wasser sparsam umzugehen und Aktionen, bei denen sehr viel Wasser verbraucht wird, möglichst einzustellen. So sollten Kinderplanschbecken am besten vorerst nicht mehr verwendet werden. Auch auf den Einsatz von Rasensprenganlagen oder auf Autowaschen sollte verzichtet werden.

Genau wie viele Landwirte, deren Felder unter der Hitze leiden, hofft man auch in Stade darauf, dass die Temperaturen zurückgehen oder Regen kommt. Dann müssen Garten und Felder weniger gewässert werden und der Verbrauch sinkt wieder.

Eisen und Mangan werden herausgefiltert

Zu regionaler Trinkwasserknappheit kommt es selbst in Deutschland bei Hitzeperioden immer wieder - nicht nur in dauerhaft heißen Ländern. Größere Gemeinden können solche sprunghaften Anstiege beim Verbrauch in der Regel besser abpuffern. Sie schöpfen häufiger aus einem ganzen Netzwerk von Brunnen und Aufbereitungsanlagen, und auch ihre Rohrleitungen sind für höheren Verbrauch ausgelegt. Hamburg beispielsweise wird von einem Verband aus 16 Wasserwerken mit jeweils etlichen Brunnen versorgt, die Trinkwasser in großen Behältern aufbereiten und speichern.

Derzeit registriert man aber auch in Hamburg einen erhöhten Bedarf der Bürger. "An normalen Tagen verbrauchen wir etwa 300.000 Kubikmeter Wasser, im Augenblick sind es 400.000", sagt Sabrina Schmalz von Hamburg Wasser. Ein deutlicher Unterschied.

Das Wasser wird jedoch nicht einfach aus der Erde zutage gefördert und zum Verbraucher gepumpt. Vorher wird es im Wasserwerk mit Sauerstoff belüftet, Stoffe wie Eisen und Mangan werden herausgefiltert, Eisen sorgt etwa für eine rötliche Färbung.

"Wir beobachten das Wetter"

Es dauert etwa 20 Stunden, bis Grundwasser zu fertigem Trinkwasser aufbereitet ist, das zu den Verbrauchern gepumpt wird. Solche Zeiträume können zum Problem werden, wenn der Verbrauch bei den Bürgern schlagartig ansteigt. Mit Vorratsbecken, flexibel arbeitenden Anlagen und einem leistungsfähigen Leitungsnetz können Wasserwerke Schwankungen ausgleichen.

Das größte Hamburger Wasserwerk, die Anlage in Rothenburgsort, hat eine minimale Tagesleistung von 19.000 Kubikmetern. Sie kann bei Bedarf aber auf 60.000 Kubikmeter gesteigert werden. Zumindest in den größeren Kommunen muss sich also vorerst niemand Sorgen machen, dass er verdurstet. Und auch im Landkreis Stade funktionierte zumindest Anfang der Woche alles wieder normal.

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dragondeal 29.05.2018
1. Der Verbraucher
am Ende der Leitung dürfte wohl das Gleiche bezahlen wie der am Anfang. Also steht ihm auch die gleiche Leistung zu. Und solange es nicht am Wassermangel an sich liegt (was hierzulande annähernd ausgeschlossen ist), sollen die Versorger ihre Probleme nicht auf die Kunden abwälzen. Wann sonst als bei sommerlichen Temperaturen sollte man denn das Planschbecken für die Kinder rausholen?
Moonshine42 29.05.2018
2. mangelnde Infrastruktur
Da der Reibungsverlust ja immer vorhanden ist, hat der Wasserversorger schlicht die Infrastruktur nicht dem steigenden Bedarf durch immer neue Anschlüsse angepasst. Den Winter über hat's noch funktioniert, aber irgendwann ist Ende Gelände, wenn der Sommer kommt. Ein Trauerspiel. Es wird einfach zu wenig investiert, überall nur noch Sparmodus. Das geht nicht ewig gut.
tepchen 29.05.2018
3. Da sieht man wo die allgemeine Panikmache hinführt
da wird wegen ein paar Stunden kein Wasser gleich der persönliche Notstand ausgerufen und gefragt ob Terroristen die Wasserwerke besetzt haben. Vor 20 Jahren wenn es mal kein Wasser gab, Schulter zucken und warten... irgendwann kommt es wieder. Die besorgten Bürger sollten mal ein paar Jahre im Ausland (natürlich nicht Mitteleuropa) verbringen, da sind Strom- und Wasserausfälle normal und man lernt wieder gesunde Gelassenheit.
Sal.Paradies 29.05.2018
4. Blödsinn wg. Notstand
Zitat von tepchenda wird wegen ein paar Stunden kein Wasser gleich der persönliche Notstand ausgerufen und gefragt ob Terroristen die Wasserwerke besetzt haben. Vor 20 Jahren wenn es mal kein Wasser gab, Schulter zucken und warten... irgendwann kommt es wieder. Die besorgten Bürger sollten mal ein paar Jahre im Ausland (natürlich nicht Mitteleuropa) verbringen, da sind Strom- und Wasserausfälle normal und man lernt wieder gesunde Gelassenheit.
Es ist völlig normal, dass Bürger anrufen, wenn das Wasser plötzlich ausbleibt. Schließlich könnte ja auch eine Havarie vorliegen, die eine Versorung nicht mehr möglich macht. Dieses Problem ist wohl eindeutig von den Versorgern verschuldet, weil die keine nötigen Investitionen in immer mehr Abnehmer vorgenommen hatten. Gerade eben wurden uns allen noch gesagt wir sollen mehr Wasser verbrauchen, weil die Leitungen sonst nicht mehr ausreichende durchspült werden und plötzlich sollen alle wieder sparen? Ich selbst habe einen großen Garten und kann verstehen, dass die Leute da ihren Garten nicht vor die Hunde gehen lassen wollen. Also wässern sie, weil Pflanzen, etc..ja auch Geld kosten, wenn sie kaputt gehen. Aber um zu wissen, was gerade vor sich geht, müssen die Bürger anrufen um sich zu erkundigen. Ihnen Panik vorzuwerfen, ist Blödsinn.
Malshandir 29.05.2018
5. Von anderen Ländern lernen
In anderen Ländern bekommt der Verbraucher Entschädigungen verschuldenaunabhängig. Und der Versorger muss binnen 6 Stunden für Abhilfe sorgen.Sprich Wassertrucks. Nur so zwingt man Versorger zu investieren.
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