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Keime im Trinkwasser: Der Feind in meiner Wasserleitung

Von Daniela Frank

Wasserhahn mit Trinkwasser (Archivbild): Nach dem Urlaub mal laufen lassen Zur Großansicht
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Wasserhahn mit Trinkwasser (Archivbild): Nach dem Urlaub mal laufen lassen

Obwohl unser Trinkwasser als sehr sicher gilt, infizieren sich immer wieder Menschen mit Legionellen, Darmkeimen und Co. Wie verhindert man Keimbildung in den Leitungen?

Es klingt gruselig, aber unser Trinkwasser ist voller Bakterien - allein in einem Glas befinden sich etwa zehn Millionen davon. Das muss nicht schlecht sein, auf die Art der Keime kommt es an. Neben den harmlosen Mikroben kommt es immer wieder zu Infektionen durch Legionellen oder Darmkeimen - etwa 2013 in Warstein mit 160 Fällen. Besonders die Legionellenkrankheit kann gefährlich werden. Sie verläuft grippeähnlich und kann schwere Lungenentzündungen hervorrufen - in Warstein gab es zwei Todesfälle.

Das Problem kann durchaus in den eigenen vier Wänden entstehen. Am hauseigenen Wasserzähler kommt dann sauberes Wasser an, das durch die Rohre im Gebäude verunreinigt wird. Wie sich so etwas vermeiden lässt, haben Wissenschaftler der schwedischen Lund Universität untersucht. Sie analysierten für eine Studie sogenannte Biofilme aus Wasserleitungen und -zählern. Die Vielfalt in diesen Keimkolonien ist größer als bisher angenommen, folgern die Forscher aus ihren Untersuchungen.

Die meisten Bakterien schwimmen nicht frei im Trinkwasser herum. Mehr als 95 Prozent von ihnen sitzen als dünne Schicht innen auf der Oberfläche von Wasserleitungen und -zählern. Sie bilden den Biofilm, eine symbiotische Lebensgemeinschaft aus Mikroorganismen wie Bakterien, Pilzen oder Algen. Sie nutzt die Stoffwechseleigenschaften und Schutzmechanismen der jeweils anderen Spezies. So sind die Mikroorganismen widerstandsfähiger und können Nährstoffe aus der Umwelt besser aufnehmen.

Biofilme, die Entscheider über sauberes Wasser

Enthalten Biofilme schädliche Bakterien, können diese das Wasser verunreinigen oder Geschmack, Farbe und Geruch beeinflussen. Ihre genaue Zusammensetzung ist bisher noch nicht gut untersucht. Die Forscher stellten nun fest, dass Biofilme mehr verschiedene Bakterienarten enthalten, als bisher bekannt - mindestens ein paar Tausend. Daher könnten sie eine größere Rolle spielen als bisher angenommen und entscheidend zur Sauberkeit des Wassers beitragen.

"Wir vermuten, dass es gute Bakterien gibt, die helfen, unser Wasser sauber zu halten - ähnlich dem, was in unserem Darm passiert", sagt Forscherin Catherine Paul. Mithilfe von Präbiotika und anderen Nährstoffen können wir beispielsweise die Funktion unseres Darms beeinflussen. "Wir hoffen, dass wir irgendwann die Zusammensetzung der Bakterien im Wasser ähnlich beeinflussen und die Wasserqualität kontrollieren können, indem wir das Wachstum der guten Bakterien anregen."

Doch diesen Wunsch sehen andere Forscher kritisch: "Das halte ich für schwierig", sagt Hans-Curt Flemming, ehemaliger Institutsleiter des Biofilm Centre der Universität Duisburg Essen. Die Zusammensetzung eines Biofilms in einem offenen System, wie es unsere Wasserversorgung ist, lasse sich nicht so einfach steuern. Biofilme seien sehr komplex und an jeder Ecke der Leitung anders zusammengesetzt. "Nährstoffe, die man dem Wasser zugibt, haben sich meist auch als gutes Futter für die schon angesiedelten Mikroorganismen erwiesen."

Das sieht auch Manfred Höfle vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung so. "Man kann natürlich versuchen, eine Substanz zu finden, die unerwünschten Bakterien die Nährstoffgrundlage entzieht", sagt er. "Allerdings muss diese dann auch für den Menschen gut verträglich sein." Dies zu testen, sei aufwendig und teuer. In der Vergangenheit habe man eher daran gearbeitet, das Trinkwasser von Substanzen zu befreien, die sich irgendwann als schädlich für den Menschen herausgestellt haben - wie Nitrat oder Phosphat.

Besser wenig Nährstoffe statt Chlor

Aber wie reguliert man dann am besten die Bakterienpopulation? "Man muss die Bedingungen in den Leitungen steuern", sagt Flemming. Die Zusammensetzung der Biofilme hängt von vielen verschiedenen Parametern ab, wie der Wassertemperatur, dem pH-Wert, dem Chlorgehalt sowie der Zeit, in der sie sich entwickeln konnten. Von manchen Oberflächen, wie beispielsweise Gummidichtungen, beziehen bestimmte Bakterien womöglich auch Nährstoffe.

"Man muss schauen, wo sich schädliche Bakterien vermehren können und dann die Umgebung entsprechend verändern", so Flemming. Wasserversorger halten das Wasser vor allem nährstoffarm. Die harmlosen Bakterien im Trinkwasser sind an ein solches Milieu angepasst. Darmbakterien hingegen sind beispielsweise mehr Nährstoffe gewohnt. Befinden sie sich im Wasser, sorgt die Nährstoffknappheit dafür, dass sie absterben. "Das ist eine bessere Strategie als beispielsweise in den USA, wo das Wasser gechlort wird", sagt Flemming.

Um gefährlichen Bakterien die Nährstoffe zu entziehen, sollte man etwa bei der Erneuerung und Installation von Leitungen auf die richtigen Teile achten. Welche das sind, regeln laut Höfle in Deutschland entsprechende Verordnungen. "Einfach daran halten und beim Leitungsbau nicht sparen", ist sein Tipp.

Ungeeignete Materialien sind etwa verzinkte Stahlleitungen beim Warmwasser oder nicht zertifizierte Kunststoffe in Rohren oder Schläuchen. Warmwasserspeicher sollten regelmäßig gewartet werden, um Kalk- und Schlammablagerungen gering zu halten. "Die Wasserzähler sind in diesem Zusammenhang interessant, weil in ihren Biofilmen Krankheitserreger oder Fäkalindikatoren sein können, die das ganze nachfolgende Netz kontaminieren können", sagt Flemming. "Bei den jüngsten Fällen waren es die Hersteller, die bei Dichtigkeitsprüfungen kein keimfreies Wasser verwendet hatten und somit verkeimte Wasserzähler geliefert haben."

Der beste Rat für Zuhause bleibt: Wasser verbrauchen und ab und zu auch mal heiß aufdrehen. Steht Wasser zu lange in den Leitungen, können sich unerwünschte Bakterien leichter vermehren. Deshalb sollte man vor allem nach dem Urlaub das Wasser für einige Zeit ablaufen lassen. Das heiße Wasser sollte beim Ablaufen nach etwa drei Litern mindestens 55 Grad erreichen und das Kaltwasser 25 Grad nicht überschreiten. Der Einbau von Filtern gehört nicht zu den empfohlenen Maßnahmen.

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1. Leitung spülen?
noalk 21.12.2015
Bierleitungen in Kneipen müssen regelmäßig durchgespült ung mit Spezialschwämmen gereinigt werden. Könnte das auch eine Alternative für die Hauswasserleitung sein?
2.
chewbakka 21.12.2015
.... und wenn wir es dann endlich geschafft haben, Bakterien vollständig aus unserem direkten Umfeld zu entfernen, werden wir feststellen daß unser Immunsystem dann so sehr untrainiert ist, daß wir bereits von jeder kleinen, an sich harmlosen, Infektion, sterbenskrank werden. Wir brauchen Bakterien als Sparringspartner für unser Immunsystem! Wenn es die nicht mehr gibt, baut das Immunsystem ab. Sieht man ja auch daran, daß Menschen, die ständig Bakterien ausgesetzt sind, im Mittel gesünder sind, als solche, die in Sagrotan gesäuberten Wohnungen leben. Ich denke an Menschen in der Landwirtsachaft und auch z.B. Hundehalter .........
3. Unser ach so gutes Trinkwasser ...
schüttelkugel 21.12.2015
... wird ja gerne als das sauberste und unbedenklichste aller Lebensmittel gepriesen. Jaja, wenn man Proben direkt im Wasserwerk nimmt, vielleicht schon. Aber dort befindet sich leider nicht mein persönlicher Zapfhahn. Dass man von dort aus sauberes, keimfreies Wasser auf die Reise durch die Leitungen schickt, erwarte ich ganz einfach. Aber diese Messungen können nicht zu den immer wieder zu lesenden/hörenden Aussagen führen, dass zu Hause absolute Spitzenqualität aus dem Hahn flließt. Bis das Wasser dort ankommt, ist es nur noch eine höchst fragwürdige Brühe. Wenn man bundesweit mal genau an den Entnahmestellen misst, kommen garantiert andere Werte raus, als man uns weismachen will. Ich weiß schon, warum ich mein Wasser lieber steril abgefüllt in Flaschen kaufe.
4.
darksystem 21.12.2015
Wenn ich "krank" bin nehme ich i.d.R. nie irgendwelche Medikamente oder gehe zum Arzt, im Gegensatz zu vielen anderen Menschen welche beim ersten Nieser für 2 Wochen krank geschrieben sind. Während dieser Zeit keine "schwere" Erkältung, keine Grippen, kein Fieber, keine Ohrinfekte, keine Übelkeit, kein Magen-Darm-Zeug, absolut nichts, ja nicht einmal Halsweh.... Eventuell mal eine laufende Nase, aber das war es dann auch schon. Und das funktioniert schon viele viele Jahre absolut bestens. Verglichen mit meiner Schwester welche zur genannten Gruppe der Dauergäste beim Arzt gehört, ist sie mindestens 5-6 mal im Jahr "richtig" krank. Ich ziehe daraus den Schluss das sich ein Arztbesuch wirklich nur bei "richtigen" Erkrankungen lohnt (damit meine ich potentiel tödliche Erkrankungen und Störungen der Grundfunktionen des Körpers) und unser Körper deutlich mehr selbst verkraften und reparieren kann als wir glauben oder uns erzählt wird.
5. Könnte ich mir vorstellen
derBob 21.12.2015
Zitat von noalkBierleitungen in Kneipen müssen regelmäßig durchgespült ung mit Spezialschwämmen gereinigt werden. Könnte das auch eine Alternative für die Hauswasserleitung sein?
Als ich könnte mir durchaus eine Bierleitung als Alternative für die Hauswasserleitung vorstellen :-D
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