Tsunami Flutwelle legte Tempel frei

Bei aller Zerstörung, die der Tsunami in Südasien angerichtet hat, gibt es zumindest einen positiven Effekt: In Indien legten die Fluten mehr als tausend Jahre alte steinerne Kunstwerke frei.


Tempel in Tamil Nadu: Freigelegt von der Flut
AFP

Tempel in Tamil Nadu: Freigelegt von der Flut

In Indien ist die zerstörerische Flutwelle vom 26. Dezember Archäologen zu Hilfe gekommen. In der Nähe des Mahabalipuram-Tempels in der südindischen Region Tamil Nadu legten die Wassermassen drei annähernd zwei Meter hohe Granitrelikte frei, eines davon offenbar die Statue eines Löwen. Die Kunstwerke wurden im Sand entdeckt, nachdem der Tsunami die Küstenlinie verschoben hatte.

"Sie könnten Teil einer kleinen Hafenstadt gewesen sein, die hier existiert hat, bevor sie im Meer verschwand. Oder sie könnten zu einem Tempel oder anderen Gebäude gehört haben, wir untersuchen das", sagte ein Sprecher der Organisation "Archeological Survey of India" (ASI) der BBC.

Die Forscher datieren die Überreste auf das siebte Jahrhundert nach Christus. Sie sind mit kunstvollen Reliefs verziert, ähnlich denen, die sich auch am Mahabalipuram-Tempel finden.

Bronze-Buddha: An der Küste angespült
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Bronze-Buddha: An der Küste angespült

Der Tempel wurde von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt, weil er eines der frühesten Beispiele für die Architektur der dravidianischen Kultur darstellt. Einem alten Mythos zufolge sollen neben dem einen Tempel an Land noch sechs weitere existieren, die vom Meer bedeckt sind.

Auch am Tempel selbst half die Flutwelle den Archäologen: Sie befreite ein Relief von einer dicken Schicht Sand. Inzwischen lockt das gereinigte Kunstwerk laut BBC große Gruppen von Touristen an.

Nicht nur mit seiner reinigenden Wucht half der Tsunami den Wissenschaftlern, er brachte ihnen auch noch ein unerwartetes Geschenk: Eine über 20 Zentimeter hohe Buddhastatue aus Bronze wurde an die Küste gespült. Der ASI-Sprecher spekulierte, die Figur könne aus Burma oder Thailand stammen. Im Augenblick werde nach dem Eigentümer gefahndet, möglicherweise werde man der Statue aber einen Platz in einem indischen Museum verschaffen.



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