Tumore im Kopf: Hirnscan weist Krebs nach

Eine zuverlässige Diagnose von Hirntumoren - diesem Ziel sind US-Forscher ein ganzes Stück näher gekommen. Sie nutzen die Magnetresonanztomografie, um Krebsgeschwüre zu erkennen. Proben müssen so nicht mehr entnommen werden.

Mit einem Hirnscanner kann man keine genetischen Informationen auslesen - zumindest nicht direkt. Wissenschaftler der University of California in San Diego haben nun jedoch eine Methode entwickelt, um mit der sogenannten Magnetresonanztomografie (MRT) typische Gene der häufigsten Hirnkrebsvariante nachweisen zu können.

Hirnscan (Archivbild): Krebsdiagnose möglich
AFP

Hirnscan (Archivbild): Krebsdiagnose möglich

Michael Kuo und seine Mitarbeiter analysierten die Gen-Expression verschiedener Tumortypen mit Hilfe von Gewebeproben. Diese glichen sie anschließend mit MRT-Bildern der gleichen Tumorarten ab. Dabei erkannten sie Eigenheiten der Tumore, über die eine genaue Diagnose möglich werden soll. Bisher sei die Erkennung derartiger bösartiger Geschwulste nur durch die Entnahme von Proben und sehr teure, nicht standardisierte Tests möglich gewesen, sagte Kuo.

"Wir haben ein Mittel gefunden, das es dem MRT erlaubt, molekulare Informationen hinsichtlich dieser Tumore sichtbar zu machen", erklärte der Forscher. Das Verfahren könne nicht nur für die untersuchte Art der Hirntumore, sondern auch zur Erkennung anderer Tumore, insbesondere in der Leber, entwickelt werden, schreiben die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Glioblastoma multiforme (GBM) ist der verbreitetste bösartige Hirntumor. Die Wissenschaftler analysierten mehr als 2000 Gene, von denen bereits bekannt war, dass sie bei GBM-Tumoren eine veränderte Expression zeigen. Kuos Team konnte dabei eine Korrelation dieser GBM-Charakteristika mit fünf verschiedenen per MRT ermittelten Eigenschaften feststellen.

Auch ein Team britischer Ärzte berichtet über einen Durchbruch bei der Hirntumordiagnose mit der Magnetresonanztomografie. Mithilfe der sogenannten Perfusions-MRT sei es gelungen, Veränderung in der Durchblutung des Gehirns zu erkennen, die oft im Vorfeld einer Krebserkrankung auftreten, berichten die Forscher im Fachblatt "Radiology". Die per MRT gemessene Erhöhung des Blutvolumens würden mindestens ein Jahr früher auftreten als andere Marker bösartiger Geschwulste, sagte Adam Waldman vom University College in London. Allerdings sind die Ergebnisse noch nicht durch eine größere Studie abgesichert: Waldmans Team untersuchte nur 13 Patienten.

Die Methode könnte vor allem bei der Früherkennung sogenannter Gliome helfen, eine sehr langsam im Gehirn heranwachsende Tumorart. "Patienten mit frühen Gliom-Formen sind oft jung und über Jahre gesundheitlich unauffällig", sagte Waldman. Zu einem nicht vorhersagbaren Zeitpunkt wandle sich der Tumor jedoch in eine sehr aggressive Variante. Die Diagnose per MRT ermögliche eine frühere Behandlung der Gehirntumore.

hda/AFP

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