Forensische Untersuchung Turiner Grabtuch gehörte nicht zu Jesus

Das Turiner Grabtuch wird bis heute als das Totentuch von Jesus verehrt. Nun bestätigt eine Untersuchung von Blutflecken erneut einen lang gehegten Verdacht.

Turiner Grabtuch
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Turiner Grabtuch


Das Tuch ist 4,36 Meter lang und 1,10 Meter breit und besteht aus Leinen. Eigentlich nichts Besonderes, wäre da nicht sein Muster. Zu sehen ist das Bildnis eines Mannes, der Wunden einer Kreuzigung aufweist. Deshalb wird das Tuch bis heute von einigen Menschen als Totentuch von Jesus verehrt. Doch nun zeigt sich: Das Tuch hat wahrscheinlich nichts mit Jesus zu tun.

Erstmals erwähnt wurde das Tuch im 14. Jahrhundert, heute lagert es im Turiner Dom und wird nur selten öffentlich gezeigt. Kritiker halten es für eine geschickte, mittelalterliche Fälschung. Die Katholische Kirche hat bislang nicht offiziell Position zu dem Stück bezogen.

Das Tuch zeigt die Vorder- und Rückseite eines bärtigen Mannes, die Arme vor der Leiste gekreuzt. Außerdem trägt es Zeichnungen, die aussehen wie Blutflecken von Wunden in den Handgelenken, Füßen und in der Seite. Die Verletzungen passen zu denen, die Jesus laut Bibel bei der Kreuzigung erlitten haben soll. Diese Blutflecken haben sich Forscher nun genauer angeschaut, wie sie im Fachmagazin "Journal of Forensic Sciences" berichten.

Papst Franziskus vor dem Grabtuch (2015)
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Papst Franziskus vor dem Grabtuch (2015)

Speerstich in Puppe

Mithilfe einer Puppe und eines Freiwilligen stellten sie den Blutfluss aus Jesus Wunden nach. Dabei konzentrierten sie sich auf die Ströme aus der linken Hand, den Unterarmen, nahe der Hüfte und aus einer Wunde in der Seite, die laut Bibel durch einen Lanzenstich verursacht wurde.

Der Freiwillige musste dazu in unterschiedlichen Positionen liegen - so, dass alle möglichen Flussmuster abgebildet werden konnten. Dann ließen die Forscher menschliches Blut mithilfe von kleinen Röhrchen von seinem Körper laufen - an genau den Stellen, an denen Jesus verletzt war. Anschließend verglichen sie das Muster auf dem Körper mit Fotos des Turiner Grabtuches.

Um die Speerwunde in der Seite nachzustellen, steckten die Wissenschaftler zudem einen mit Kunstblut vollgesogenen Schwamm, der genauso groß war wie Jesus Wunde, in ein schmales Holzbrett. Dieses rammten sie - als Ersatz für die Heilige Lanze - in eine Puppe. So konnten sie beobachten, wie sich das Kunstblut aus dem Schwamm über den Körper verteilte.

Zusammenhang "vollkommen unrealistisch"

Die Analyse zeigte, dass das Blutmuster, das bei einem aufrechten Körper am Kreuz durch einen Lanzenstich entsteht, zwar zu dem Muster auf dem Totentuch passt. Geht man aber davon aus, dass Jesus nach seinem Tod in liegender Position weiterblutete, sei ein Zusammenhang mit dem Turiner Grabtuch "vollkommen unrealistisch", schreiben die Forscher.

Begutachtung des Tuches während einer Messe im Jahr 2015
REUTERS

Begutachtung des Tuches während einer Messe im Jahr 2015

Die Zeichnungen auf dem Tuch seien nicht konsistent mit möglichen Blutmustern auf Jesus Körper, so die Forscher weiter. Oder anders gesagt: Jesus lag mit aller größter Wahrscheinlichkeit nie im Turiner Grabtuch.

Es ist nicht das erste Mal, dass Wissenschaftler die Echtheit des Turiner Grabtuches anzweifeln. So hatten beispielsweise Datierungen mit der Radiokarbonmethode im Jahr 1988 ergeben, dass das Tuch aus dem Zeitraum zwischen 1260 und 1390 stammt - und somit nicht zu Jesus gehören kann. Einige hielten die Untersuchung allerdings für ungenau und akzeptierten sie deshalb nicht als Gegenbeweis. Das untersuchte Material sei kontaminiert gewesen, argumentierten sie.

Video: Jesus: Fakt oder Fiktion?

SPIEGEL TV

jme/Reuters



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