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Beschädigung von Tutanchamun-Maske: Bart-Flicker kommen vor Gericht

Restaurierung der goldenen Maske: Sie ist etwa 3000 Jahre alt Zur Großansicht
DPA

Restaurierung der goldenen Maske: Sie ist etwa 3000 Jahre alt

Die Beschädigung der berühmten Totenmaske des ägyptischen Pharaos Tutanchamun hat ein gerichtliches Nachspiel: Museumsmitarbeiter in Kairo hätten den abgefallenen Bart äußerst sorglos angeklebt, sagt die Staatsanwaltschaft.

Im August 2014 war während der Reparatur der Vitrinenbeleuchtung der Kinnbart der mit Lapislazuli und Halbedelsteinen besetzten Tutanchamun-Goldmaske abgefallen. Mitarbeiter des Museums hatten diesen daraufhin mit Epoxydharzkleber wieder befestigt, dabei jedoch an der Bruchstelle eine sichtbare Klebenaht hinterlassen.

Wegen Beschädigung der berühmten Totenmaske des ägyptischen Pharaos Tutanchamun müssen sich nun acht Mitarbeiter des Ägyptischen Museums in Kairo vor einem Disziplinargericht verantworten.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, wird den Beschuldigten vorgeworfen, mit einer mehr als 3300 Jahre alten Antiquität äußerst sorglos umgegangen zu sein und die wissenschaftlichen Bestimmungen zur Restaurierung eklatant verletzt zu haben.

Sie hätten beim eiligen Wiederankleben des Bartes der Maske "grob fahrlässig" gehandelt, warf ihnen die Staatsanwaltschaft in einem Schreiben vor.

Scharfe Gegenstände

Der Unfall passierte, als die mehr als zwölf Kilogramm schwere Maske nach dem Auswechseln einer Glühbirne wieder auf den Sockel gehievt wurde: Der Zeremonialbart brach vom weltberühmten Konterfei. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft benutzten die Beschuldigten scharfe Gegenstände, um nach der "Reparatur" Reste des Kunstharzklebers von der Maske zu schaben.

Mithilfe einer mehr als zweimonatigen Restaurierungsarbeit gelang es deutschen Experten unter Leitung von Christian Eckmann vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz, die Maske fachgerecht zu reparieren - mit riesigem Aufwand. Am 16. Dezember 2015 kehrte die antike Kostbarkeit an ihren angestammten Platz im Kairoer Museum zurück.

Der britische Archäologe Howard Carter hatte den Grabschatz von Tutanchamun 1922 im Tal der Könige in Luxor entdeckt. Anders als die anderen ägyptischen Pharaonengräber waren die Grabkammern des 1324 vor Christus im Alter von 19 Jahren verstorbenen Pharaonen nicht geplündert worden. Mehr als 5000 Objekte wurden gefunden, viele der unbezahlbaren Schätze sind heute in Kairo im Ägyptischen Museum ausgestellt.

Derzeit steht die Grabkammer des Pharaos erneut im öffentlichen Fokus: Infrarotmessungen zeigten, dass hinter einer Wand das Grab der Königin Nofretete liegen könnte.

boj/AFP/dpa

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