Übergewicht: Schon Neunjährigen wachsen Brüste

Übergewicht trägt dazu bei, dass Mädchen immer zeitiger in die Pubertät kommen. Schon dicke Dreijährige haben neuen Studien zufolge ein größeres Risiko, früher geschlechtsreif zu werden als dünne Gleichaltrige. Forscher befürchten psychische Probleme als Folge.

Mädchen wachsen schon mit neun Jahren Brüste, Jugendliche werden immer früher geschlechtsreif, und wenn sie das erste Mal Sex haben, sind sie deutlich jünger als ihre Eltern beim ersten Mal. Doch woher kommt dieser frühe Beginn der Pubertät? Ein Grund könnte US-amerikanischen Hormonspezialisten von der University of Michigan zufolge in der zunehmenden Anzahl von dicken Kindern liegen.

Frühreif: Dicken Mädchen wachsen deutlich früher Brüste als normalgewichtigen Kindern
DPA

Frühreif: Dicken Mädchen wachsen deutlich früher Brüste als normalgewichtigen Kindern

Wie die Ärzte um Joyce Lee in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift " Pediatrics" berichten, ist die Wahrscheinlichkeit für übergewichtige Mädchen, schon im Alter von neun Jahren Brüste zu entwickeln, deutlich höher als für normalgewichtige Kinder.

Die Pediater untersuchten 354 Mädchen aus unterschiedlichen sozialen Schichten über mehrere Jahre hinweg. Die erste Bestandsaufnahme von Größe, Gewicht und Bodymass-Index machten die Mediziner, als die Kinder drei Jahre alt waren. Weitere Messungen erfolgten mit viereinhalb Jahren, sowie in der ersten, vierten, fünften und sechsten Klasse. Dabei untersuchten die Ärzte, ob die Mädchen bereits Brüste entwickelt hatten und erfragten, wann die Menstruation eingesetzt hatte.

Übergewichtige Dreijährige kommen früher in die Pubertät

In der vierten Klasse war ein Drittel der untersuchten Kinder entweder bereits zu dick oder an der Schwelle zum Übergewicht. 168 Mädchen befanden sich zu diesem Zeitpunkt schon in der Pubertät. Diese beiden Faktoren hingen den Analysen zufolge eng miteinander zusammen: Acht von zehn Mädchen, die mehr als zehn Kilo zu viel wiegen, entwickeln demnach noch vor dem neunten Geburtstag Brüste. Die Untersuchungen ergaben sogar, dass schon Übergewicht im Alter von drei Jahren die Gefahr für eine früh einsetzende Pubertät erhöht. "Früher wussten wir nicht, ob eine frühe Geschlechtsreife Übergewicht auslöst oder andersherum", sagte Studienleiterin Lee. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass es andersherum ist."

Auf welchem Weg Übergewicht die Geschlechtsreife beschleunigt, erklären die Forscher in ihrem Fachartikel nicht. Sie betonen jedoch, dass eine frühe Pubertät nicht selten psychischen Stress verursache und zu Verhaltensproblemen führe. Außerdem könnten früher Alkoholkonsum, Übergewicht im Erwachsenenalter und die Entstehung von Tumoren in den Fortpflanzungs-Organen begünstigt werden. "Wir müssen herausfinden, ob Gewichtskontrolle schon im frühen Kindesalter den Eintritt der Pubertät hinauszögern kann", sagte Lee.

Chilis töten Fettzellen

Die Ärztin gehört einer stetig wachsenden Forschergemeinde an, die sich mit Übergewicht - von vielen Wissenschaftlern als Epidemie bezeichnet - von medizinischer Seite befasst. Vor allem Studien zu Arzneien gegen die Fettsucht haben Konjunktur. In diese Sparte fällt auch eine aktuelle Untersuchung eines Forscherduos aus Taiwan: Die hat ergeben, dass Capsaicin, der Inhaltsstoff aus Chilis, Fettzellen im Labor dazu bringt, Selbstmord zu begehen. Auf diese Weise können sie sich aus den schlanken Vorläuferzellen nicht mehr in die prall gefüllten Fettspeicher umwandeln, die auch im menschlichen Körper den größten Teil des Fettgewebes ausmachen.

Um den fettreduzierenden Effekt zu erzielen, seien nur geringfügig höhere Capsaicin-Konzentrationen nötig gewesen als die, die nach dem Verzehr thailändischer oder indischer Gerichte im Magensaft vorherrschen, erklärten Chin-Lin Hsu und Gow-Chin Yen von der Nationalen Chung Hsing-Universität in Taichung. Sie stellen ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Journal of the Agricultural and Food Chemistry" vor (Bd. 55, S. 1730).

Hinweise darauf, dass Capsaicin einen positiven Einfluss auf das Körpergewicht haben könnte, gab es bereits in früheren Studien: So wurde die scharfe Substanz mit einer reduzierten Kalorienaufnahme ebenso in Verbindung gebracht wie mit einem erhöhten Stoffwechsel und einem dadurch verstärkten Energieumsatz.

Andere Forscher haben den Chili-Scharfmacher hingegen im Reagenzglas untersucht. Sie entdeckten bereits vor längerer Zeit, dass Capsaicin bestimmte Krebszellen töten kann: Der Wirkstoff konnte beispielsweise Krebszellen in der Prostata dazu bringen, ein Selbstzerstörungsprogramm einzuleiten.

Auch Hsu und Yen untersuchten den Chili-Effekt lediglich im Labor. Ob die fettverhindernde Wirkung auch im Körper eintritt, können die Wissenschaftler daher nicht sagen. Sie rechnen lediglich vor, dass im Magensaft eines erwachsenen Menschen nach einem scharfen Essen etwa die Hälfte der Capsaicin-Konzentration vorliegen kann, die den Effekt im Labor ausgelöst hat. Welche Wege die Substanz dann jedoch im Stoffwechsel geht, und ob sie tatsächlich die Vergrößerung von Fettpolstern verhindert, ist indes unklar.

hei/ddp

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