Überschallflieger-Konzept In fünf Stunden nach Australien jetten

Britische Ingenieure wollen ein Flugzeug entwickeln, das in fünf Stunden von Europa nach Australien fliegt. Der fensterlose Überschalljet soll mehr als 6000 km/h schnell sein und Platz für 300 Passagiere bieten. Ein Ticket soll nicht teurer sein als ein Business-Class-Flug.


London - Die Ära der zivilen Überschallflugzeuge ist vorbei, die letzte Concorde längst außer Dienst gestellt. Doch womöglich hebt in 20, 25 Jahren eine völlig neue Generation von Flugzeugen ab, die sie Hyperschallflieger nennt. Ideen dazu gibt es bereits, und zwar nicht nur in Japan, wo bereits 2005 der Prototyp eines Überschalljets erfolgreich getestet wurde. Am heutigen Dienstag haben britische Entwickler in London das Konzept des A2-Flugzeugs vorgestellt. Die Maschine soll 300 Passagiere aufnehmen und mit 6400 Stundenkilometern Geschwindigkeit zwischen den Kontinenten verkehren - das wäre fünfmal so schnell wie der Schall.

"Die Flugzeit von Brüssel nach Australien läge bei vier Stunden 40 Minuten", sagte der Chef der Entwicklerfirma Reaction Engines, Alan Bond, der Tageszeitung "The Guardian". Er räumte ein, dass die Aussicht auf diese Supermaschine heutzutage unglaublich erscheine, er halte es aber für durchaus möglich, dass künftige Generationen Tagesreisen nach Australien und Asien unternehmen könnten. Das A2-Flugzeug würde von Brüssel mit Unterschallgeschwindigkeit Richtung Atlantik fliegen, dann beschleunigen und mit fünf Mach, also fünffacher Schallgeschwindigkeit, den Nordpol passieren und über den Pazifik nach Australien gelangen.

Angetrieben mit Wasserstoff

Das Projekt A2 wird von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa unterstützt. Einsatzbereit könnte die Maschine allerdings frühestens in 25 Jahren sein, sagte Bond. Das 143 Meter lange Flugzeug soll doppelt so groß sein wie die größten Passagierjets der Gegenwart. Als Treibstoff ist flüssiger Wasserstoff vorgesehen, der umweltfreundlicher sein soll als Kerosin, weil bei der Verbrennung kein CO2 entsteht.

Das Reisen im Hyperschalljet dürfte freilich nichts für Klaustrophobiker sein: Die Passagiere müssen auf Fenster verzichten, weil sich die Außenhaut des Flugzeugs bei derart hohen Geschwindigkeiten extrem erhitzt. Möglicherweise sollen aber Flachbildschirme an den Innenwänden die Illusion erwecken, dass die Passagiere nach draußen blicken können. Der Preis für den Trip, der von Brüssel bis Australien vier Stunden und vierzig Minuten dauern soll, wird mit 4700 Euro veranschlagt - das entspricht dem, was heute in der Ersten Klasse für die Reise gezahlt werden muss.

Um die hohe Geschwindigkeit von mehr als 6000 km/h überhaupt erreichen zu können, muss der Jet eine andere Antriebstechnik nutzen als klassische Verkehrsflugzeuge. Die Ingenieure wollen sogenannte Staustrahltriebwerke einsetzen (Ramjet oder Scramjet), in denen die Luft allein durch die hohe Strömungsgeschwindigkeit komprimiert wird. Mit dieser Technik experimentiert auch die Nasa. Ein Testflugzeug erreichte 2004 damit die zehnfache Schallgeschwindigkeit.

hda/AFP



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