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Wissenschaftsumfrage: "Einfluss der Wissenschaft auf Politik ist zu gering"

Wissenschaftsbarometer: Zentrale Ergebnisse als Grafik Fotos
Corbis

Die Deutschen interessieren sich in hohem Maße für Wissenschaft und Technik, zeigt eine Umfrage. Sie fordern größeres Mitspracherecht bei Entscheidungen und mehr Einfluss der Wissenschaft auf die Politik.

Zu kompliziert, uninteressant, irrelevant - Wissenschaftsthemen haben einen schlechten Ruf. Doch die Realität ist eine andere, wie eine aktuelle Umfrage zeigt: Demnach wird die Bedeutung und der Nutzen von Forschung in der deutschen Bevölkerung hoch eingeschätzt. Viele Bürger wünschen sich, dass die Wissenschaft größeren Einfluss auf politische Entscheidungen bekommt - und sie wollen selbst stärker in Entscheidungen über Wissenschaft und Forschung einbezogen zu werden.

Grundlage für die Ergebnisse ist eine repräsentative Umfrage unter gut tausend Bundesbürgern Anfang Juli, die die TNS Emnid Sozialforschung im Rahmen einer Mehrheitenumfrage durchgeführt hatte. Auftraggeber ist die Initiative "Wissenschaft im Dialog" (WID), die von deutschen Wissenschaftsorganisationen gegründet wurde und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt wird.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) hielt den Einfluss der Wissenschaft auf politische Entscheidungen mindestens tendenziell für zu gering.
  • Knapp die Hälfte der Befragten gab an, dass der Einfluss der Öffentlichkeit auf die Wissenschaft größer sein sollte. Nur ein Fünftel hielt ihn eher oder vollkommen für ausreichend.
  • Wenn der Staat sparen muss, sollten Gelder für die Forschung wenn möglich nicht gekürzt werden, befand mehr als die Hälfte der Interviewten.
  • Im Schnitt 39 von 100 Befragte haben in den vergangenen 12 Monaten Wissenschafts- oder Technikmuseen besucht - einige auch mehrmals. Veranstaltungen wie Science Slams oder die lange Nacht der Wissenschaften erreichen dagegen bislang lediglich ein vergleichsweise kleines Publikum.

Oberste Priorität für Gesundheit und Ernährung

Die wichtigsten Forschungsbereiche sind laut Umfrage Gesundheit und Ernährung. Die Hälfte der Befragten sieht diese als die zentralen Forschungsbereiche der Zukunft, dicht gefolgt von Klima und Energie. Aktuell spricht sich die Mehrheit der Befragten außerdem für eine unbedingte oder eingeschränkte wissenschaftliche Erforschung von Fracking aus.

"Die Studie zeigt, dass das grundsätzliche Vertrauen der Deutschen in die Wissenschaft heute groß, aber in den jeweiligen Forschungsbereichen durchaus sehr unterschiedlich ausgeprägt ist", sagt der stellvertretende Vorsitzende des WiD-Lenkungsausschusses Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Das Vertrauen in die Aussagen von Wissenschaftlern sei etwa bei Erneuerbaren Energien sehr viel größer als bei Grüner Gentechnik. "Das liegt nicht an den Forschungsergebnissen, sondern an der Kommunikation von Wissenschaft in die Öffentlichkeit", so Meyer-Guckel.

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Einfluss der Politik auf Wissenschaft ist zu hoch
Mario V. 28.07.2014
Ist leider auch ein Fakt.
2. Die Politik
kritischer-spiegelleser 28.07.2014
war schon immer beratungsresitent. Und wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse passen eben oft nicht in die realitätsfernen Träumereien der Politik!
3.
Phil2302 28.07.2014
Dazu muss man sich ja nur die aktuelle Drogenpolitik ansehen.
4. Nicht nur in Politik, auch in Industrie
lotoseater 28.07.2014
Menschen, die von ihrer Arbeit Ahnung haben, nehmen nicht nur in der Politik zu wenig Einfluss. Das ist ein Problem, das auch in der Industrie weit verbreitet ist. Diejenigen, die fachlich in der Lage sind, diese Lage zu beurteilen und Lösungen zu erarbeiten, werden optimalerweise um Rat gefragt (aber auch das nicht immer), die *Entscheidungen werden dann von Leuten getroffen, die weder die Auswirkungen der Entscheidung abschätzen können noch in der Lage sind, die Handlungsoptionen zu verstehen.* Das wird gefördert durch die Tatsache, dass Entscheidungsträger seltenst die Konsequenzen von Fehlentscheidungen zu tragen haben. *"Verantwortungsträger" sollten auch Verantwortung übernehmen.* Darauf werde ich aber mein Leben lang vergeblich warten. Ich gebe mal ein Beispiel, wie sowas laufen kann: Anfang des Jahres gabs bei uns in der Firma (und bei einigen Zulieferern) Riesenwirbel. Als das Problem immer größere Kreise zog, wurde ich irgendwann auch mal gefragt. Ich hatte innerhalb einer Stunde einen praktikablen Lösungsweg erarbeitet. Dafür bekam ich erst mal nen Rüffel, dass ich das ja wohl nicht so kurz und einfach abfrühstücken könnte. Ja klar, ich hab auf dem Gebiet jahrelang studiert und promoviert, auf mich muss man nicht hören. Bin ja nur so ein Fachidiot aus dem Labor. Der Wirbel ging noch einige Wochen weiter, viele Emails wurden hin und hergeschickt, Meetings und Telefonkonferenzen abgehalten, Gutachten eingefordert und erstellt, ganz wichtige Leute konnten sich ganz schrecklich wichtig machen. Am Ende kam die Lösung raus, die ich gleich zu Anfang vorgeschlagen hatte. Was da an Arbeitszeit (=Geld) verschwendet wurde! Einziger Trost für mich: Wenigstens wurde auf umständliche Weise das Richtige gemacht, besser als umständlich und falsch. ;-)
5.
vox veritas 28.07.2014
Zitat von sysopCorbisDie Deutschen interessieren sich in hohem Maße für Wissenschaft und Technik, zeigt eine Umfrage. Sie fordern größeres Mitspracherecht bei Entscheidungen und mehr Einfluss der Wissenschaft auf die Politik. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/umfrage-einfluss-von-wissenschaft-auf-politik-zu-niedrig-a-983204.html
In der Wissenschaft ist immer alles so lange richtig und wahr, bis es falsifiziert (als unwahr bewiesen) wurde. Das kommt öfter vor, als man denkt. Sollen nach einem solchen Verfahren wirklich entsprechende Gesetze erlassen werden?
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