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Umfrage: Jeder dritte Deutsche fühlt sich im Dauerstress

80 Prozent der Deutschen fühlen sich gestresst, jeder Dritte steht pausenlos unter Strom - das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage. Es zeigt, dass die Folgen von Dauerbelastung inzwischen bedrohliche Ausmaße angenommen haben.

Berlin - Blutdruck und Herzfrequenz steigen an, die Blutgefäße verengen, die Pupillen weiten sich: Stress ist in den Industriestaaten allgegenwärtig - und kann böse Folgen haben, wenn er zum Dauerzustand wird. Eine repräsentative Studie von Techniker-Krankenkasse (TK), FAZ-Institut und Forsa macht jetzt deutlich, welche beunruhigenden Ausmaße das Problem inzwischen in Deutschland angenommen hat.

Acht von zehn Deutschen empfinden demnach ihr Leben als stressig. Jeder Dritte steht unter Dauerstrom, jeder Fünfte bekommt die Folgen gesundheitlich zu spüren - von Schlafstörungen bis hin zum Herzinfarkt. "Stress bestimmt den Alltag in Deutschland immer stärker. Kaum jemand kann noch richtig abschalten", sagte TK-Chef Norbert Klusen. Alarmierend sei die hohe Zahl von Burn-out-Patienten. 2008 seien "ausgebrannte" Berufstätige fast zehn Millionen Tage krankgeschrieben worden. Damit fehlten rund 40.000 Menschen das ganze Jahr über am Arbeitsplatz. Dies entspreche einer Zunahme von 17 Prozent verglichen mit 2003 - eine "besonders beunruhigende" Entwicklung, wie Helen Heinemann vom Hamburger Institut für Burnout-Prävention (IBP) kommentierte.

Job ist Stressfaktor Nummer eins

Stressfaktor Nummer eins ist der Job, wie die 1014 befragten Personen zwischen 14 und 65 Jahren zu Protokoll gaben. Jeder Dritte arbeitet am Limit, getrieben von Hektik, Termindruck und einem zu hohen Arbeitspensum. Ein Drittel der Beschäftigten leidet darunter, rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen und von Informationen überflutet zu werden. Berufstätige Eltern geraten der Studie zufolge besonders häufig an ihre Belastungsgrenze. Ihre größte Sorge sei, dass die Familie zu kurz kommt.

Doch auch 90 Prozent der Schüler klagen über Stress. Jeder Dritte steht nach eigener Aussage permanent unter Leistungs- und Prüfungsdruck. Auch Zukunftsängste belasten junge Menschen: 37 Prozent der Befragten befürchten der Studie zufolge, keinen Ausbildungs-, Studien- oder Arbeitsplatz zu finden.

Laut der TK-Studie stehen nicht Top-Manager am stärksten unter Stress, sondern Hausfrauen: 95 Prozent klagen darüber. Ihre Sorgen unterscheiden sich jedoch von Berufstätigen: 52 Prozent ängstigen sich um die eigene Altersvorsorge, 48 Prozent haben das Gefühl, eigene Interessen häufig zurückzustellen.

Auch für das Gesundheitssystem ist die Dauerbelastung der Menschen ein ernstzunehmender Kostenfaktor. Mit knapp 27 Milliarden Euro im Jahr stehen die Ausgaben für die Behandlung stressbedingter psychischer Erkrankungen an dritter Stelle der Kostentabelle. Hinzu kommen massive Aufwendungen für Herz-Kreislauf-Krankheiten, unter denen Dauergestresste mehr als doppelt so häufig leiden wie ihre weniger unter Druck stehenden Zeitgenossen.

Experten empfehlen regelmäßige Hobbys

"Nicht nur im Job, in allen Lebensbereichen stehen wir unter Strom", erklärte TK-Vorstandschef Klusen. "Kaum jemand kann noch richtig abschalten - und dieses Leben auf Standby macht die Menschen krank." Stress könne zwar auch etwas Positives sein: Wohldosiert steigere er die Motivation und ermögliche geistige und körperliche Höchstleistungen. Negativer Stress dagegen beeinträchtige kurzfristig das Wohlbefinden und langfristig die Gesundheit, so Klusen. Wird die kurzfristige Anspannung zum Normalzustand, spricht man von Dauerstress. Früher oder später führt dies dazu, dass die Energievorräte erschöpft sind.

Damit aus vorübergehender Kraft- und Motivationslosigkeit kein Burn-out-Syndrom wird, empfehlen Experten einen bewussten Umgang mit Stress: Eigene Bedürfnisse sollten nicht immer hinten angestellt werden - oft helfe es bereits, ein altes Hobby wieder aufzunehmen und sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Auch autogenes Training und Yoga seien geeignet, um Stress abzubauen.

mbe/AP/AFP

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