Wer eine Distanz von 42,195 Kilometer in hohem Tempo läuft, setzt Kreislauf, Magen-Darm-Trakt und Nieren hohen Belastungen aus. Warum das alles? Forscher haben jetzt 507 Frauen und 399 Männer im Alter zwischen 18 und 72 Jahren nach ihrem ersten Marathonlauf befragt.
Eines der Ergebnisse: Frauen und Männer motivieren sich unterschiedlich für ihren ersten Marathonlauf. Während Männer primär persönliche Leistungsziele und den Wettbewerb in den Vordergrund stellen, begründen Frauen ihre Teilnahme mit gesteigertem Wohlgefühl.
Und das scheint zu funktionieren. Trotz der unterschiedlichen Beweggründe für einen Antritt sind sich Frauen und Männer einig, warum sie mit dem Extremsport weitermachen: Rund 80 Prozent wollen nicht nur erneut die Distanz absolvieren, sondern beim zweiten Lauf auch ihre Zeit verbessern, erklärten die Wissenschaftler um Elizabeth Loughren von der University of Birmingham auf der Jahreskonferenz der British Psychological Society in Stratford-upon-Avon.
Am häufigsten wurden drei Begründungen für die Teilnahme an dem kräftezehrenden Lauf genannt: Die Läuferinnen und Läufer wollten das Rennen in einer bestimmten Zeit beenden, Selbstachtung und Stolz aufbauen sowie die Gesundheit verbessern. Deutliche Unterschiede entdeckten die Wissenschaftler aber in der Argumentation bei Frau und Mann: So wollten Männer primär unter Konkurrenzgesichtspunkten sehen, "wie weit ich in der Rangliste nach vorn komme". Frauen nannten eher psychologische Antriebe wie die Aufhellung der Stimmung, die Suche nach Lebenssinn, den Einklang mit der Welt - und die Kontrolle des Gewichts.
"Wir haben die Teilnehmer auch gefragt, ob sie einen weiteren Marathonlauf in Erwägung ziehen. 70 Prozent der Frauen sowie 79 Prozent der Männer haben die Absicht, in den nächsten zwölf Monaten wieder anzutreten", berichtet Loughren. Auch hier wurden die Begründungen ermittelt: Rund drei Viertel wollen ihre Laufzeit übertreffen, einen Urlaub mit dem Wettkampf verbinden und einfach nur das Training verbessern. Während über 85 Prozent der Männer sich bei der zweiten Runde selbst übertreffen wollen, sind es bei den Frauen 79 Prozent.
Aus Sicht von Medizinern ist die Argumentation, durch Marathonlaufen die Gesundheit zu verbessern, oft vorgeschoben: Bei einer Umfrage unter 1000 Teilnehmern beim Bonn-Marathon 2009 hatten fast zwei Drittel der Läufer angegeben, vor dem Start Schmerzmittel zu nehmen. Die Folgen können bedrohlich sein: Die extreme Anstrengung verursacht Belastungen wie Blut im Urin, Übelkeit, Erbrechen und akute Störungen der Nierenfunktionen - und die Wirkstoffe verstärken diese Symptome noch.
mbe/ddp
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