Umfrage: Warum Menschen sich den Marathon antun

Ein Marathonlauf ist eine 42 Kilometer lange Tortur für den Körper. Dennoch absolvieren selbst Freizeitsportler die Strecke mit Begeisterung. Eine Umfrage hat jetzt einige Gründe geklärt - und völlig unterschiedliche Motivationen bei Frauen und Männern enthüllt.

Marathon in Berlin (September 2009): Warum die Quälerei? Zur Großansicht
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Marathon in Berlin (September 2009): Warum die Quälerei?

Wer eine Distanz von 42,195 Kilometer in hohem Tempo läuft, setzt Kreislauf, Magen-Darm-Trakt und Nieren hohen Belastungen aus. Warum das alles? Forscher haben jetzt 507 Frauen und 399 Männer im Alter zwischen 18 und 72 Jahren nach ihrem ersten Marathonlauf befragt.

Eines der Ergebnisse: Frauen und Männer motivieren sich unterschiedlich für ihren ersten Marathonlauf. Während Männer primär persönliche Leistungsziele und den Wettbewerb in den Vordergrund stellen, begründen Frauen ihre Teilnahme mit gesteigertem Wohlgefühl.

Und das scheint zu funktionieren. Trotz der unterschiedlichen Beweggründe für einen Antritt sind sich Frauen und Männer einig, warum sie mit dem Extremsport weitermachen: Rund 80 Prozent wollen nicht nur erneut die Distanz absolvieren, sondern beim zweiten Lauf auch ihre Zeit verbessern, erklärten die Wissenschaftler um Elizabeth Loughren von der University of Birmingham auf der Jahreskonferenz der British Psychological Society in Stratford-upon-Avon.

Am häufigsten wurden drei Begründungen für die Teilnahme an dem kräftezehrenden Lauf genannt: Die Läuferinnen und Läufer wollten das Rennen in einer bestimmten Zeit beenden, Selbstachtung und Stolz aufbauen sowie die Gesundheit verbessern. Deutliche Unterschiede entdeckten die Wissenschaftler aber in der Argumentation bei Frau und Mann: So wollten Männer primär unter Konkurrenzgesichtspunkten sehen, "wie weit ich in der Rangliste nach vorn komme". Frauen nannten eher psychologische Antriebe wie die Aufhellung der Stimmung, die Suche nach Lebenssinn, den Einklang mit der Welt - und die Kontrolle des Gewichts.

"Wir haben die Teilnehmer auch gefragt, ob sie einen weiteren Marathonlauf in Erwägung ziehen. 70 Prozent der Frauen sowie 79 Prozent der Männer haben die Absicht, in den nächsten zwölf Monaten wieder anzutreten", berichtet Loughren. Auch hier wurden die Begründungen ermittelt: Rund drei Viertel wollen ihre Laufzeit übertreffen, einen Urlaub mit dem Wettkampf verbinden und einfach nur das Training verbessern. Während über 85 Prozent der Männer sich bei der zweiten Runde selbst übertreffen wollen, sind es bei den Frauen 79 Prozent.

Aus Sicht von Medizinern ist die Argumentation, durch Marathonlaufen die Gesundheit zu verbessern, oft vorgeschoben: Bei einer Umfrage unter 1000 Teilnehmern beim Bonn-Marathon 2009 hatten fast zwei Drittel der Läufer angegeben, vor dem Start Schmerzmittel zu nehmen. Die Folgen können bedrohlich sein: Die extreme Anstrengung verursacht Belastungen wie Blut im Urin, Übelkeit, Erbrechen und akute Störungen der Nierenfunktionen - und die Wirkstoffe verstärken diese Symptome noch.

mbe/ddp

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Sport ist Mord
Noodles 19.04.2010
Zitat von sysopEin Marathonlauf ist eine 42 Kilometer lange Tortur für den Körper. Dennoch absolvieren selbst Freizeitsportler die Strecke mit Begeisterung. Eine Umfrage hat jetzt einige Gründe geklärt - und völlig unterschiedliche Motivationen bei Frauen und Männern enthüllt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,689908,00.html
Zumindestens dann, wenn man es übertreibt. Es ist wie alles im Leben eine Sache des vernünftigen Maßhaltens. Jeden Abend ein Glas Rotwein mag gesund sein, jeden Abend eine Flasche Wiskey ist früher oder später tödlich. Ein ständiger Angriff auf die letzten physischen Reserven des Körpers kann nicht gesund sein. Ganz im Gegenteil. Geradezu lächerlich wird es, wenn die Herren die die 40 hinter sich gelassen haben, mit Marathon, Triathlon oder irgendeiner Extremsportart, die Natur zu überlisten suchen. Sie verkraften es nicht, älter zu werden, und lassen keine Gelegenheit aus der Welt beweisen was für ein verdammt harter Hundt man doch ist. Wie albern !!!
2. Wirft mehr Fragen auf als Antworten
Bala Clava 19.04.2010
Oh, Mann. Das ist wieder online-"Wissenschaft" vom Feinsten. An der Stelle, an der's interessant werden könnte, bricht das Artikelchen ab. Wenn's hier doch endlich ein Wissenschaftsressort gäbe, das diesen Namen verdiente ...
3. ... und hier die nächsten Marathons ;-)
hennes96 19.04.2010
Passend zum Thema, direkt die nächsten Termine auf einer interaktiven Karte in Deutschland und Nachbarländern: http://www.runnersmap.info/index.php?marathon=1&datum1=19.04.2010&datum2=19.10.2010&saveLat=51.3&saveLng=10&saveZoom=6&submit=Anzeigen und noch 2000 andere Laufveranstaltungen unterschiedlicher Länge. gruss hennes
4. Lächerlich
blambi43 19.04.2010
Zitat von NoodlesGeradezu lächerlich wird es, wenn die Herren die die 40 hinter sich gelassen haben, mit Marathon, Triathlon oder irgendeiner Extremsportart, die Natur zu überlisten suchen. Sie verkraften es nicht, älter zu werden, und lassen keine Gelegenheit aus der Welt beweisen was für ein verdammt harter Hundt man doch ist. Wie albern !!!
Da wird nichts überlistet. Es ist ja nicht so, dass Marathonläufer durch nicht steuerbare Triebe zu ihrem Tun getrieben werden. Wenn Läufer unter sich sind, was wird da gelästert und gefeixt und nicht immer über andere. Mir zeigt gerade dieser Sport ohne Gnade meinen körperlichen Verfall an. 3 x 45 in der Woche locker Joggen und an den anderen 4 Tagen 1 x etwas schwitzen würden das locker vertuschen.
5. Joggen generell
Nooree 19.04.2010
Jogger sehen aus wie Kranke. Sie werden auch vom anderen Geschlecht als unattraktiv empfunden (im Gegensatz z.B. zu Sprintern). Daraus schließe ich: Joggen bietet keinen evolutionären Vorteil. Auch ist der menschliche Körper gar nicht ausgelegt für solche lang andauernden Belastungen, die Folgen sind bekannt. Des Weiteren vermute ich, dass bei Heranwachsenden im Extremfall auch die Intelligenz darunter leidet... PS: Würde Joggen aber immer noch besser als Schwimmen in der Halle einstufen. Wenigstens bekommt der Körper frische Luft und gegebenenfalls Sonne. Und selbstverständlich ist gegen gelegentliches aerobes Joggen nichts einzuwenden. Besser als nichts. Bringt den Kreislauf in Schwung und versorgt das Gehirn mit Sauerstoff...
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