Jagd in der Antarktis: Japans Walfänger machen sich wieder auf den Weg

Mit drei Schiffen will Japan in der Antarktis wieder auf die Jagd nach Walen gehen. An Bord sind auch Beamte der Küstenwache - um militante Walschützer abzuhalten. Die haben die "Operation Zero Tolerance" ausgerufen.

Walfangschiff "Nisshin Maru" (am 28. Dezember 2012): Kurs auf die Antarktis Zur Großansicht
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Walfangschiff "Nisshin Maru" (am 28. Dezember 2012): Kurs auf die Antarktis

Tokio - Die japanische Walfangflotte ist am Freitag zu ihrer international umstrittenen alljährlichen Jagd in der Antarktis in See gestochen. Drei Schiffe machten sich aus dem Hafen Shimonoseki im Westen des Landes auf den Weg, wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Fischereibehörde meldete. Das Mutterschiff der Flotte lief laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace aus dem Hafen von Innoshima aus.

Nach Angaben der Fischereibehörde sollen bis März bis zu 935 Zwergwale sowie bis zu 50 Finnwale gefangen werden. Doch diese Quoten werden nicht immer ausgeschöpft. So hatte Japans Fangflotte etwa die vergangene Saison vorfristig beendet und deutlich weniger Wale gefangen als ursprünglich geplant.

Offiziellen Angaben zufolge befinden sich Beamte der Küstenwache an Bord, um die Walfänger vor möglichen Angriffen durch Aktivisten zu schützen. Die militante US-Tierschutzorganisation Sea Shepherd hatte angekündigt, die Aktivitäten der Walfänger im südlichen Walschutzgebiet um die Antarktis zu stören. Vergangene Woche hatte ein US-Gericht geurteilt, die Aktivisten dürften sich der Flotte nur bis auf 500 Meter nähern.

Sea Shepherd hatte die japanischen Walfänger in den vergangenen Jahren immer wieder mit Störaktionen behindert. Dieses Jahr hat die Organisation bei ihrer "Operation Zero Tolerance" vier Schiffe, einen Hubschrauber, drei unbemannte Drohnen und mehr als 100 Mann Besatzung im Einsatz.

Nach eigenen Angaben ist auch Paul Watson, der Chef der Organisation, dabei. Er war im Mai am Frankfurter Flughafen festgenommen worden, aufgrund eines internationalen Haftbefehls. Japan und Costa Rica hatten eine Aufforderung zur Festnahme erwirkt und einen Auslieferungsantrag gestellt. Watson musste eine Sicherheitsleistung von 250.000 Euro hinterlegen und sich eigentlich jeden Tag auf bei der Polizei melden - doch er setzte sich ab, um den Einsatz gegen die japanische Flotte zu leiten.

Die Internationale Walfangkommission (IWC) hatte 1986 ein Moratorium für den kommerziellen Walfang in Kraft gesetzt. Japan nutzt allerdings ein Schlupfloch des Abkommens, indem es Wale offiziell zu "wissenschaftlichen Zwecken" jagt. Es macht aber kein Geheimnis daraus, dass das Fleisch der erlegten Tiere in Geschäften und Restaurants verkauft wird und letztlich auf dem Teller landet. Die japanischen Behörden vertreten die Ansicht, dass der Walfang eine jahrhundertealte Tradition ist, die nicht verloren gehen dürfe.

Die Internationale Walfangkommission hatte sich im Sommer nicht auf die Einrichtung einer Walschutzzone im Südatlantik einigen können. Kritiker hatten Japan den Kauf von Stimmen bei der entscheidenden Abstimmung vorgeworfen.

chs/AFP

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