Hohe Nitratwerte Trinkwasser bald 45 Prozent teurer?

In vielen Regionen Deutschlands sind die Nitratwerte zu hoch, deshalb müssen die Bürger bald mehr für Trinkwasser zahlen. Auf eine Familie könnten nach SPIEGEL-Informationen Extrakosten von 134 Euro zukommen.

DPA


In mehr als einem Viertel aller deutschen Wasserspeicher liegt die Nitratkonzentration über dem gesetzlichen Limit. Dies hat eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) ergeben, über die der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe berichtet. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 24/2017
Wie Paare friedlich auseinandergehen

Ursachen sind der hohe Einsatz von Mineraldünger für den Obst- und Gemüseanbau und die Intensivtierhaltung, in deren Folge übermäßig viel Gülle und Mist auf den Feldern landen. Das Nitrat gelangt ins Grundwasser und in Flüsse und schließlich in die Wasserwerke. Versorger müssen inzwischen vielerorts teurere Verfahren einsetzen, um das Trinkwasser sauber zu halten.

Für die Bürger in den Problemregionen könnte das zu höheren Trinkwasserkosten führen. Sollten die Belastungen nicht bald zurückgehen, so die UBA-Studie, kommen auf die deutschen Wasserwerke zusätzliche Kosten in Höhe von 580 bis 767 Millionen Euro pro Jahr zu. Umgelegt auf den Kubikmeter rechnen die Autoren für den Endverbraucher mit einer Preiserhöhung von 32 bis 45 Prozent. Für eine vierköpfige Familie wären das bis zu 134 Euro Mehrkosten im Jahr.

Die am 2. Juni in Kraft getretene Düngeverordnung soll die Belastung bundesweit reduzieren. Sie schränkt den Gülleeinsatz deutlich ein. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger fordert gleichzeitig "eine konsequente Umsetzung und verstärkte Kontrollen" in den Problemregionen. Sollten die Werte nicht zurückgehen, "müssten weitere und strengere Auflagen für die Landwirtschaft erfolgen".

Auch das Umweltministerium sieht die Gewinnung von Trinkwasser zunehmend als Problem. Da es immer schwieriger werde, die Grenzwerte einzuhalten, werde oftmals belastetes Wasser mit sauberem Wasser vermischt. Sonst könnten die Vorgaben nicht eingehalten werden.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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Nitrat hilft Pflanzen beim Wachsen und wird häufig als Düngemittel eingesetzt. Überhöhte Mengen von Nitrat führen allerdings zu starken Wasserverunreinigungen und verringern die biologische Vielfalt in den Gewässern.

Nimmt der Mensch Wasser mit einem Nitratgehalt von 50 Milligramm pro Liter zu sich, kann das laut EU-Kommission erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben, weil Nitrat im Körper unter Umständen zu Nitrit umgebaut wird. Bedenklich sind hohe Konzentrationen insbesondere für schwangere Frauen und Kleinkinder.

kn



insgesamt 308 Beiträge
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Seite 1
Prokrastes 10.06.2017
1. Was wäre davon zu halten, die Verursacher zahlen zu lassen?
Also die düngende Landwirtschaft und die Düngemittelhersteller. Die haben's verbockt, also sollen die auch dafür geradestehen.
was-zum-teufel... 10.06.2017
2. Darf ich das dann durchreichen?
Die lieben Bauern zahlen das sicher gerne.
phthalo 10.06.2017
3. Wie wäre es ....
..... die Grenzwerte für die Nitratbelastung im Boden anzupassen und in der Schlussfolge weniger Dünger/Gülle zu verwenden?
sufou 10.06.2017
4. höchst beunruhigend
höchst beunruhigend sind nicht die 134 Euro im Jahr denn das entspricht so ziemlich die berühmten 2 Eiskugeln mehr im Monat. Ich warte nur noch auf ein "Solidartätsabgabe für den Trinkwasser" Unsere Staat ist ja bekannt für seine Vielseitigkeit und Kreativität um den Bürger noch mehr auszupressen
fisschfreund 10.06.2017
5. Überschrift
Selbst schuld. Wer Schweinefleisch für 3 Euro pro kg fressen will, muss eben woanders draufzahlen.
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