Umweltgifte Pestizid-Verbot soll Bienen retten

Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam sind drei hochwirksame Pflanzenschutzmittel - und womöglich Bienenkiller. Die EU-Kommission will nun den Einsatz dieser Chemikalien für zwei Jahre zumindest stark einzuschränken. Umweltschützern reicht das nicht.

Bienen (in Berlin, Mai 2012): "Zweijähriges Verbot nicht ausreichend"
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Bienen (in Berlin, Mai 2012): "Zweijähriges Verbot nicht ausreichend"


Brüssel - Die EU will Europas bedrohten Bienen durch ein Pestizidverbot helfen: Die Kommission empfahl am Donnerstag, drei synthetische Insektizide, sogenannte Neonicotinoide, zunächst für zwei Jahre aus dem Verkehr zu ziehen. Sie reagierte damit auf eine Studie der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (Efsa), wonach die Schädlingsbekämpfungsmittel für das grassierende Bienensterben verantwortlich sind.

"Wir schlagen deswegen ein Pestizidverbot für Sonnenblumen, Raps, Mais und Baumwolle vor", sagte Frédéric Vincent, Sprecher von Gesundheitskommissar Tonio Borg, in Brüssel. Sowohl die Anwendung über den Samen, als auch über Granulat oder Spray sollten ausgesetzt werden. Geht es nach der Kommission, dann stimmen die Mitgliedstaaten schon Ende Februar über die Maßnahme ab, damit sie ab Juli greifen kann. Die Beratungen darüber begannen am Donnerstag.

Vorerst erlaubt bleiben soll der Gebrauch der Chemikalien für Wintergetreide und Pflanzen, die keine Bienen anziehen. Auch auf die Aussaat von Mais in diesem Sommer sollen die verschärften Bestimmungen noch keine Anwendung finden. Nach zwei Jahren will die EU-Kommission die Maßnahmen überprüfen.

Anders als andere EU-Länder hat Deutschland den Einsatz der Neonicotinoide bereits eingeschränkt. Nach einem Bienensterben im Jahr 2008 ist ihr Gebrauch bei Getreide und Mais verboten und bei Raps und Zuckerrüben nur noch unter strengen Auflagen erlaubt. Kritiker warnen, dass Neonicotinoide neben Vergiftungen auch dazu führen können, dass Bienen ihren Orientierungssinn verlieren und nicht mehr in die Bienenstöcke zurückfinden.

Auch Slowenien, Italien und Spanien hätten schon Maßnahmen gegen Neonicotinoide ergriffen, sagte Kommissionssprecher Vincent. Allerdings gibt es in mehreren Ländern auch Vorbehalte. Der Umweltschutzorganisation Greenpeace geht der Vorschlag aus Brüssel noch nicht weit genug. "In vielen Teilen Europas geht die Bienenpopulation rapide zurück", sagt Greenpeace-Fachmann Matthias Wüthrich. "Das Verbot einiger weniger gefährlicher Pestizide ist nur ein sehr begrenzter Schutz."

"Das zweijährige Verbot der Pestizide könnte ein Wendepunkt in dem Bestreben sein, die Bedrohung der Bienen durch Chemikalien aufzuhalten, doch es ist nicht ausreichend", sagt auch Luis Morago von Avaaz. Die Organisation hatte europaweit nach eigenen Angaben 2,2 Millionen Unterschriften für ein weitreichendes Verbot von Pestiziden gesammelt.

chs/dapd/AFP

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