Umweltgipfel Die Klimaretter haben sich verrannt

Die Teilnehmer des Uno-Klimagipfels haben sich - mal wieder - auf einen ziemlich kleinen Nenner geeinigt. Auf der Konferenz in Durban setzten sich erneut die Zögerer und Bremser durch. Die nächsten Gipfel müssen zu Foren des gegenseitigen Lernens werden, nicht des brutalen Feilschens.

Ein Kommentar von Christian Schwägerl, Durban

DPA

Durban - Bis in die frühen Morgenstunden des Sonntag haben Unterhändler aus aller Welt in Durban hart darum gerungen, wer in den kommenden Jahrzehnten wie viel Kohlendioxid in die Atmosphäre pusten darf. Nach zwei Wochen Verhandlungen waren sich die meisten Teilnehmer des Uno-Klimagipfels nur in einem wirklich einig: Nichts wie nach Hause, nichts wie weg aus dem Konferenzzentrum!

Das Ergebnis muss alle enttäuschen, die darauf setzen, dass die Menschheit rechtzeitig umsteuert, um eine gefährliche Erwärmung von Atmosphäre und Ozeanen zu verhindern. Am Ende des Gipfels maß sich der Erfolg daran, für wie viele Jahre ein Weltklimavertrag noch aufgeschoben wird - das ist angesichts der nahenden Gefahren grotesk. Durchgesetzt haben sich nun die Zögerer und Bremser, die sich alle Optionen offenhalten wollen, statt ihre Volkswirtschaft konsequent umzubauen.

Es wäre falsch, die Vereinten Nationen verantwortlich zu machen. Klimakonferenzen sind deshalb so schwierig, weil hier harte nationale Interessen aufeinanderprallen. Die reichen Länder wollen ihren mit Kohle und Öl befeuerten Wohlstand verteidigen. Die Schwellenländer wollen wirtschaftlich aufholen. Und die ärmsten Länder wollen verhindern, einem ungebremsten Klimawandel zum Opfer zu fallen. Das Ergebnis von Durban ist ein Spiegelbild dieser Unterschiede.

Nach Durban sind die Vereinten Nationen dennoch gefragt: Ihre Führung muss das Format künftiger Klimaverhandlungen so reformieren, dass bessere Ergebnisse zumindest wahrscheinlicher werden.

17 Jahre wird nun bereits auf eine Weise verhandelt, die 2010 zu Rekordemissionen an CO2-geführt hat. Tausende Menschen werden in licht- und sauerstoffarmen Räumen zusammengepfercht. Sie bekommen schlabbrige Sandwiches verabreicht, werden unter Schlafentzug gesetzt. Am Ende fallen Entscheidungen in einer Art klimapolitischem Delirium. Das sind aber nur die äußeren Symptome einer tiefer sitzenden Krankheit.

Der ganze Uno-Verhandlungsprozess hat zwei Geburtsfehler: Er setzt nicht bei den tieferen Ursachen von CO2-Emissionen an und präsentiert das Ziel der CO2-Minderung einseitig negativ. Das Phänomen Klimawandel wird seit Beginn der Verhandlungen 1995 in Berlin allein vom Ende, vom Abgas her betrachtet, das aus Schornsteinen, Auspuffen, Schloten und brennenden Wäldern strömt. Klimaschutz wird als lästiges burden sharing inszeniert, als Lastenteilung. Beides hat den Verhandlungen einen falschen Charakter gegeben. Es wird kaum über positive Ziele und schon gar nicht über wirtschaftliche Chancen geredet. Ausgerechnet der gilt als Gewinner, der es schafft, den anderen am Tisch die höchsten CO2-Reduktionen aufzuzwingen, statt selbst zu handeln.

Um diese negative Prägung herum hat sich ein irrsinnig komplizierter Prozess entwickelt. Weil Politiker sich nicht einigen können, formulieren ihre Beamten und Juristen immer neue, immer kompliziertere Texte mit wenig Aussagekraft und Bedeutung. In Durban wurde in den letzten Stunden um die Frage gerungen, ob bis 2020 nun ein "rechtliches Ergebnis" oder ein "vereinbartes Ergebnis mit rechtlicher Kraft" entstehen soll - "Klimasprech" pur.

Die Sprache der Klimapolitik ist noch unzugänglicher als Gebrauchsanleitungen von japanischen Elektrogeräten. Ausgerechnet der Versuch, das Leben auf der Erde zu schützen, hat eine kalte und graue Verhandlungssprache hervorgebracht, die nur einige Auserwählte verstehen. Viele Klima-Verhandler sehen das selbst extrem kritisch und warnen, dass man sich verrannt hat.

Die Konsequenz kann aber nicht sein, Klimakonferenzen in ihrem heutigen Großformat abzuschaffen. Diese Konferenzen sind bei allen Problemen ein echter zivilisatorischer Fortschritt, ja ein kulturelles Weltwunder: Es gibt kein anderes Problem, bei dem 200 Länder an einem Ort so hart um eine Lösung für ein Zukunftsproblem ringen. Es braucht ein Forum, in dem diese Menschheitsfrage öffentlich und mit Beteiligung von Bürgergruppen und Wirtschaft verhandelt wird.

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Seite 1
spiegkom 11.12.2011
1.
Zitat von sysopDie Teilnehmer des Uno-Klimagipfels haben sich - mal wieder - auf einen ziemlich kleinen Nenner geeinigt. Auf der Konferenz in Durban setzten sich erneut die Zögerer und Bremser durch. Die nächsten Gipfel müssen zu Foren des gegenseitigen Lernens werden, nicht des brutalen Feilschens. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,803015,00.html
Der Artikel ist nur dann einigermaßen akzeptabel, wenn man an den CO2-Erderwärmungs-Hokuspokus glaubt. Ansonsten gibt's nur eine Konsequenz von Durban: Keine Klimakonferenzen mehr. Bisher: NULL Erfolg. Eigentlich müsste es sich bei spiegelonline schon herumgesprochen haben, dass die Sache CO2-Erderwärmung auch nicht stimmen kann. Hinweis dafür gibt es zur Genüge.
jjcamera 11.12.2011
2. spesenritter
Zitat von sysopDie Teilnehmer des Uno-Klimagipfels haben sich - mal wieder - auf einen ziemlich kleinen Nenner geeinigt. Auf der Konferenz in Durban setzten sich erneut die Zögerer und Bremser durch. Die nächsten Gipfel müssen zu Foren des gegenseitigen Lernens werden, nicht des brutalen Feilschens. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,803015,00.html
Allerdings wusste man schon vorher, dass bei diesem Meeting das Gleiche heraus kommt, wie bei den vorherigen: man trifft eine Vereinbarung, sich wieder zu treffen, um eine Vereinbarung zu treffen, die ein erneutes späteres Treffen (2020) vereinbart. Ausser Spesen (und ca. 1200 überflüssigen Flugreisen mit fettem Treibhausgas-Ausstoß), nichts gewesen. Gegen den Klimawandel wird erst etwas unternommen, wenn es halb China oder die USA im Dauerregen wegschwemmt. Das könnte aber schon vor dem nächsten Spesentermin stattfinden ...
Rotax-1 11.12.2011
3.
Zitat von sysopDie Teilnehmer des Uno-Klimagipfels haben sich - mal wieder - auf einen ziemlich kleinen Nenner geeinigt. Auf der Konferenz in Durban setzten sich erneut die Zögerer und Bremser durch. Die nächsten Gipfel müssen zu Foren des gegenseitigen Lernens werden, nicht des brutalen Feilschens. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,803015,00.html
Wie größenwahnsinnig muss man eigentlich sein, um glauben zu können, dass Klima um 2 Grad zu verändern? Diese Regierung kann nicht einmal die Krankenkassen Beiträge stabil halten und will das Klima ändern. Wir sind am Ende einer Eiszeit, da wird es halt etwas wärmer. Das Eis wird weiter schmelzen und das Meer wird steigen. Wir sind nur Menschen und sollten uns auf diese Veränderungen einrichten. Stoppen können wir sie nicht. Wir sollten lieber sparsam mit den natürlichen Ressourcen umgehen, unsere Kinder werden sie noch gut gebrauchen.
diefreiheitdermeinung 11.12.2011
4. Einspruch
Zitat von sysopDie Teilnehmer des Uno-Klimagipfels haben sich - mal wieder - auf einen ziemlich kleinen Nenner geeinigt. Auf der Konferenz in Durban setzten sich erneut die Zögerer und Bremser durch. Die nächsten Gipfel müssen zu Foren des gegenseitigen Lernens werden, nicht des brutalen Feilschens. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,803015,00.html
SPON:"Die Konsequenz kann aber nicht sein, Klimakonferenzen in ihrem heutigen Großformat abzuschaffen. " Genau das ist das Problem ! 200 Delegationen mit ihren jeweiligen Klimapaepsten, die sich alle am liebsten mit "standing ovations" waehrend der Konferenz und spaeter zuhause dafuer feiern lassen, dass sie angeblich etwas fuer das eigene Land und natuerlich "die Welt" erreicht haben. Wahrscheinlich waere es preiswerter und zielfuehrender es wuerden sich die G20 mit den 10 wichtigsten Schwellenlaendern zusammensetzen (am besten Experten und nicht Politiker - die erst zu Abschlussitzung) und ohne das begleitenden NGO und Mediengetoese notfalls ueber Wochen eine faire, realistische Loesung ausarbeiten. Nachdem man dieses Geruest hat kann man dann den Rest der Staaten mit einzubinden versuchen. Selbst wenn dann Burma, Nordkorea oder Peru etc nicht mitmachen haengen davon 90% des zu gehenden Wegs nicht davon ab. Das mag nicht so schoen scheindemokratisch sein, wie man sich das als lupenreiner Demokrat vorstellt aber realistischer als das derzeitige jaehrlich Theater waere es allemal.
karl-felix 11.12.2011
5. Das
Zitat von spiegkomDer Artikel ist nur dann einigermaßen akzeptabel, wenn man an den CO2-Erderwärmungs-Hokuspokus glaubt. Ansonsten gibt's nur eine Konsequenz von Durban: Keine Klimakonferenzen mehr. Bisher: NULL Erfolg. Eigentlich müsste es sich bei spiegelonline schon herumgesprochen haben, dass die Sache CO2-Erderwärmung auch nicht stimmen kann. Hinweis dafür gibt es zur Genüge.
sehen eben die Fachleute anders bzw. unterschiedlich. Kein Wunder, gibt es doch traditionsgemäss zu jeder These eine Gegenthese. Solange niemand der Theroretiker haftet , lässt sich leicht alles leugnen. Wenn Glauben nicht Wissen bedeutet, ist Ihre Aussage inakzeptabel, dann gibt es für ein vernunftbegabtes Wesen nur eine Konsequenz: Im Zweifel den CO2 Ausstoss reduzieren. Vogel Strauss a la spiegkom ist der einzige wirklich falsche Ansatz.
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