Umweltminister Gabriel auf Bali Der Schulterklopfer auf der großen Bühne

Ringen bis zur letzten Minute: Im Abschlussbericht der Umweltkonferenz werden konkrete Ziele für die CO2-Reduktion genannt - in einer Fußnote. Darum wurde tagelang gerungen - Sigmar Gabriel immer mit dabei. Für Deutschlands Umweltminister war Bali die Bühne für einen Auftritt als Weltpoltiker.

Aus Nusa Dua berichtet Christian Schwägerl


Bis in die Nacht um 2.30 Uhr Ortzeit Bali schuftet Sigmar Gabriel. Dann, als die Klimakonferenz sich plötzlich auf den nächsten Morgen vertagt und die Uno-Uhren damit offiziell für ein paar Stunden angehalten werden, wirft er sich ins Getümmel der Journalisten. Er lächelt zufrieden. Sagt, ein Erfolg des Weltklimagipfels sei jetzt mit Händen zu greifen.

Gabriel auf Bali (in der Nacht auf Samstag): "Ergebnis gut bis sehr gut"
DPA

Gabriel auf Bali (in der Nacht auf Samstag): "Ergebnis gut bis sehr gut"

Doch bis zum Erfolg dauert es noch dramatische Stunden - auch für Sigmar Gabriel: Indien und China erheben Einwände gegen die eigentlich schon abgestimmte Gipfel-Erklärung, die EU gibt nach, dann sträuben sich die USA - bis schliesslich doch noch ein Einigung zustande kommt.

Im Vorwort des Abschlussdokuments wird auf den Bericht des Weltklimarats IPCC Bezug genommen, der konkrete Reduktionsvorgaben gemacht hat. In einer Fußnote gibt es einen Verweis auf einen früheren Beschluss, der in Wien gefasst wurde. "Und zwar mit Seitenzahl", sagt Gabriel. Auf jener besagten Seite steht, dass die globalen Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent zurückgehen müssen, um eine gefährliche Erderwärmung noch abzuwenden.

Eine Fußnote nur – aber Gabriel lobt, damit sei "der Wissenschaftsbezug doch hergestellt". Gemessen am Nötigen sei dieses Ergebnis befriedigend. Gemessen am Erwartbaren sei es aber "gut bis sehr gut".

Gabriels Heimflug-Ticket ist längst gebucht, am Samstagabend soll es vom Gipfel auf Bali zurück nach Deutschland gehen. "Ohne konkrete Reduktionsziele für Kohlendioxid kann ich mich eigentlich nicht zurück nach Deutschland trauen", hatte er noch am vergangenen Mittwoch gesagt - da war er noch keine Stunde auf der Tropeninsel angekommen, der Schweiß stand ihm auf der Stirn. Am Ende des Verhandlungsmarathons ist er jetzt damit zufrieden, dass auf Reduktionsziele in einer Fußnote verwiesen wird.

Weltpolitik statt Späßen und griffiger Formeln

Bali war Gabriels große Bühne - auf heimischem Boden tritt der Niedersachse gerne als umgänglicher Schulterklopfer auf und freut sich über jeden Lacher, den er mit seinem feuchten Humor auslöst. Sein Übergang zur ernsten Politik ist in der Regel abrupt. Wie aus der Hüfte kann er nicht weniger als die "dritte industrielle Revolution" ausrufen, mit unübertreffbarer Plausibilität. "Wir müssen aufhören, statt des Wohnzimmers den Garten zu heizen", sagt er dann, oder "Wie werden das unsere Kinder finden, wenn Millionen afrikanische Klimaflüchtlinge bei ihnen anklopfen?"

Auf Bali nützen Gabriel weder Späße noch griffige Formeln. Zehntausend Menschen bevölkern die Luxusressorts von Nusa Dua, um eine Antwort der Menschheit auf die Erderwärmung zu formulieren. Um hier das progressive umweltpolitische Credo der Berliner Koalition zu verkörpern, muss Gabriel Weltpolitik betreiben, mit Politikern ringen, die viele Hundert Millionen Menschen vertreten, aus den Speckgürteln der Erde wie aus der Sahelzone. Obendrein muss Gabriel Nahkampf im Dschungel der internationalen Klimaschutzregeln ausfechten. Schon einzelne Wörter in obskuren Unterparagrafen können Top oder Flop bedeuten.

Umweltpolitiker ist Gabriel erst seit zwei Jahren, die ganze Vorgeschichte, vom Erdgipfel 1992 in Rio über den Vertragsabschluss von Kyoto 1997, hat er aus Akten und Briefings aufgesogen. Die Uno-Verhandlungen sind für ihn ein Lernprozess, sagt er ganz bescheiden. Nur eines wisse er ganz gewiss: "Die diplomatische Phrase 'Es ist Zeit zum Handeln' kann ich nicht mehr hören. Ich will wissen, was das heißt."

Forum - Bali - ein befriedigendes Ergebnis?
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Hawieldt 15.12.2007
1.
zufriedenstellend ist doch nur die Tatsache, das wie immer Niemand am Ende als Buhmann da stehen möchte . Aber das war es auch schon . Die Frage ob Europa über den Tisch gezogen wurde .... kann ich nicht beantworten ,da ich der Ansicht bin , das die Natur Alle über den Tisch zieht . Was nutzt eine Reduzierung des CO2 Ausstosses ,wenn die Natur ihre Methangase aus dem Methaneis frei lässt . Soviel CO2 können Alle nicht reduzieren um den Methangasausstoss der Natur zu kompensieren . Ob das nun auch eine Folge der menschengemachten Erderwärmung ist wage ich als Ganzes zu bezweifeln . Ich denke das natürliche Zyklen auch eine gewichtige Rolle spielen . Für mich steht als Ergebnis der Balikonferenz fest, das sich wir Menschen klar werden müssen ,im Sinne für den Menschen ,nun wirklich gegen die Natur agieren zu müssen .Nur wie ? Beides aber vermögen wir nicht ,wie auch nicht im Einzelnen .
Hador, 15.12.2007
2. Zufriedenstellend?
Wie kann ein Ergebnis bei dem die einzige Zahl zur CO2 Reduzierung in irgendeiner Fußnote des Vorwortes auftaucht zufriedenstellend sein? Die Konferenz war, wie so oft, eine Farce und die Abschlusserklärung macht es nicht besser. Die Herren und Damen Politiker können nun nachhause fahren und jeder kann behaupten er habe bis zum Umfallen für die eigenen Überzeugungen gekämpft. Währenddessen steigen die Emissionen weiter, der Energieverbraucht wächst und die Temperatur gleich mit. Super Sache..... Aber davon abgesehen: Selbst WENN eine feste Zielvorgabe in diesem Dokument enthalten gewesen wäre, sie wäre das Papier nicht wert gewesen auf dem sie steht. Das sieht man sehr schön am Kyoto-Protokoll: Kaum ein Land arbeitet gezielt auf diese Vorgaben hin. Zwar erreichen einige Länder ihre Vorgaben, dies sind jedoch fast nur Länder des ehemaligen Ostblocks in denen ein Großteil der alten Industrie zusammengebrochen ist und die Emissionen deshalb gesunken sind. Deutschland erreicht trotz des Wegfalls ehemaliger DDR Industrieanlagen seine Vorgabe nicht und andere westliche Industrienationen liegen teilweise um mehrere 10% ÜBER den damaligen Emissionswerten. Fazit: Papier ist geduldig, nur ist das Weltklima es auch?
filou11 15.12.2007
3.
Alle jubeln und keiner wird sich daran halten, höchsten die Europäer. Da werden z.B. die Brandrodungen in Indoneseien lustig weiter gehen genauso wie dr Holzeinschlag um Raum für die Pflanzungen von Ölpalmen zu schaffen, damit wir mit Biosprit fahren können. Da gehe ich jede Wette ein. 300 Mio. Menschen müssen halt ernährt werden. Und der Bevölkerungszuwachs geht auch ungebremst weiter. Fazit: Der Wanderzirkus zieht weiter. Es gibt ja noch so viele touristisch interesante Reisezeile die auf Steuerzehlers Kosten besucht werden müssen.
Hador, 15.12.2007
4.
Zitat von filou11Alle jubeln und keiner wird sich daran halten, höchsten die Europäer. Da werden z.B. die Brandrodungen in Indoneseien lustig weiter gehen genauso wie dr Holzeinschlag um Raum für die Pflanzungen von Ölpalmen zu schaffen, damit wir mit Biosprit fahren können. Da gehe ich jede Wette ein. 300 Mio. Menschen müssen halt ernährt werden. Und der Bevölkerungszuwachs geht auch ungebremst weiter. Fazit: Der Wanderzirkus zieht weiter. Es gibt ja noch so viele touristisch interesante Reisezeile die auf Steuerzehlers Kosten besucht werden müssen.
An was denn halten? Es gibt ja, wieder mal, keine Zielvorgabe sondern nur eine Fußnote. Und die Europäer sind auch nur Weltmeister im Reden, schaut man sich aber mal die CO2 Emissions Entwicklung in der EU an, dann steigt auch hier in fast allen Ländern die Emission und sinkt nur dort wo alte Industriezweige kaputt gehen. Von gezieltem Klimaschutz keine Spur. Sieht man ja auch in Deutschland: Merkel tönt erst groß rum mit wer weiss wieviel Reduktion der CO2 Emissionen und dann verwässert sie eigenhändig eine EU Richtlinie, die dazu führen würde, dass die deutschen Autobauer mehr spritsparende Autos bauen müssten. Wenn nicht in den neuen Bundesländern fast die gesamte Industrie zusammengebrochen wäre, dann hätte Deutschland bis heute wohl keinen einzigen Prozentpunkt seiner CO2 Emissionen reduziert.
chirin 15.12.2007
5. Bali - ein befriedigendes Ergebnis?
Zitat von filou11Alle jubeln und keiner wird sich daran halten, höchsten die Europäer. Da werden z.B. die Brandrodungen in Indoneseien lustig weiter gehen genauso wie dr Holzeinschlag um Raum für die Pflanzungen von Ölpalmen zu schaffen, damit wir mit Biosprit fahren können. Da gehe ich jede Wette ein. 300 Mio. Menschen müssen halt ernährt werden. Und der Bevölkerungszuwachs geht auch ungebremst weiter. Fazit: Der Wanderzirkus zieht weiter. Es gibt ja noch so viele touristisch interesante Reisezeile die auf Steuerzehlers Kosten besucht werden müssen.
Antwort: Sie sagen es! Ein Ergebnis gibt es , aber nur hinsichtlich der Verseuchung durch die Flugzeuge mit denen dieser Wanderzirkus unterwegs ist. Überdies ist in Deutschland auch viel zu viel Land "begradigt" und abgeholzt worden, so dass hier ein großer Teil des Landes auch austrocknet, da sich kein Tau mehr bilden kann. Wasser und Bäume sorgen erheblich mehr für gutes Klima, als die albernen Verbote von Kfz. ´in den Innenstädten.
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