Umweltschützer-Bericht Genreis aus China in Deutschland entdeckt

Spuren von genetisch verändertem Reis haben Umweltschützer in asiatischen Nudeln gefunden - in Europa. Dabei ist der Import von Genreis in die EU verboten. Erst im August hatte die EU wegen einer ähnlichen Verschmutzung Reis-Importe aus den USA beschränkt.


Die Umweltschutzorganisationen Greenpeace und Friends of the Earth haben die Ergebnisse mehrerer Laboruntersuchungen veröffentlicht, nach denen Spuren von genetisch manipuliertem Reis in Spezialgeschäften entdeckt worden sind - auch in Deutschland.

Roher Reis: Stämme aus China waren genetisch manipuliert, um gegen Schädlingsgift resistent zu sein
DDP

Roher Reis: Stämme aus China waren genetisch manipuliert, um gegen Schädlingsgift resistent zu sein

Die Europäische Union forderte, Europas Reis-Industrie müsse mehr dagegen unternehmen, dass gentechnisch veränderte Stämme in die 25 Mitgliedsländer gelangten. Eine Kommissions-Sprecherin sagte, dass alle Reisprodukte mit illegalem Inhalt vom Markt fern gehalten werden müssten. Das habe die EU den Unternehmen bereits schriftlich mitgeteilt. Außerdem werde sie die chinesischen Behörden um mehr Informationen zu dem Fall bitten.

Der Genreis sei in verschiedenen Nudel-Sorten unterschiedlicher Marken in mehreren Asia-Spezialitätengeschäften nachgewiesen worden, sagte Greenpeace-Sprecherin Ulrike Brendel zu SPIEGEL ONLINE. In Deutschland, Frankreich und Großbritannien habe man Spuren genmanipulierter Stämme gefunden. Der chinesische Reis sei so verändert worden, dass er gegen bestimmte Insekten resistenter wurde. Die Umweltschützer warnen: Beim Menschen könnten durch die Produkte allergische Reaktionen ausgelöst werden.

Importstopp wegen Genreis aus USA

Die EU verbietet bislang den Verkauf, die Einfuhr oder die Vermarktung von Genreis. Im vergangenen Monat hatte sie den Import von Reis aus den USA erschwert, nachdem dort nicht zugelassener genmanipulierter Reis entdeckt worden war. Die Verunreinigung lässt sich nach Angaben der Louisiana State University bis ins Jahr 2003 zurückverfolgen. Bei Tests sei in einer Saatgutprobe der Universität die gentechnische veränderte Sorte LL 601 gefunden worden, welche die Hochschule nach eigenen Angaben zwischen 1999 und 2001 in Zusammenarbeit mit dem Hersteller Bayer CropSciences getestet hatte.

Der in den USA entdeckte Genreis ist resistent gegen das von Bayer hergestellte Unkrautvernichtungsmittel Liberty Link. Das US-Landwirtschaftsministerium und Bayer hatten jedoch versichert, der Reis berge keine Gefahr für Mensch und Umwelt.

Landwirte aus den US-Bundesstaaten Arkansas, Missouri, Louisiana, Texas und Kalifornien haben wegen der Verunreinigungen gegen die Firma Klage eingereicht, wie das Fachmedium "Food Business" vergangene Woche berichtet hatte. Sie beklagen Einnahmeverluste wegen der Importbeschränkungen, welche die EU und Japan nach dem Fund der Kontamination verhängt hatten.

Umweltschützer wollen Anbieter zahlen lassen

Langkornreis aus den USA darf nur noch mit dem Nachweis, dass er kein Spuren von Genreis enthält, eingeführt werden. Die Organisation Friends of the Earth hatte daraufhin gefordert, der Saatgutanbieter solle als Urheber des gentechnisch veränderten Materials die Tests bezahlen und nicht die einzelnen EU-Staaten - und damit die europäischen Steuerzahler. Jeder einzelne Test könne mehr als 200 Euro kosten, hatte der Umweltverband erklärt.

Ein Sprecher der EU-Kommission hatte am vergangenen Donnerstag aber eingeräumt, dass gentechnisch veränderter Reis bereits vor dem Verbot in die EU gelangt sein könnte, möglicherweise seit Januar. Ebenso scheint es nun mit genetische manipuliertem Reis aus China geschehen sein - oder mit fertigen Produkten, die Spuren von Genreis enthielten.

stx/AFP/dpa/rtr



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