ThemaUmweltschutzRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Umweltschutz im Fußball Grün gewinnt

Fußballer und Umweltschutz: Wandel im Stadion
Fotos
DPA

2. Teil: Mit Umweltverantwortung auch den sportlichen Erfolg fördern

Zur Frauen-WM im vergangenen Sommer wurde dieses Ziel fortgeschrieben und erstmals eine "klimafaire Weltmeisterschaft" ausgerichtet. "Das kann nicht hoch genug bewertet werden", sagt Martin Schmied, "letztlich ist das bei jeder größeren Sportveranstaltung möglich und bringt uns in Sachen Klimaschutz voran." Die 40.000 Tonnen CO2, die trotz aller Anstrengungen bei der Frauen-WM angefallen sind, wurden durch neue Biogasanlagen in Indien, Wind- und Wasserkraftwerke in Nicaragua sowie effiziente Kocher in Ghana und Mali kompensiert. Und die Fußballfans darüber hinaus dazu aufgerufen, im Privatleben Energiesparen und CO2-Minderung ernst zu nehmen.

"Wenn wir uns nur darauf beschränken, unsere Kinder den sauberen Spannstoß und den wuchtigen Kopfball zu lehren, dann machen wir etwas falsch", hatte Ex-DFB-Präsident Egidius Braun (1992- 2001) schon vor über zehn Jahren gesagt. Nachfolger Zwanziger wird heute konkreter, wenn er betont: "Zukünftig wollen wir den Umweltschutz als festen Bestandteil im DFB verankern". Weil Fußball eines der größten sozialen Netzwerke in Deutschland bildet und die Menschen sich in hohem Maße mit Fußball identifizieren, bestehe eine Riesenchance, diesen Sport mit seinen Strukturen zu nutzen, um ökologische, soziale und kulturelle Ziele im Sinne der nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft zu fördern. Fußball will mit gutem Beispiel vorangehen.

Das neu gebaute Stadion in Augsburg steht dafür wie kein zweites in der Liga: Gekühlt und geheizt wird mit konstant zehn Grad kühlem Grundwasser, das aus 40 Metern Tiefe gepumpt wird. "Das ist alles andere als selbstverständlich", sagt Stadion-Chef Michael Ströll. "Viele haben bezweifelt, dass man ein Stadion allein mit Grundwasser auf angenehme Temperaturen bringen kann - wir haben das erstmals bewiesen."

Stadionstrom stammt aus Wasserkraft

Das zehn Grad kalte Wasser reicht aus, um im Winter den Rasen schnee- und eisfrei zu halten und im Sommer die Innenräume auf eine angenehme Temperatur zu kühlen. Zwei Wärmepumpen heizen das Wasser auf 40 Grad für das Entmüdungsbecken auf, in dem die Profis nach dem Spiel ihre Muskulatur lockern, und bedienen die ganz normale Heizung. Der Stadionstrom wiederum stammt aus Wasserkraft. Und ein Notstrom-Aggregat garantiert, dass es bei Fernsehübertragungen keinen Blackout gibt. Der Brennstoff: Rapsöl. "Das waren alles überschaubare Maßnahmen", sagt Michael Ströll. "Aber sie reichen aus, um unseren Stadionbetrieb klimaneutral zu gestalten." Und augenzwinkernd fügt er hinzu: "Das kann eigentlich jeder Augsburg-Fan, der ein Haus hat, auch machen."

Es wird die eingefleischten Fans in der Nordkurve zwar nur wenig trösten, dass der FC Augsburg eine gute Umweltbilanz vorweisen kann. Zu bescheiden waren seit dem Aufstieg die fußballerischen Vorstellungen der Mannschaft - der Verein krebst derzeit am Tabellenende herum. Langfristig aber könnte die Umweltverantwortung sogar den sportlichen Erfolg fördern. Denn der gesamte Stromverbrauch liegt in Augsburg mit 1,95 Millionen Kilowattstunden gerade mal bei einem Zehntel von dem, was die Allianz Arena in München erfordert.

Auch wenn dort durch Champions League und Lokalkonkurrent 1860 mehr als doppelt so viele Spiele stattfinden, ändert das am Grundsatz wenig: Langfristig kann der niedrige Verbrauch in Augsburg dazu beitragen, dass der Verein schuldenfrei bleibt - und sich damit den Bundesligabetrieb und eine spielstarke Mannschaft leisten kann.

So lagen die Gesamtkosten für den Bau der Heiz- und Klimaanlage bei 1,7 Millionen Euro. Verglichen mit den 45 Millionen, die der Stadionneubau gekostet hat, ist das ein Klacks. Vor allem hat der Verein dauerhaft seine Betriebskosten gesenkt - um wie viel genau, hat er allerdings nie errechnet.

Das gilt auch für Verbesserungen, die der FC Augsburg in seinem nur zwei Jahre alten Stadion bereits realisiert hat: Bewegungsmelder wurden nachgerüstet, auf den Toiletten die Spülungen umprogrammiert. "Man kann es kaum glauben", sagt Michael Ströll, "aber wir konnten unseren Wasserverbrauch allein dadurch auf ungefähr ein Zehntel verringern, dass nicht mehr alle Urinale auf einmal spülen, sondern jedes einzeln angesteuert wird." Im Parkbereich gibt es Zapfsäulen für Elektroautos und E-Bikes, weil der Verein seine Fans ermutigen will, auf zukunftsfähige Mobilität zu setzen. Derzeit wird geprüft, die Augsburg-Arena rundum in eine Photovoltaik-Hülle zu kleiden, um auf diese Weise die Energiewende in Deutschland zu unterstützen.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 2 Beiträge
cabrioheinz 18.12.2011
"Nachhaltigkeits-Tabelle"?! Es ist lächerlich, welche Blüten die Klimahysterie inzwischen treibt.
Zitat von sysopFußballclubs interessieren sich mittlerweile für den Klimaschutz, setzen*Solarmodule aufs Stadiondach und gleichen ihre CO2-Emissionen aus. Die Nachhaltigkeits-Tabelle führen Vereine an, die in der Liga eher gegen den Abstieg kämpfen. Umweltschutz im Fußball: Grün gewinnt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,802745,00.html)
"Nachhaltigkeits-Tabelle"?! Es ist lächerlich, welche Blüten die Klimahysterie inzwischen treibt.
fettiz 19.12.2011
Finde ich gar nicht. Wenn man bedenkt, was für ein großer Wirtschaftsfaktor dahinter steht. Und wer da grün ist, kann natürlich in Sachen PR und Image davon profitieren. Gerade für Mainz oder Freiburg ein Muss. Zu Werder würde [...]
Zitat von cabrioheinz"Nachhaltigkeits-Tabelle"?! Es ist lächerlich, welche Blüten die Klimahysterie inzwischen treibt.
Finde ich gar nicht. Wenn man bedenkt, was für ein großer Wirtschaftsfaktor dahinter steht. Und wer da grün ist, kann natürlich in Sachen PR und Image davon profitieren. Gerade für Mainz oder Freiburg ein Muss. Zu Werder würde es farblich gut passen. Bei Wolfsburg würde es keiner erwarten. Insgesamt ist es aber wahrscheinlich noch zu kurz gegriffen. Was bringt mir denn das CO2 neutrale Stadion? Das ist ein Teilgebiet, wichtig zwar, aber man mus die Gesamtbilanz betrachten. Angenommen 40.000 Zuschauer kommen im Durchschnitt aus 30km Entfernung. Dann wären das schon 40 Millionen Personenkilometer im Jahr. Mal 18 Vereine + Auswärtskilometer dann kommt da schon was zusammen. Zudem fliegt die Auswärtsmannschaft häufig durch Deutschland, manche auch europaweit durch die Gegend. Das ist auch ein Faktor. Es wird hier keinen Verein geben, welcher hier eine ausgeglichene Ökobilanz hat. Aber da ist schon noch viel zu tun.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Mensch
alles zum Thema Umweltschutz

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Gefunden in

Ziele der Nachhaltigkeits-Kommission des DFB
Im Januar 2011 kam die zwölfköpfige Nachhaltigkeits-Kommission des DFB zum ersten Mal zusammen. Sie hat die Aufgabe, den Verband auf seinem Weg zu einem "werteorientierten Fußball" zu beraten.

Der DFB und die Charta der Vielfalt
Lieber bunt als einfarbig. Auch in der Wirtschaft setzt sich diese Erkenntnis allmählich durch. Denn es hat sich herausgestellt, dass gemischte Teams erfolgreicher sind - offenbar ist es von monochrom zu monoton nicht weit. 1000 Unternehmen und Organisationen bekennen sich mittlerweile öffentlich zum sogenannten Diversity Management und haben die "Charta der Vielfalt" unterzeichnet. Bunt heißt: Alter, Geschlecht, Nationalität, Religion, sexuelle Orientierung sollen kein Hindernis sein, im betreffenden Unternehmen Karriere zu machen. Im Gegenteil, die Unternehmen wollen aktiv für eine bunt gemischte Belegschaft sorgen. Und das geschieht weniger aus Idealismus, denn aus wirtschaftlichen Gründen.

Roland Berger hat in einer Studie errechnet, dass die deutsche Wirtschaft 21 Milliarden Euro im Jahr sparen könnte, wenn sie konsequent auf eine heterogene Belegschaft setzen würde. Die tausendste Unterschrift unter die Charta der Vielfalt kam unlängst vom DFB. Präsident Theo Zwanziger setzt damit ein weiteres Zeichen einer zukunftsweisenden Verbandspolitik, die bei Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder schlicht undenkbar gewesen wäre. Dessen Satz: "Wenn beim Spiel Bayern gegen Cottbus nur zwei Germanen in der Anfangsformation stehen, kann irgendetwas nicht stimmen", ist unvergessen. Auch wenn das so manchem "Germanen" nicht passen mag:

Elf der 23 Spieler, die es in den deutschen WM-Kader 2010 schafften, haben ausländische Wurzeln. Und bei der Jugendauswahl U17 ist ihr Anteil noch höher. Was hingegen das Management des DFB betrifft, so ist von Buntheit nicht viel zu sehen: Im 18-köpfigen Präsidium ist beispielsweise eine einzige Frau (verantwortlich für Frauen- und Mädchenfußball), von anderen Farben jenseits der Geschlechter erst gar nicht zu sprechen.





TOP



TOP