Umweltschutz im Fußball Grün gewinnt

Fußballclubs interessieren sich mittlerweile für den Klimaschutz, setzen Solarmodule aufs Stadiondach und gleichen ihre CO2-Emissionen aus. Die Nachhaltigkeits-Tabelle führen Vereine an, die in der Liga eher gegen den Abstieg kämpfen.

DPA

Von Horst Hamm und Ilona Jerger


Samstag, 15.30 Uhr, Anpfiff bei der Fußballbundesliga. Hunderttausende sind live dabei, wenn Dortmunds Nachwuchsstar Mario Götze in den Strafraum dribbelt und den Ball in den linken oberen Torwinkel zimmert. "Tooooor!" hallt es durchs Stadion und millionenfach aus Fernseh- und Radiolautsprechern. Fußball-Deutschland im Ausnahmezustand, Samstag für Samstag.

Alles andere ist jetzt uninteressant: Ob der Fußballbetrieb überhaupt umweltverträglich ist? Oder Rasenheizung und Flutlichtanlage das Klima schädigen? Wer will sich von solchen Fragen die schönste Nebensache der Welt verderben lassen!

Die Vereine selbst sind da erheblich weiter. Umwelt- und Klimaschutz sind im Fußball längst keine Fremdworte mehr: In Freiburg zieren seit Jahren Solarmodule das Stadiondach. Augsburg wirbt bei den Fans mit dem ersten klima-neutralen Stadion der Welt. Und der FSV Mainz sagt von sich, der erste klimaneutrale Klub der Bundesliga zu sein - mit einem Ökostromanbieter als Hauptsponsor. Verkehrte Welt: In der Nachhaltigkeitstabelle stehen nicht die Großen der Liga ganz oben, sondern diejenigen, die im Fußballer-Leben eher gegen den Abstieg kämpfen.

Aber auch Klima-Nachzügler wie Dortmund und München tun etwas: Die Borussia tritt gemeinsam mit dem deutschen Photovoltaik-Konzern Q-Cells als Botschafter der Energiewende auf. Und der FC Bayern hat die - erst zur Männer-WM 2006 gebaute - Allianz-Arena nach Umweltkriterien durchchecken lassen. Ergebnis: Seit 2009 werden durch viele kleine Einzelmaßnahmen in Shops, Konferenzräumen, VIP-Logen, Mannschaftskabinen und Medienräumen jährlich rund eine Million Kilowattstunden Strom gespart und damit 600 Tonnen CO2 vermieden - was indes nur einen Anteil von etwa fünf Prozent der Gesamtbilanz der Arena ausmacht.

Neue Nachhaltigkeitskommission des DFB

Treibende Kraft dieses Wandels ist vor allem der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Unter der Federführung von Präsident Theo Zwanziger hat der Verband Anfang des Jahres eine Nachhaltigkeitskommission ins Leben gerufen. Sie soll sich nicht nur um Energie, Klima und Umwelt kümmern, sondern es geht um gesellschaftliche Verantwortung auf allen Ebenen - gegen Rassismus, Diskriminierung, Homophobie und Leistungsdruck. Und vor allem: Sie soll diese Themen bis hinunter in die Kreisklasse und in den kleinsten Verein tragen.

"Wir wollen gerade bei jungen Fußballern ein Bewusstsein dafür schaffen, dass sie mit ihrer eigenen Zukunft verantwortungsvoll umgehen", sagt Zwanziger. Die Zielgruppe ist gewaltig: 26.000 Fußball-Vereine und fast sieben Millionen Mitglieder sind im DFB organisiert; halb Deutschland lässt sich zumindest gelegentlich vom Fußball-Fieber anstecken. Wie in keinem anderen Sport können damit Menschen erreicht werden, die an das Thema Nachhaltigkeit sonst keinen Gedanken verschwenden würden.

Bereits zur Fußball-WM 2006 hatte der Verband mit dem Weltfußballverband und der Unterstützung des Öko-Instituts ein Umweltprogramm entwickelt und sich zur Nachhaltigkeit verpflichtet. "Green Goal" nannte der DFB seine Kampagne und machte Spielern, Betreuern und allen Interessierten klar, dass der Fußball "Spuren hinterlässt": durch den CO2-Ausstoß bei der Anfahrt der Fans oder den Fußballbetrieb mit beheizten und klimatisierten Fan-Zonen, durch Duschen und Toiletten. "Ziel war bereits 2006, die Treibhausbelastung der Fußball-WM zu senken", sagt Martin Schmied vom Öko-Institut, der seit Jahren mit seinen Kollegen den DFB in Sachen Klimaschutz berät und die Green-Goal-Kampagne wissenschaftlich begleitet.

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
cabrioheinz 18.12.2011
1.
Zitat von sysopFußballclubs interessieren sich mittlerweile für den Klimaschutz, setzen*Solarmodule aufs Stadiondach und gleichen ihre CO2-Emissionen aus. Die Nachhaltigkeits-Tabelle führen Vereine an, die in der Liga eher gegen den Abstieg kämpfen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,802745,00.html
"Nachhaltigkeits-Tabelle"?! Es ist lächerlich, welche Blüten die Klimahysterie inzwischen treibt.
fettiz 19.12.2011
2.
Zitat von cabrioheinz"Nachhaltigkeits-Tabelle"?! Es ist lächerlich, welche Blüten die Klimahysterie inzwischen treibt.
Finde ich gar nicht. Wenn man bedenkt, was für ein großer Wirtschaftsfaktor dahinter steht. Und wer da grün ist, kann natürlich in Sachen PR und Image davon profitieren. Gerade für Mainz oder Freiburg ein Muss. Zu Werder würde es farblich gut passen. Bei Wolfsburg würde es keiner erwarten. Insgesamt ist es aber wahrscheinlich noch zu kurz gegriffen. Was bringt mir denn das CO2 neutrale Stadion? Das ist ein Teilgebiet, wichtig zwar, aber man mus die Gesamtbilanz betrachten. Angenommen 40.000 Zuschauer kommen im Durchschnitt aus 30km Entfernung. Dann wären das schon 40 Millionen Personenkilometer im Jahr. Mal 18 Vereine + Auswärtskilometer dann kommt da schon was zusammen. Zudem fliegt die Auswärtsmannschaft häufig durch Deutschland, manche auch europaweit durch die Gegend. Das ist auch ein Faktor. Es wird hier keinen Verein geben, welcher hier eine ausgeglichene Ökobilanz hat. Aber da ist schon noch viel zu tun.
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