Klimagipfel in Doha: Umweltverbände kritisieren Ergebnisse als unzureichend

In letzter Minute haben die Staaten auf dem Weltklimagipfel einen Kompromiss verabschiedet - doch Politiker und Umweltverbände kritisieren das Ergebnis: Die Erderwärmung lasse sich mit dem Minimalkonsens nicht aufhalten. Die Folgen des Klimawandels bekämen vor allem die Entwicklungsländer zu spüren.

Doha/Berlin - Zu wenig, zu langsam, zu spät: Umwelt- und Hilfsorganisationen haben die Ergebnisse des Klimagipfels in Doha scharf kritisiert. "Die wachsweichen Beschlüsse der Konferenz leisten keinen Beitrag, um den globalen Temperaturanstieg zu bremsen", sagte Hubert Weiger vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Auch der Naturschutzbund (NABU) gab sich mit den Ergebnissen des Gipfels nicht zufrieden: "Noch mehr verpasste Chancen können wir uns nicht mehr leisten", mahnte NABU-Präsident Olaf Tschimpke: "Statt sich auf wirksame Maßnahmen zur Reduktion klimaschädlicher Emissionen zu verständigen, wurde in Doha viel heiße Luft produziert."

Zuvor hatten sich die Staaten am Extra-Tag des Gipfels auf einen Minimalkonsens geeinigt. Das Kyoto-Protokoll wird bis 2020 verlängert, in den kommenden drei Jahren soll ein weltweites Klimaschutzabkommen ausgearbeitet werden.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die Ergebnisse, betonte jedoch zugleich, es müsse weit mehr getan werden, um den Anstieg der Temperaturen weltweit zu begrenzen. Auch die Wirtschaftsunternehmen, die Zivilgesellschaft und die einzelnen Bürger müssten sich in dieser Frage engagieren, teilte sein Sprecher Martin Nesirky mit.

"Europa blockiert sich selbst"

"Man kann sagen, dass mit diesem Tag ein gutes Signal für den Klimaschutz verbunden ist", sagte Umweltminister Peter Altmaier (CDU), der für die Bundesregierung an der Konferenz teilnahm. Die Fortschritte seien nicht so groß gewesen, wie man es sich hätte erträumen können. Dennoch sei das Paket besser als lange Zeit erwartet und könne als "wichtiger Meilenstein im Hinblick auf einen wirksamen Klimaschutz" betrachtet werden.

Auch EU-Klimakommissarin Connie Hedegard lobte den "erfolgreichen Abschluss" der Konferenz. Doha sei ein maßvoller, aber entscheidender Schritt nach vorn gewesen. Zugleich mahnte die Kommissarin, dass die Zeit knapp werde, um eine Erderwärmung von mehr als zwei Grad noch zu verhindern: "Wir brauchen ein ehrgeiziges weltweites Vorgehen, das uns entscheidend in Richtung einer emissionsarmen und klimaschonenden Zukunft bringt", sagte sie.

Gerade die Rolle der EU bei den Verhandlungen hatte zuvor Kritik ausgelöst: Weil sich vor allem die polnische Regierung gegen eine Verschärfung der Regelungen im Kyoto-Protokoll versperrt hatte, drohte die Vereinbarung zwischenzeitlich zu scheitern. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast nannte den Auftritt "enttäuschend und blamabel" und monierte: "Europa, das einmal Schrittmacher auf Klimakonferenzen war, hat sich diesmal selbst blockiert."

Ein "ehrgeizigeres Klimaziel von mindestens 30 Prozent für die EU" sei "längst überfällig", sagte auch Grünen-Fraktionschefin im EU-Parlament, Rebecca Harms.

Auch Umweltorganisationen rügten die Blockadehaltung: "Ich glaube, dass man hier unter dem Strich nichts erreicht hat, was wirklich hilft", sagte Martin Kaiser, Greenpeace-Leiter für internationale Politik: "Es kann nicht sein, dass einzelne Länder den wenigen Fortschritt hier noch aufhalten." Schon jetzt verlören tausende Menschen ihre Heimat durch die Folgen der Erderwärmung, kämen durch Dürren und Überschwemmungen ums Leben.

Keine Lösung für Entwicklungsländer

WWF-Vorstand Eberhard Brandes sagte, der Mangel an politischem Willen wichtiger Staaten wie der USA, Kanada und Russland habe größere Fortschritte verhindert.

Kritisiert wurde zudem, dass während des Gipfels keine Regelungen für die Unterstützung von Entwicklungsländern beschlossen wurden. Die ärmsten Menschen der Erde, die historisch betrachtet die geringste Verantwortung für den Klimawandel hätten, müssten nun die härtesten Konsequenzen tragen, sagte Kit Vaughan von der Hilfsorganisation Care International.

Kieren Keke, der den Inselstaat Nauru bei den Verhandlungen vertrat, fügte resigniert hinzu: "Das ist nicht, wo wir am Ende des Treffens stehen wollten, das versichere ich". Einige Pazifik-Inseln sind schon heute vom Untergang bedroht.

usp/dpa/AP/Reuters

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