Universale Emotionen Musik wird weltweit gleich verstanden

Tango, Rock 'n' Roll, Bach-Konzerte: Mit Musik ausgedrückte Emotionen werden weltweit verstanden. Selbst Menschen, die vorher noch nie westliche Musik gehört haben, können recht zuverlässig einschätzen, ob ein Lied eher fröhlich, traurig oder bedrohlich ist.


London - Musik als Weltsprache: Selbst Angehörige von Naturvölkern, die nie zuvor Kontakt mit westlichen Klängen hatten, können die emotionalen Anteile darin auf Anhieb identifizieren. Das schließen Forscher aus einer Studie, in der sie Angehörigen eines afrikanischen Volksstammes computergenerierte Klaviermusik sowie Tanzmusik aus den vergangenen vier Jahrhunderten vorspielten, darunter Tango- und Rock 'n' Roll-Stücke, aber auch Werke von Johann Sebastian Bach.

Der Stamm der Mafa lebt in Kamerun, im Norden der Mandara-Berge. Ein Forscherteam um Thomas Fritz vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig berichtet im Fachmagazin "Current Biology", 19 von 21 Probanden hätten drei Grundstimmungen eindeutig zuordnen können: fröhlich, traurig oder bedrohlich.

Fritz hatte die Musikstücke von seinem mit Solarzellen betriebenen Laptop abgespielt - und ist sich sicher: "So, wie emotionale Mimik angeboren ist, gibt es anscheinend auch angeborene emotionale Lautmuster". Deshalb konnten die Mafa westliche Musik als fröhlich, traurig oder bedrohlich einordnen.

Mafa-Musik vorwärts und rückwärts abgespielt sehr ähnlich

"In unseren Breiten gibt es eine größere Variabilität in der Musik", berichtete der Forscher weiter. "Dadurch findet automatisch eine Schulung des Gehörs statt, so dass wir zwischen vielen verschiedenen Feinheiten von Akkorden unterscheiden können, die die Mafa nicht wahrnehmen." Die Mafa-Musik klinge beispielsweise vorwärts und rückwärts abgespielt sehr ähnlich.

In den Versuchen zeigte sich auch, dass die Einstufung eines Musikstücks als fröhlich, traurig oder bedrohlich teilweise mit der Geschwindigkeit der Stücke zusammenhängt: Die Mafa empfanden schnelle Stücke tendenziell eher als fröhlich, während langsame Stücke eher als bedrohlich wahrgenommen wurden. Im Gegensatz dazu wurden traurige Stücke unabhängig von der Geschwindigkeit als traurig empfunden.

Ob ein Musikstück angenehm klingt, hängt hingegen auch mit dem kulturellen Hintergrund zusammen, stellten die Forscher fest. Sie spielten den Mafa per Tonband zunächst ein einstimmiges Musikstück vor. Dann folgten Aufnahmen, bei denen mehrere Musikstücke übereinandergelegt worden waren, so dass viele Dissonanzen entstanden. Zwar stuften die Mafa genau wie westliche Vergleichsprobanden Dissonanzen im Vergleich zu Harmonien grundsätzlich als unangenehmer ein, der Unterschied fiel jedoch geringer aus.

Nach Aussage der Forscher lag das vor allem daran, dass Musik bei vielen Naturvölkern weniger dem emotionalen Ausdruck dient, als vielmehr der Koordinierung von Ritualen. Dabei gilt: Je mehr mitmachen, desto besser. Fritz: "Mafa-Musik ist aufgrund der verwendeten Instrumente wahnsinnig anstrengend zu erzeugen. Wenn sie besonders lang und laut ist und viele Musiker mitmachen, gilt das sozusagen als Kraftdemonstration. Ähnliches haben sie darum wahrscheinlich auch aus unseren Aufnahmen herausgelesen."

chs/ddp/AP



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