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Unmögliche Stunts: Forscher nehmen Blockbuster auseinander

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Spider-Man stürzt sich aus 80 Metern in die Tiefe, Bruce Willis überlebt sogar den freien Fall in einen Fahrstuhlschacht: In Hollywood gelten die Gesetze der Physik nur eingeschränkt. Jetzt haben Wissenschaftler ausgerechnet, was diese Superkräfte im richtigen Leben wert sind.

Nicht umsonst heißt Hollywood auch Traumfabrik. Was in vielen Filmen geschieht, hat mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Nicht nur mit Schurken, auch mit Naturgesetzen kämen Helden wie James Bond immer wieder in Konflikt, wenn ihre Kunststücke nicht am Computer entstünden, sondern real vor der Kamera gespielt werden müssten.

Der Dortmunder Physiker Metin Tolan hat bereits eingehend untersucht, wie realistisch Actionszenen in den "007"-Filmen sind. Sein Fazit: Mitunter würde es den Geheimagenten zerreißen. Aber mancher Stunt, der zunächst völlig unrealistisch erscheint, könnte durchaus gelingen - wie etwa der gewagte Sprung vom Motorrad in ein Propellerflugzeug in "GoldenEye".

Den teils hanebüchenen Umgang von Drehbuchautoren mit der Wissenschaft will der Wiener Nuklearphysiker Heinz Oberhummer nutzen, um Schüler für Forschung und Technik zu begeistern. Seit Januar ist die von ihm initiierte Datenbank namens Cisci - Cinema und Science online. Sie umfasst Dutzende wissenschaftliche Analysen von Kinofilmen - und wächst ständig weiter.

Düsenjet mit einer Hand hochheben

"Es gibt zu wenige Naturwissenschaftler und Techniker in Europa", sagt Oberhummer im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Das liege daran, dass viele Schüler sich ab der fünften Klasse kaum noch für Physik, Chemie oder Biologie interessierten. "Das wirkt sich auch auf die Studentenzahlen aus."

Mithilfe der bei Schülern äußerst beliebten Blockbuster möchte Oberhummer das Interesse für Wissenschaft und Technik wieder wecken. "Die Menschen sind sehr interessiert an der Grenze zwischen Realität und Phantasie", weiß er. Die Cisci-Datenbank, ein von der EU gefördertes Projekt, bietet Lehrern und Schüler komplett vorbereitete Unterrichtseinheiten zum Herunterladen - und das in acht Sprachen.

Anhand von Julia Roberts' Kampf gegen Umweltverseuchung als Erin Brockovich werden etwa chemische Elemente erklärt. Man erfährt, welche Kraft auf Bruce Willis wirken würde, hätte er in "Stirb langsam" seinen 15 Meter tiefen Sturz in einen Aufzugschacht mit den Fingerspitzen zu bremsen versucht. Genausogut könne man einen 100-Tonnen-Düsenjet mit seinen Fingern hochheben, erklärt Oberhummer. "Der meiste Inhalt kommt von Lehrern", berichtet er. Die Texte würden dann von Wissenschaftlern geprüft und anschließend in die Datenbank gestellt.

Von Pferden gevierteilt

"Viele Dinge sind sehr überraschend", sagt der Experte für Elementarteilchen und verweist auf "Spider-Man 3", in dem Peter Parker enorme Bremskräfte auszuhalten scheint. In einer Szene fällt Spider-Man 80 Meter in die Tiefe, ehe er elegant per Spinnenfaden abbremst.

Oberhummer rechnet vor: Nach 80 Metern im freien Fall beträgt Spider-Mans Geschwindigkeit etwa 140 Kilometer pro Stunde, der Bremsweg liegt dank des dehnbaren Seils aus Spinnenseide bei rund 20 Metern - ergibt zusammen eine Bremskraft von 2940 Newton. Ungefähr solche Kräfte wirkten auf jene Bedauerlichen, die im Mittelalter gevierteilt wurden, indem ihnen Pferde die Arme und Beine abrissen. Dabei, betont Oberhummer, wirkte auf die einzelnen Gliedmaßen eine Kraft von etwa 750 Newton.

In allen Details unrealistisch sei der Stunt, der Spider-Man zerrissen hätte, trotzdem nicht: Das Spinnenseil hätte die enormen Kräfte ausgehalten, erklärt Oberhummer. Die Kräfteverhältnisse für einen ein Millimeter dicken Faden seien richtig umgesetzt. Immerhin.

Blockbuster im Realitätscheck der Wissenschaft:

Spider-Man: Spinnenbisse

Matrix: Lebende Batterie

Ocean's Eleven: 38-fache Erdbeschleunigung

Stirb langsam: Übermächtige Finger

Staatsfeind Nr. 1: Wundersame Satelliten

Fluch der Karibik: Mit 100 km/h ins Wasser

Der sechste Tag: Geklontes Gedächtnis

Speed: Bus trotzt Schwerkraft

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