Uno-Bericht Ein Viertel der Nahrung landet im Müll

Es ist eine Verschwendung von unvorstellbarem Ausmaß: Laut einem Uno-Bericht wird mehr als ein Viertel der weltweiten Ackerfläche zur Produktion von Nahrung genutzt, die direkt in die Mülltonne wandert. Gleichzeitig hungern 870 Millionen Menschen.

Nahrung im Müll (Symbolbild): EU will Menge der Lebensmittelabfälle bis 2020 halbieren
DPA

Nahrung im Müll (Symbolbild): EU will Menge der Lebensmittelabfälle bis 2020 halbieren


Berlin/New York - Jedes Jahr landen weltweit rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Und nach einem aktuellen Bericht der Vereinten Nationen sorgt diese massive Verschwendung nicht nur für enorme Wirtschaftseinbußen, sondern richtet auch riesige Umweltschäden an.

Demnach werden 28 Prozent des gesamten weltweiten Ackerlandes genutzt, um Nahrung zu produzieren, die nie gegessen wird. Die direkten finanziellen Einbußen beliefen sich jährlich auf 565 Milliarden Euro - weggeworfener Fisch und Meeresfrüchte noch nicht einmal mitgerechnet.

Der Report "Food Wastage Footprint: Impacts on Natural Resources" trägt zusammen, welche Konsequenzen die Überproduktion für das Klima, die Bodennutzung, das Wasser und die Artenvielfalt hat. Er wurde am Mittwoch von der Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) sowie dem Uno-Umweltprogramm (Unep) in Rom und Nairobi präsentiert.

Die Produktion von Lebensmitteln, die später nicht verzehrt werden, verbrauche jährlich etwa 250 Kubikkilometer Wasser. Das entspricht dem fünffachen Volumen des Bodensees und ist dem Report zufolge dreimal mehr als pro Jahr durch die russische Wolga fließt. Zudem entstünden bei der Herstellung jährlich Treibhausgase, die der Wirkung von 3,3 Milliarden Tonnen Kohlendioxid entsprächen.

"In jedem Glied der Nahrungsmittelkette etwas ändern"

Laut dem Uno-Bericht gehen 54 Prozent der verschwendeten Nahrungsmittel bereits während der Produktion, der Nachernte und der Lagerung verloren. Entwicklungsländer seien von diesem Teil des Problems besonders stark betroffen. Die Verschwendung bei Weiterverarbeitung, Auslieferung und Konsum - weltweit geht es um 46 Prozent der betroffenen Lebensmittel - ist stärker ein Problem der Industrieländer.

"Wir alle - Landwirte und Fischer, Lebensmittelproduzenten und Supermärkte, lokale und nationale Regierungen sowie die Verbraucher - müssen in jedem Glied der menschlichen Nahrungsmittelkette etwas ändern, um Lebensmittelverschwendung in erster Linie zu vermeiden und andernfalls Nahrungsmittel wiederzuverwerten", sagte FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva.

Zusätzlich zu den Folgen für die Umwelt sei die Lebensmittelverschwendung auch moralisch nicht vertretbar: "Wir dürfen nicht erlauben, dass ein Drittel der Nahrungsmittel, die wir herstellen, auf dem Müll landen, wenn 870 Millionen Menschen gleichzeitig Hunger haben." Tragischerweise wäre mehr als genug Nahrung da, um die heutige Weltbevölkerung von sieben Milliarden zu ernähren. Manche Forscher gehen sogar davon aus, dass die Verschwendung noch größer ist als im neuen Uno-Report angegeben. Sie schätzen, dass weniger als die Hälfte der weltweit produzierten Nahrung von Menschen verzehrt wird.

In Deutschland wirft laut einer Regierungsstudie jeder Bundesbürger pro Jahr statistisch gesehen knapp 82 Kilo Lebensmittel weg. Doch Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sieht das Land trotzdem auf einem guten Weg - unter anderem wegen der Kampagne "Zu gut für die Tonne". "Handel, Industrie, Kirchen, Verbände und Verbraucherinitiativen ziehen an einem Strang. Wenn andere Länder folgen, können wir das Ziel der Europäischen Kommission erreichen, die Menge der verwertbaren Lebensmittelabfälle bis zum Jahr 2020 um die Hälfte zu reduzieren", so Aigner.

chs/dpa



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analyse 11.09.2013
1. und wenn dann noch wie von den GRÜNEN gefordert
der Bio-Anbau sich ausweitet ,mit nochmal 30% weniger Ertrag pro ha ,dann sind Hungersnöte vorprogrammiert.Allerdings nicht für die deutschen grünen Besserverdiener !
Schacht Holland 11.09.2013
2. Nachvollziehbar
Zitat von sysopDPAEs ist eine Verschwendung von unvorstellbarem Ausmaß: Laut einem Uno-Bericht wird mehr als ein Viertel der weltweiten Ackerfläche zur Produktion von Nahrung genutzt, die direkt in die Mülltonne wandert. Gleichzeitig hungern 870 Millionen Menschen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/uno-bericht-ein-viertel-der-nahrung-landet-im-muell-a-921677.html
Klingt dramatisch - ist es aber nicht. Wenn mir eine Kollegin erzählt, daß sich irgendwelche Schnecken über die Salatpflanzen im Garten hergemacht haben, dann erklärt dies u.a., warum die Salatpflanzen entsorgt und nicht gegessen werden. Wenn ich mir ein Steak mit Kartoffelecken zubereite, dann habe ich gerne Sour Creme dazu. Leider gibt es Sour Creme im Supermarkt immer nur in grösseren Portionen. Also kaufe ich mir Sour Creme, entnehme das, was ich benötige und werfe den Rest weg. Was soll ich sonst tun? Bis ich in ein paar Tagen Hunger auf Steak mit Kartoffelecken habe, ist die Sour Creme ungenießbar. Daher: bedauerlich, aber nachvollziehbar. Kein Grund zur Aufregung.
Mimimat 11.09.2013
3. Weiß nicht..
Zitat von sysopDPAEs ist eine Verschwendung von unvorstellbarem Ausmaß: Laut einem Uno-Bericht wird mehr als ein Viertel der weltweiten Ackerfläche zur Produktion von Nahrung genutzt, die direkt in die Mülltonne wandert. Gleichzeitig hungern 870 Millionen Menschen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/uno-bericht-ein-viertel-der-nahrung-landet-im-muell-a-921677.html
Also, ich weiß nicht, ob das wirklich ein Problem der Verbraucher ist. Wenn ich von unserem Haushalt ausgehe, dann werden Nahrungsmittel höchstens im einstelligen Prozentsatz weggeworfen. Und die sind dann oft wirklich verdorben. Viel stärker sind doch solche Sachen betroffen, die sich schlecht verkaufen lassen: kleine Gurken, verkrüppelte Möhren, Äpfel und Birnen, die nicht dem Standard entsprechen usw. Und die Begriffe Butterberg etc. sind sicher auch noch jedem geläufig. Soll keine behaupten, so was gäbe es heute nicht mehr.
doppelpost123 11.09.2013
4. unfähig
Zitat von sysopDPAEs ist eine Verschwendung von unvorstellbarem Ausmaß: Laut einem Uno-Bericht wird mehr als ein Viertel der weltweiten Ackerfläche zur Produktion von Nahrung genutzt, die direkt in die Mülltonne wandert. Gleichzeitig hungern 870 Millionen Menschen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/uno-bericht-ein-viertel-der-nahrung-landet-im-muell-a-921677.html
So traurig wie beschränkt wir sind.
mangeder 11.09.2013
5. optional
Das sollten mal die Monsanto-Fans und Gentechnik-Fundamentalisten lesen, die uns immer erzählen wollen, dass wir die Nahrungsherstellung immer mehr in die Hände der Konzerne geben sollen und immer mehr künstlich verändern sollen. Hunger und Nahrungsmangel war schon immer ein politisches Prolbem und ein Problem unserer Wegwerfgesellschaft (indem wir subvontionierte Produkte zu Dumpingpreisen in die Dritte Welt exportieren, schadet unser System auch den Entwicklungsländern). Wir produzieren bereits jetzt mehr Nahrungsmittel mit denen 9 Milliarden Menschen ernährt werden können - nur verteilen wir die Nahrung falsch, füllen damit Benzintanks und vernichten zu viel Nahrungsmittel.
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