Uno-Bericht: Geschäft mit Aufputschmitteln boomt
Ecstasy, Amphetamine und Co. - synthetische Drogen stehen auf der Konsumliste an zweiter Stelle, gleich nach Cannabis. In einem neuen Bericht zeigt sich die Uno alarmiert: Vor allem Südostasien ist fest in der Hand von organisierten Drogenschmuggler-Banden.
Bangkok - Neue Drogen überschwemmen im Rekordtempo den europäischen Markt. Allein im vergangenen Jahr hat die EU 41 neue Rauschmittel registriert. Doch nicht nur europaweit - auf der ganzen Welt sind synthetische Drogen auf dem Vormarsch. Weit oben auf der Beliebtheitsskala der Konsumenten stehen Aufputschmittel.
Was das Uno-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) jetzt in einem Bericht zusammenfasst, ist das düstere Abbild der aktuellen Situation des weltweiten Drogenmarkts: Aufputschmittel auf Amphetaminbasis (ATS) - also Amphetamine, Methamphetamine und Ecstasy - sind nach Cannabis die am häufigsten konsumierten Drogen der Welt, heißt es in dem Bericht, der am Dienstag in Bangkok vorgestellt wurde.
Und auch die Prognosen, die die Uno erstellt, sehen nicht viel besser aus: Die Produktion weite sich aus, vor allem in Westafrika und Südostasien. Die Zahl der Nutzer dieser relativ günstigen und leicht herzustellenden Drogen habe sich auf hohem Niveau stabilisiert, heißt es in dem Report über synthetische Drogen, den das Büro alle drei Jahre vorlegt.
Allein in Südostasien hat sich die Zahl der Labore zwischen 2005 und 2009 nach Schätzungen des Büros auf rund 460 fast verzehnfacht. "Der wachsende Handel und die hohen kriminellen Profite stellen für unsere Region Ost- und Südostasien eine immer größere Bedrohung der Sicherheit und Gesundheit dar", sagte Gary Lews, der UNODC-Regionalvertreter in Bangkok.
Kleine Risiken, große Gewinne
Das Geschäft gerät dem Bericht zufolge - wie der Handel mit anderem Rauschgift - immer stärker in die Hände von kriminellen Banden. "Das Marktpotenzial mit hohen Gewinnen und relativ kleinen Risiken macht das Geschäft für kriminelle Banden so attraktiv", schreibt das UNODC. "Es gibt Anzeichen, dass allein im Schmuggelgeschäft dieser Drogen aus Birma mindestens 50 Banden aktiv sind."
Die Zahl der konfiszierten Methamphetamin-Pillen stieg in den vergangenen Jahren rasant. Hauptversorger der Nachbarländer mit Ecstasy-Pillen blieben in Europa die Niederlande, während in Südostasien vor allem in Birma produziert wird. Weil große Länder wie Indien und China nie repräsentative Erhebungen über den Konsum gemacht haben, bleiben die Zahlen ungenaue Schätzungen: 14 bis 57 Millionen Menschen nähmen synthetische Drogen ein, schreibt das Uno-Büro.
Wurden die Pillen und Pulver früher häufig in Hinterhof-Laboren hergestellt, werde heute in riesigen Fabriken produziert. Vor allem in Malaysia und Indonesien breite sich die Herstellung aus. 2009 wurden in Indonesien 37 illegale Labore ausgehoben, in Malaysia seit 2008 mehr als 30 Labore. Auch in Liberia in Westafrika und in Nigeria seien Labore entdeckt worden.
Erstmals seien Methamphetamin-Labore auch in einigen europäischen Ländern aufgeflogen, darunter in Österreich, Weißrussland, Litauen, Polen und Portugal. In Deutschland seien 2008 mehr Labore zur Herstellung von Methamphetamin als von Amphetamin entdeckt worden.
Nach Angaben des Uno-Büros sterben durch illegale Drogen etwa 200.000 Menschen im Jahr, durch Alkoholmissbrauch 2,5 Millionen und durch Tabakkonsum fünf Millionen Menschen.
cib/dpa
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