Weltbevölkerung im Jahr 2100 Uno erhöht Prognose auf elf Milliarden Menschen

Die Uno rechnet im Jahr 2100 mit einer Weltbevölkerung von 11,2 Milliarden - deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren. Afrika wird seine Einwohnerzahl in den kommenden 85 Jahren fast vervierfachen.

Menschen an Strand in Südafrika (Archivbild): Europa schrumpft, Afrika wächst
REUTERS

Menschen an Strand in Südafrika (Archivbild): Europa schrumpft, Afrika wächst


Stellen Sie sich die Münchner Allianz-Arena vor: 71.000 Menschen sitzen und stehen auf den Rängen - und auf dem Rasen sollen nochmal 2000 versammelt sein. Macht insgesamt 73.000 Personen. Wenn alle Menschen dieser Erde zugleich in solch ein Stadion gehen wollten, bräuchte man 100.000 davon. Denn gegenwärtig leben laut Uno-Angaben auf unserem Planeten 7,3 Milliarden Menschen.

Und es werden immer mehr. Die Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 sogar noch stärker wachsen als bislang angenommen, wie die Uno am Mittwoch in New York mitteilte. Die Experten rechnen nun mit einem Anstieg der globalen Bevölkerung auf rund 9,7 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050. Das seien mehr als 170 Millionen mehr Weltbewohner als bislang angenommen. Im Jahr 2100 prognostiziert die Uno 11,2 Milliarden Bewohner - 300 Millionen mehr als in ihrer bisher jüngsten Studie aus dem Jahr 2013.

Europa schrumpft

Verantwortlich für das Wachstum sind den Angaben zufolge beinahe ausschließlich die Entwicklungsländer. Besonders rasant nimmt die Bevölkerung Afrikas zu: Von heute rund 1,2 Milliarden auf fast 4,4 Milliarden Menschen im Jahr 2100. Zehn Länder des Kontinents werden ihre Einwohnerzahl bis 2100 sogar verfünffachen, heißt es in der Uno-Studie - und zwar Angola, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Malawi, Mali, Niger, Somalia, Uganda, Tansania und Sambia.

In Europa wird hingegen mit einem Rückgang von derzeit 738 Millionen Menschen auf rund 646 Millionen Menschen im Jahr 2100 gerechnet. Deutschlands Einwohnerzahl entwickelt sich laut der Studie von derzeit 81 Millionen auf 74 Millionen (Jahr 2050) und 63 Millionen im Jahr 2100.

China und Indien bleiben weiterhin die bevölkerungsreichsten Länder der Erde mit jeweils mehr als einer Milliarde Einwohnern. Im Jahr 2022 werde Indien die bisherige Nummer eins China aber überholen.

Millionen ungewollter Schwangerschaften

Grund für den Anstieg der Weltbevölkerung ist unter anderem die Annahme, dass die Geburtenrate pro Frau weniger stark sinkt als noch vor einigen Jahren angenommen. Experten fordern deshalb einen besseren Zugang zu Aufklärung und freiwilliger Familienplanung für Frauen und Jugendliche in Entwicklungsländern. "Jedes Jahr werden nach wie vor 74 Millionen Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern ungewollt schwanger - unter anderem weil sie nicht verhüten können", erklärte die Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung, Renate Bähr.

Dem Uno-Bericht zufolge würde es jährlich 9,4 Milliarden Dollar (8,5 Milliarden Euro) kosten, Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern Verhütung zu ermöglichen. Derzeit werde nicht einmal die Hälfte davon investiert. Auch die Bundesregierung müsse sich an dieser Stelle "stärker finanziell einbringen", forderte Bähr.

Unsichere Statistiken

Prognosen zur Entwicklung der Weltbevölkerung sind mit vielen Unsicherheiten behaftet. Zuletzt hatte ein Team um Adrian Raftery von der University of Washington in Seattle einen Wert zwischen 9 und 13 Milliarden für das Jahr 2100 berechnet. Die Wahrscheinlichkeit dafür liege bei 95 Prozent.

Die Uno hatte in den vergangenen Jahren immer wieder ihre Bevölkerungsprognose nach oben korrigiert. Noch 2003 waren die Statistiker sogar davon ausgegangen, dass die Weltbevölkerung ab dem Jahr 2040 wieder zurückgeht.

hda/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 120 Beiträge
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mikesch0815 29.07.2015
1. Macht nix!
Hier wird die demographische Entwicklung wie ein Weltuntergang verkauft und es werden Ängste geschürt. Deutschland stirbt aus. Was interessiert einen den Rest der Welt? ;)
hardline 29.07.2015
2. Die schlimmste Heimsuchung
Wenn es irgend etwas gibt, was die kurzsichtigen und mit vergleichsweise völligem Unsinn beschäftigten Politiker, Stiftungen und Organisationen angehen sollten, dann ist es dieser Wahnwitz. Wer sich heute Gedanken darüber macht, die Mehrwegquote bei Limonade zu steigern oder über ökologische Landwirtschaft nachzudenken, ohne etwas gegen die Übervölkerung zu unternehmen, verhält sich wie ein Depp, der versucht, seine Blähungen zu unterdrücken, um kein Methan auszustoßen und gleichzeitig seine Rinderherde per Flugzeug mit Gras aus Argentinien zu füttern.
freigeist1964 29.07.2015
3. 11 Millarden Menschen?
eine schreckliche Vorstellung! Der Planet ist jetzt schon ausgeplündert, das Massensterben in der Natur hat sowieso schon eingesetzt, aber die Menschheit pflanzt sich wie die Kaninchen. Gut, dass ich dann nicht mehr unter den Lebenden verweile.
LouisWu 29.07.2015
4. Afrika
Der befürchtete/erwartete Anstieg der Weltbevölkerung wird fast ausschließlich von Afrika verursacht werden. Die anderen Länder - auch Indien - haben sich erstaunlich gut entwickelt in dieser Beziehung. http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0001395
Jo aus Pö 29.07.2015
5. Geht nicht!
Vor allem bei der Prognose für Afrika ist klar, dass dort 4,4 Milliarden Menschen nicht ernährt werden können ohne einen ökologischen Kollateralschaden. Hart, aber deutlich: Es wird dort zwangsläufig zu massenweisem Verhungern im ersten Lebensjahr kommen, also den gleichen biologischen Regeln wie hier bei Kaninchen, Mäusen etc., was wiederum eine Horrorvision für all jene in der schrumpfenden Erstwelt ist, für die 10 qkm abgeholzter Regenwald unbedeutender sind als ein weiterer hungriger Säugling. Und die 9,4 Milliarden für Empfängnisverhütung werden gerade in Afrika verpuffen wie eine Seifenblase.
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