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Unterwasser-Abenteuer: Blubbern im U-Boot Marke Eigenbau

Von und Sascha Klettke, Kiel

Ein Kieler Schiffsbauingenieur lebt einen Tüftler-Traum: Er hat auf einfachste Weise ein U-Boot gebastelt - und erkundet jetzt die Unterwasserwelt von Ostsee und Mittelmeer. Weder um Führerschein noch um Zulassung musste er sich kümmern.

Der Funkkontakt steht. Michael Henrik Schmelter meldet sich von der Wasseroberfläche ab: "Okay, wir tauchen." Der 43-Jährige betätigt einen kleinen Hebel links von seinem Sitz, um die Auftriebstanks an der Außenseite seines U-Boots zu fluten. Das Wasser der Kieler Förde schlägt immer höher an die Plexiglaskuppeln, nach zehn Sekunden ist "2Dive", wie Schmelter seine Konstruktion nennt, abgetaucht.

Von Land aus sind noch kurz ein paar Luftblasen zu sehen. Dann verkündet nur noch eine rote Schwimm-Boje die Position von "2Dive".

Im Innern fühlt es sich an wie in der Autowaschanlage: Während es draußen nass wird, sitzt man bequem im Trockenen und schaut zu. Doch anders als in der Waschstraße wird es im U-Boot nach dem kurzen Blubbern beim Abtauchen ganz ruhig. Das Boot und seine Passagiere sind jetzt Teil der Unterwasserwelt.

Schmelter hat, was viele gern hätten: ein eigenes U-Boot, mit dem er jederzeit abtauchen kann. "2Dive" wiegt rund zwei Tonnen. Nimmt man die Bleigewichte heraus, reduziert sich die Masse auf eine Tonne. So kann Schmelter das Boot mit dem Kran seines Lkw verladen, praktisch an jeden Ort der Welt transportieren und wieder ausladen. Die Kieler Förde ist das Stammrevier von "2Dive", das Boot schipperte aber auch schon zweimal vor der Küste Kroatiens und einmal in Kopenhagen.

Keine Frage: Die Idee, sich ein eigenes U-Boot zu konstruieren, ist ein bisschen verrückt. Warum soll man sich etwas bauen, das einen in größte Gefahr bringen kann? Für Schmelter war das U-Boot vor allem eine technische Herausforderung. Die Konstruktion war seine Diplomarbeit, die gerade mal zwei Monate in Anspruch nahm. "Ich wollte, dass das Boot möglichst einfach zu bedienen ist", sagt er. "Jeder sollte in kürzester Zeit lernen, damit zu fahren."

Sein Ziel hat Schmelter erreicht. "2Dive" ist bereits das fünfte Jahr im Einsatz. 2000 Arbeitsstunden und rund 40.000 Euro stecken darin. "Die Kinderkrankheiten sind raus", sagt er. Probleme habe es eigentlich nur mit einer Deckeldichtung gegeben. "Beim ersten Tauchgang ist etwas Wasser eingedrungen, aber das waren höchstens drei Schnapsgläser."

"Seht ihr was?"

Das U-Boot bietet zwei Passagieren Platz und dank der beiden Plexiglaskuppeln einen spektakulären Ausblick - zumindest theoretisch. "Seht ihr was?", fragt Schmelters Frau Sonja über Funk vom Bootssteg aus. "Nein", antwortet Schmelter und wischt mit dem Handtuch über die beschlagene Scheibe. Die U-Boot-Fahrer blicken in eine grüne Suppe: Das einzige, was zu erkennen ist, sind Schwebeteilchen, die langsam an den Scheiben vorbeiziehen. Sie sind der Grund für die schlechte Sicht. Langsam lässt Schmelter das Boot voran gleiten.

"Hier in der Kieler Förde sieht man überwiegend Quallen, manchmal Fische und den Grund", sagt Schmelter. Die Ostsee sei wegen der geringen Sichtweite eher unspektakulär. "Das Boot ist eher für den mediterranen Raum gedacht."

Der Rumpf von "2Dive" besteht aus 32 Millimeter dickem, glasfaserverstärktem Kunststoff. "Das Boot übersteht einen Überdruck von 45 bar", sagt der Schiffsbauingenieur. Das entspreche etwa einer Wassertiefe von 450 Metern. "Man könnte damit auf Tiefen von 80 bis 100 Metern gehen", schätzt Schmelter. Er taucht aber meist nur zehn Meter tief.

Die Auftriebstanks, die zum Abtauchen mit Wasser und zum Auftauchen mit Druckluft gefüllt werden, fassen 250 Liter. Vier kleine schwenkbare Elektromotoren sorgen für Schub, nicht nur nach vorn, sondern auch nach unten oder oben. Unter dem tropfenförmigen, gelben Rumpf hängen insgesamt 900 Kilogramm Bleigewichte.

"Das größte Problem ist, zwei Kubikmeter Luft unter Wasser zu kriegen", sagt Schmelter, deshalb das viele Blei. Der Ballast dient auch der Sicherheit. Sollte "2Dive" - aus welchen Gründen auch immer - nicht mehr aus eigener Kraft auftauchen können, könnte ein Taucher die Bleigewichte aus dem Behälter unterm Boot ziehen.

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