Uri-Geller-Show Deutschlands nächster Löffelbieger

Comeback eines Besteck-Verbiegers: Mit "The Next Uri Geller" sucht ProSieben einen Nachfolger für den angeblichen Meister des Übersinnlichen. Dass Geller in der israelischen Vorlage der Sendung beim Schummeln ertappt wurde, scheint ProSieben nicht zu stören.

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Im Januar 1974 verbog Uri Geller Deutschland: Bei seinem legendären TV-Auftritt bei Wim Thoelke verformte er scheinbar mit reiner Gedankenkraft Besteck und brachte kaputte Uhren zum Laufen. Danach war er Gesprächsthema Nummer eins. 2002 schien der Übersinnliche am untersten Ende der medialen Verwertungskette angelangt - dort, wo C-Promis alles tun, um noch einmal in die Schlagzeilen zu kommen: im Dschungelcamp. Für die britische TV-Show "I'm a celebrity - get me out of here!", die später von RTL ("Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!") kopiert wurde, ließ sich der Löffelverbieger in den australischen Urwald verfrachten und Gemeinheiten mit sich anstellen.

Doch die nie versiegende Lust am Übersinnlichen hat Geller wieder ins Abendprogramm gespült. 2004 erzielte RTL Top-Quoten mit der "Uri Geller Show", seit diesem Dienstag versucht ProSieben Ähnliches: "The Next Uri Geller" soll einen würdigen Nachfolger des israelischen "Mystifiers" (O-Ton ProSieben) hervorbringen. Zehn "Mentalisten" sollen dem Meister und dem Publikum in neun Live-Folgen ihr Talent beweisen.

Schon vor der ersten Ausgabe höhnten die deutschen Medien, dass sich die Löffel biegen. "Man kann das auch Verzweiflung nennen", lästerte die "Frankfurter Rundschau". "Comeback auf Verbiegen und Brechen", titelte das "Hamburger Abendblatt". "ProSieben kippt eine neue Ladung Trash ins deutsche Fernsehen", ätzte die "tageszeitung". Und dafür müsse man noch dankbar sein "angesichts von 'Big Brother 8' und 'Dschungelcamp 3'".

Geller, heute 61 Jahre alt, arbeitet kräftig mit am Entstehen böser Befürchtungen: "Ich werde die Menschen natürlich daran erinnern, was mich berühmt gemacht hat", sagte er dem "Tagesspiegel". "Zu Hause bei den Zuschauern werden sich Löffel verbiegen, und kaputte Uhren werden plötzlich wieder zu ticken beginnen, allein durch meinen Auftritt."

Skandal bei israelischer Geller-Show

Dass hinter solchen Effekten nicht unbedingt Magie steckt, bewies Geller kürzlich selbst, wenn auch unfreiwillig. In der Originalversion des Geller-Nachfolge-Castings im israelischen Fernsehen (Titel: "The Successor") kam es zu einem peinlichen Vorfall: Geller holte einen kleinen Gegenstand hinter dem Ohr hervor - vermutlich einen Magneten - und klebte ihn an seinen linken Daumen. Anschließend war er wunderbarerweise in der Lage, einen Kompass zu beeinflussen, was vorher mehrfach schiefgegangen war.

Die verräterische Sequenz tauchte anschließend auf der Video-Website YouTube auf. Geller versuchte, das Video entfernen zu lassen - vergeblich, denn dort ist es nach wie vor zu sehen. In Internet-Foren wird Geller seitdem als Betrüger und Scharlatan beschimpft. Die Situation sei "außer Kontrolle geraten", räumte Gellers Anwalt Richard Winelander ein.

Da stellt sich die Frage, warum ProSieben die Show überhaupt übernimmt - und auf seinen Internetseiten auch noch behauptet, Geller besitze "unerklärliche Begabungen" und "ungewöhnliche Kräfte". Worin die bestehen, erklärt ProSieben auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE so: "Wenn Uri Geller einen Löffel verbiegt, staunen die Menschen heute wie vor 30 Jahren." Zudem sei "The Successor" das erfolgreichste Programm der israelischen TV-Geschichte gewesen. "Die Show verspricht bestes Entertainment", sagt ProSieben-Sprecherin Tina Land.

Ölquellen gefunden und Kriege verhindert?

Der Zwischenfall bei "The Successor" war nicht die einzige Gelegenheit, bei der ernsthafte Zweifel an der Quelle von Gellers Geisteskräften auftauchten. Seit seinem blitzartigen Weg zum Ruhm in den siebziger Jahren hatte er immer wieder behauptet, mittels seiner Gedanken Ölquellen aufgespürt oder gar im Auftrag der CIA Kriege verhindert zu haben.

Das scheinbar unerklärliche Verbiegen von Besteck und Instandsetzen von Uhren wirkt dagegen beinahe banal, doch auch dabei wurde Geller entzaubert. Der SPIEGEL etwa ließ den Israeli kurz nach seinem denkwürdigen Auftritt bei Thoelke eine Gabel zerlegen. Eine anschließende Prüfung des Bundesamts für Materialprüfung ergab, dass das Besteck mit Hilfe einer Chemikalie entzwei ging.



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