Urmenschen Aufrechter Gang ist 3,6 Millionen Jahre alt

Der aufrechte Gang wurde offenbar schon vor 3,6 Millionen Jahren erfunden. Das hat jetzt ein biomechanisches Experiment ergeben. Es basierte auf versteinerten Fußspuren - und Menschen, die versucht haben, wie Schimpansen zu laufen.

Schädel eines jungen Australopithecus afarensis: Aufrechter Gang ist überraschend alt
AFP

Schädel eines jungen Australopithecus afarensis: Aufrechter Gang ist überraschend alt


Vor rund 3,6 Millionen Jahren liefen drei Vormenschen der längst ausgestorbenen Gattung Australopithecus afarensis aufrecht über die feuchte Asche des Vulkans Sadiman. Die 70 Fußabdrücke trockneten aus - und die Fundstelle in Laetoli belegt, dass sich die Menschenvorläufer mit einer Geschwindigkeit von zwei bis vier Stundenkilometern fortbewegten. Zur gleichen Gattung zählt das berühmte Skelett Lucy, das 1974 in Äthiopien gefunden wurde.

Die gebogenen Finger und Zehen sowie die aufwärtsgerichtete Schulter legten nahe, dass Lucy und ihre Artverwandten immer noch viel Zeit in den Bäumen zubrachten. Auch bei den Fußspuren von Laetoli war unklar, ob sie von einem Gang mit gebeugten Knien stammen.

Um das Rätsel zu lösen, haben Forscher ein biomechanisches Experiment durchgeführt - sie verglichen die Fußabdrücke moderner Menschen mit den Spuren von Laetoli. Die Wissenschaftler um David Raichlen von der University of Arizona in Tucson hatten in einem Labor einen sandigen Laufsteg präpariert. Die Versuchsteilnehmer mussten in aufrechter und dann wie Schimpansen in hockender Haltung die Strecke absolvieren. Aus den Abdrücken wurden anschließend dreidimensionale Modelle erstellt.

Geht ein Mensch aufrecht, so ist die Abdrucktiefe von Zehen und Ferse annähernd gleich. Schlurft er aber in Schimpansen-Manier, zeichnet sich der Zehenabdruck wegen der Gewichtsverteilung über der Fußsohle tiefer im Boden ab. "Nach der Analyse der Skelette von Australopithecus afarensis erwarteten wir, dass die Fußabdrücke aus Laetoli denen des in Hocke gehenden Menschen ähneln würden", sagt Raichlen.

Doch das Ergebnis war eine Überraschung, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Public Library of Science One": Bei den versteinerten Abdrücken waren die Zehen- und Fersenabdrücke gleichmäßig ausgebildet - wie beim modernen Menschen. "Trotz eines Körperbaus, der noch angepasst ist an ein phasenweises Leben auf Bäumen, entwickelte sich bereits die uns heute bekannte Gangart", so Raichlen. "Diese Fortbewegung ist sehr energieeffizient, und das war bei der Ausbildung des zweibeinigen Gangs sehr wichtig."

mbe/ddp



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