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Grundsatzurteil: Europa-Gericht erlaubt umstrittene Stammzellpatente

Menschliche Eizelle (künstlerische Darstellung): Sind Patente auf künstliche zur Weiterentwicklung angeregte menschliche Eizellen zulässig? Zur Großansicht
Corbis/ Sciepro/ Science Photo Library

Menschliche Eizelle (künstlerische Darstellung): Sind Patente auf künstliche zur Weiterentwicklung angeregte menschliche Eizellen zulässig?

Der Europäische Gerichtshof hat Patente auf die Herstellung von Stammzellen erlaubt, die Forscher aus unbefruchteten Eizellen produzieren. Mit dem Urteil definieren die Richter neu, wann sich teilende Eizellen als Embryo gelten.

Es gibt ein Grundsatzurteil zu einer der wichtigsten Fragen der Biomedizin: Wann beginnt menschliches Leben? Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat entschieden, dass das EU-weite Verbot eines Patents auf menschliche Embryonen nur dann gilt, wenn sich aus den benutzten Stammzellen auch ein Mensch entwickeln kann.

Zellen, die das trotz Stimulation "in keinem Fall" können, sind auch keine "menschlichen Embryonen", heißt es in dem in Luxemburg verkündeten Urteil. Damit sei die Verwendung eines solchen Organismus "zu industriellen oder kommerziellen Zwecken grundsätzlich patentierbar", heißt es im Urteil.

Zuvor war der kanadischen Stem Cell Corporation (ISCO) in Großbritannien untersagt worden, sich die Herstellung solcher Stammzellen patentieren zu lassen. Nun hat das Unternehmen gute Chancen, das Patent doch noch durchzusetzen.

ISCO gewinnt ihre Stammzellen aus unbefruchteten Eizellen, die durch chemische, mechanische oder elektrische Stimulation zur Teilung angeregt werden. Weil den Zellen das männliche Erbgut fehlt, können sie sich derzeit aber nicht zu einem Menschen entwickeln.

Die gewonnen Stammzellen werden genutzt, um Gewebe zu züchten oder zur Erforschung von Gentherapien. ISCO ist auf die Entwicklung von neuen Therapieverfahren für schwere Krankheiten wie Parkinson spezialisiert.

Potenzial zur Menschwerdung entscheidend

Bereits im Juli hatte der Generalanwalt des EuGH Cruz Villalón in einem Gutachten dafür plädiert, das Patent für die Herstellung der Stammzellen aus sich teilenden, unbefruchteten Eizellen zu erlauben. Aus seiner Sicht könne eine Eizelle, die ohne Befruchtung zur Weiterentwicklung angeregt worden ist, und die nicht fähig ist, sich zu einem Menschen zu entwickeln, nicht als menschlicher Embryo angesehen werden.

Zuvor war ISCO das Patent aufgrund eines Urteils von 2011 verwehrt worden. Damals hatte der EuGH in einem Streit zwischen Oliver Brüstle, der in Bonn an Stammzellen forscht, und Greenpeace festgelegt, dass embryonale Stammzellen nur dann patentiert werden dürfen, wenn für ihre Entwicklung keine Embryonen getötet werden müssen. Die Richter betrachteten damals auch sich teilende unbefruchtete Eizellen als Embryo. Das hat sich nun geändert.

Grundsätzlich sind Teile des menschlichen Körpers in der Europäischen Union nicht patentierbar. Für Stammzellen, die im Labor gezüchtet werden, gibt es jedoch Ausnahmen. Laut EuGH müssen britische Gerichte nun entscheiden, ob die Organismen, die ISCO patentieren möchte, tatsächlich nicht die Fähigkeit haben, sich zu einem Menschen zu entwickeln.

jme/dpa/AFP

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insgesamt 21 Beiträge
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    Seite 1    
1. Klonverbot
Emil Peisker 18.12.2014
Aus Zellen eines Lebewesens kann ohne die Verwendung einer Befruchtung ein Klon erstellt werden. Mit diesem Urteil ist die Herstellung von Klonen nicht mehr ausgeschlossen. Die nationalen Gesetze zu Klonverboten müssen also auf Gültigkeit überprüft werden. Sehr zweischneidig, zumal das Klonverbot in Europa auch schon löchrig ist.
2. Jetzt wird richtig teuer ......
ossimann 18.12.2014
Die ewig "Hüter" des heiligen Grahl Eizelle und des mittelalterlichen Glaubens haben es jetzt geschafft das künftige Therapien von schweren Erkrankungen richtig teuer wird und vielen wohl unbezahlbar wird . Schon die Diskussion um die Stammzelle und den Beginn des Lebens war eine Profilierungsshow von Politikern um ihre "Menschlichkeit" zu demonstrieren . Während man im Parlament die Stammzelltherapie als Massenmord an werdenden Leben verteufelt , verhüten gleichzeitig viele Frauen mit Spirale . Auch bei dieser Verhütungsform wird das Ei befruchtet , wird aber nie sich in der Gebärmutter entwickeln können und schliesslich verfallen . Bleibt die Frage ist etwas zur Geburtenkontrolle erlaubt was für die Heilung von schwerer Erkrankung Teufelswerk ist ? Jetzt wird ebend durch Kunstgriffe dieses Verbot umgangen und patentiert , alle darauf folgende Schritte und Verfahren ebenfalls . Die den Fortschritt abgewandten Politiker werden wohl ihre Doppelmoral über Bord werfen und nun sehen müssen das die neuen Entwicklungen zu einer bezahlbaren Therapie führen . Vielleicht hat diese Entscheidung einen positiven Einfluss auf den Forschungsstandort Deutschland denn viele Experten sind wegen den "Mittelalter" hierzulande in die USA , Israel , GB & Co. abgewandert um ihre Forschung betreiben zu können .
3. Clown-Verbot
cassandros 18.12.2014
Zitat von Emil PeiskerAus Zellen eines Lebewesens kann ohne die Verwendung einer Befruchtung ein Klon erstellt werden. Mit diesem Urteil ist die Herstellung von Klonen nicht mehr ausgeschlossen. Die nationalen Gesetze zu Klonverboten müssen also auf Gültigkeit überprüft werden. Sehr zweischneidig, zumal das Klonverbot in Europa auch schon löchrig ist.
Ja. Seit es ein-eiige Zwillinge gibt, wird das unterlaufen! Hier geht es aber spezifisch um haploide (!) Ooocyten. Die entwickeln sich nicht zu einem Menschen!! (Steht übrigens auch deutlich so in der Meldung.)
4. Himmel, wann haben Sie zuletzt Biologieunterricht gehabt?
wdiwdi 18.12.2014
Zitat von Emil PeiskerAus Zellen eines Lebewesens kann ohne die Verwendung einer Befruchtung ein Klon erstellt werden. Mit diesem Urteil ist die Herstellung von Klonen nicht mehr ausgeschlossen. Die nationalen Gesetze zu Klonverboten müssen also auf Gültigkeit überprüft werden. Sehr zweischneidig, zumal das Klonverbot in Europa auch schon löchrig ist.
Unbefruchtete Eizellen und nur darauf bezieht sich das Urteil, sind haploid und damit die *einzigen* Zellen eines weiblichen Organismus, aus denen man *keinen* Klon des Spenderorganismus herstellen kann.
5. pfui!
ambulans 18.12.2014
dieses urteil des EuGH ist eine schande - und vollkommen neben der sache: "nur, wenn sich aus den benutzten stammzellen ein mensch entwickeln kann, greift der schutz des 'EU-weiten klon-verbots'"? zeigt mir doch, bittschön, >richter, die wirklich & ernsthaft verstehen, um was es hier eigentlich geht. gewisse "gestaltungs-erlaubnisse" von seiten der juristerei hatten wir doch schon einmal, oder?
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