US-Kliniken 237.420 vermeidbare Todesfälle in drei Jahren

Für Krankenhaus-Patienten in den USA kann Überleben Glückssache sein. Eine Studie hat jetzt ergeben, dass die Sterberate in den besten Kliniken des Landes um 70 Prozent niedriger ist als in den schlechtesten. Binnen drei Jahren habe es fast 240.000 unnötige Todesfälle gegeben.


Der Tod von Esmin Green war so tragisch wie skandalös: 24 Stunden hatte die 49-Jährige im Warteraum eines New Yorker Krankenhauses verbracht. Dann rutschte sie vom Stuhl, krümmte sich auf dem Boden und starb - unter den Augen von Pflegern und anderen Patienten, aufgezeichnet von einer Überwachungskamera. Der Fall sorgte im Juli in den USA für eine emotionale Debatte. Doch glaubt man einer aktuellen Untersuchung über die Qualität der US-Kliniken, ist er nur ein besonders spektakuläres Beispiel für Tausende vermeidbare Todesfälle, die es nie in die Medien schaffen.

Leiche im Krankenhaus: Forscher zählen Hunderttausende vermeidbare Todesfälle in US-Kliniken
AP

Leiche im Krankenhaus: Forscher zählen Hunderttausende vermeidbare Todesfälle in US-Kliniken

Im Rahmen einer Qualitätsstudie hat die unabhängige Organisation HealthGrades die Krankenakten von 41 Millionen Patienten aus 5000 Kliniken über einen Zeitraum von drei Jahren ausgewertet. 17 Krankheitsbilder und Therapien flossen in das Zahlenwerk ein. Das beeindruckende Resultat: In den besten Krankenhäusern der USA haben Patienten im Durchschnitt ein um 70 Prozent geringeres Todesrisiko als in den schlechtesten Kliniken. Selbst gemessen am landesweiten Durchschnitt sei die Chance, ein Krankenhaus der höchsten Kategorie lebend zu verlassen, um 50 Prozent höher.

Zwar sei die Sterberate von 2005 bis 2007 im landesweiten Durchschnitt um 14 Prozent gefallen, doch hätten die besten Krankenhäuser die Zahl der Todesfälle weit schneller reduzieren können. Wenn alle Kliniken auf dem Niveau der besten wären, so rechnen die Autoren der Studie vor, könnten 237.420 Menschen, die in den vergangenen drei Jahren gestorben sind, heute noch am Leben sein. Mehr als jeder zweite dieser "vermeidbaren Todesfälle" gehe auf lediglich vier Ursachen zurück: Blutvergiftung, Lungenentzündung, Herz- und Atemversagen. "In Fünf-Sterne-Kliniken werden Sie vielleicht nicht umgebracht", lautete die bitterböse Schlagzeile auf der Website des US-Magazins "LiveScience".

Die Studie enthält nicht nur die Sterberaten-Trends für die 50 einzelnen US-Bundesstaaten, sondern auch die Daten einzelner Hospitäler in den 15 größten Ballungsräumen der USA. "Jeder, der in ein Krankenhaus gehen möchte", riet HeathGrades-Chefmedizinerin Samantha Collier, "sollte unbedingt seine Hausaufgaben erledigen und das Qualitäts-Rating der Klinik in Erfahrung bringen." Der Rat wurde offenbar gehört: In den Stunden nach der Veröffentlichung der Studie war die HealthGrades-Website wegen Überlastung nicht mehr erreichbar.

mbe



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