US-Militärtechnik Hightech-Mobil soll Humvees ablösen

Weil bereits Hunderte US-Soldaten bei Anschlägen auf Humvees umgekommen sind, sucht die US-Armee nach sichereren Fahrzeugen. Ein jetzt vorgestelltes Konzeptauto setzt auf Hightech-Panzerung und Bordcomputer zur besseren Steuerung.


Ultra Armored Patrol: Leichter dank Hightech-Panzerung
U.S. Navy / John F. Williams

Ultra Armored Patrol: Leichter dank Hightech-Panzerung

24.000 Humvees hat die US-Armee in Afghanistan und im Irak im Einsatz. Die markanten Fahrzeuge, die inzwischen auch als Zivilvariante der Marke Hummer verkauft werden, haben jedoch einen schlechten Ruf: Von Haus aus fehlt den meisten Modellen eine wirksame Panzerung gegen Bombenanschläge und Beschuss. Ein Mangel mit tödlichen Folgen: Mehr als 350 US-Soldaten sind bereits in einem Humvee gestorben, nachdem dieser auf eine Bombe gefahren war oder angegriffen wurde.

Die eilig angeschobene Nachrüstung mit Panzerung raubte den Wagen teilweise ihre Geländegängigkeit, weil sie schlicht zu schwer wurden. Auch der Verschleiß am Fahrwerk nahm dadurch zu.

Humvees wurden in Zeiten des Kalten Krieges speziell für den Einsatz im Hinterland entwickelt - eine leichte Karosserie sollte die Fahrzeuge tauglich für das mitunter bergige Europa machen. Für Einsätze in Kriegsgebieten, das zeigen die Erfahrungen vor allem im Irak, sind Humvees jedoch kaum geeignet.

Ingenieure vom Georgia Tech Research Institute haben nun einen Protoypen vorgestellt, der - bis zur Serienreife weiterentwickelt -, vielleicht bald die Humvees ablösen könnte. Das Ultra AP (Ultra Armored Patrol) genannte Gefährt bietet Platz für vier Insassen. Die Fahrgastzelle ist mit einer mehrschichtigen Hightechpanzerung geschützt, die unter anderem aus Aluminium, Stahl und Kunststoffen besteht. Dies soll Gewicht sparen, um die Manövrierfähigkeit nicht einzuschränken.

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Bombensicher: Ultra Armored Patrol

Angetrieben wird das Mobil von einem Dieselmotor. On-Board-Computer sollen den Fahrer beim Fahren unterstützen und das Zusammenwirken von Federung, Bremsen und Lenkung optimieren, so dass der Wagen auch in schwierigen Situationen in der Spur bleibt. Die Karosserie ist so konzipiert, dass der Ultra AP auch einen Überschlag vergleichsweise unbeschadet übersteht.

"Wir wünschten, wir hätten dieses Fahrzeug schon jetzt", sagte ein US-Offizier der Zeitung "USA Today". Ab 2008 könnte der Ultra AP schrittweise die Humvees ablösen. Die Militärs fordern nicht nur besseren Schutz für die Insassen, auch ein deutlich geringerer Spritverbrauch steht auf ihrer Wunschliste. Zudem muss die Bordelektrik den Anforderungen des Computerzeitalters angepasst werden.

Blindfahrt durch die Wüste

Parallel zur Entwicklung eines Humvee-Nachfolgers denkt man beim US-Militär auch über unbemannte Fahrzeuge nach, die besonders gefährliche Missionen übernehmen könnten. Bereits zum zweiten Mal schickt das Pentagon deshalb Roboterautos zu einem Wettrennen in die Wüste. Zwei Millionen Dollar Siegprämie wurden ausgelobt. 20 unbemannte Fahrzeuge sollen am 8. Oktober in Primm im US-Staat Nevada zu einer Fahrt von 240 Kilometern Länge starten.

Ein hochgestecktes Ziel: Bei der ersten Wettfahrt vor einem Jahr schaffte das beste Fahrzeug, ein zum Roboter umgebauter Geländewagen der US-Streitkräfte, gerade mal zwölf Kilometer, bevor es vom Kurs abkam. Das Preisgeld von damals einer Million Dollar wurde daraufhin einbehalten.

Veranstaltet wird das Roboter-Rennen von der Pentagon-Abteilung für Forschung und Entwicklung, Darpa. Die teilnehmenden Fahrzeuge müssen ohne menschliche Hilfe durch einen Hindernisparcours manövrieren, dazu werden Satellitennavigationssysteme, Sensoren, Radar und Kameras eingesetzt. Ein erster Auswahlwettbewerb ist Ende September geplant.

Das US-Verteidigungsministerium hofft, dass schon in zehn Jahren ein Drittel aller Militärfahrzeuge ohne Besatzung auskommen werden.



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