US-Studie Lockstoff macht Frauen attraktiver

Zwei Forscherinnen wollen die Wirkung eines synthetischen Lockstoffs bewiesen haben: Mit dem Pheromon-Parfüm konnten Frauen demnach ihren sexuellen Erfolg deutlich steigern.


Mit Locksubstanzen parfümierte Frauen wirken auf Männer umwerfend, wollen zwei US-Psychologinnen herausgefunden haben. Wie sie in der Fachzeitschrift "Physiology & Behaviour" berichten, konnten weibliche Testpersonen, die unter ihr Duftwasser ein im Handel erhältliches "synthetisches Pheromon" gemischt hatten, deutlich mehr sexuelle Erlebnisse verzeichnen. Andere Wissenschaftler sehen die Arbeit jedoch mit Skepsis.

Liebespaar: Mehr Sex dank synthetischer Lockstoffe?
DPA

Liebespaar: Mehr Sex dank synthetischer Lockstoffe?

Norma McCoy und Lisa Pitino von der San Francisco State University hatten für ihre Studie 36 Frauen verschiedener ethnischer Herkunft als Freiwillige gewonnen. Die unverheirateten Probandinnen waren 19 bis 48 Jahre alt, lebten zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht mit einem festen Partner zusammen und nahmen keine Antibabypille.

Die Frauen erhielten ein Fläschchen, in dem sich entweder der geruchslose Lockstoff befand oder eine wirkungslose Flüssigkeit. Den Inhalt gaben sie zu ihrem normalen Parfüm, das sie regelmäßig auftragen sollten. Außerdem wurden die Teilnehmerinnen aufgefordert, 14 Wochen lang ihr "soziosexuelles Verhalten" zu protokollieren - zu den gezählten Vorkommnissen gehörten etwa Annäherungsversuche von Männern, Verabredungen, Küsse, Petting und Sex.

Von den Frauen mit Pheromon-Parfüm, so die Forscherinnen, registrierten 74 Prozent einen Anstieg in mindestens drei der Kategorien, zu denen häufig auch der Geschlechtsverkehr zählte. In der Gruppe der Probandinnen, die den Lockstoff nicht aufgetragen hatten, berichteten nur 23 Prozent von einer ähnlichen Steigerung, die sich aber zumeist auf weniger intimen Gebiet abspielte.

McCoy und Pitino folgern daraus, dass der chemische Duftzusatz die Frauen attraktiver für Männer machte. Eine andere Erklärung, dass nämlich die Probandinnen selbst der Wirkung des Lockstoffs erlagen, schließen die Forscherinnen aus: Die Frequenz der Selbstbefriedigung, die ebenfalls penibel vermerkt wurde, war nicht merkbar gestiegen.

Pheromone sind Duftstoffe, die von Tieren ausgeschieden werden, um das Verhalten von potenziellen Partnern zu beeinflussen. Solche Substanzen haben zum Beispiel eine wichtige Funktion bei der Paarung von Insekten, ihre Rolle im menschlichen Liebesleben ist jedoch unter Wissenschaftlern umstritten.

Die Forscherinnen der San Francisco State University nutzten für ihre Untersuchung ein synthetisches Produkt mit dem Handelsnamen "Athena Pheromone 10:13", das vom Athena Institute in Chester Springs, Pennsylvania, verkauft wird. Die genaue Zusammensetzung hält der Hersteller jedoch geheim. Gründerin des Instituts ist die Biologin Winnifred Cutler, mit der McCoy bereits zusammengearbeitet hat. McCoy und Pitino beteuern allerdings, dass ihre Studie völlig unabhängig sei.

Andere Forscher sind von der Pheromon-Arbeit nicht unbedingt begeistert: "Ich habe bei dieser mysteriösen Chemikalie meine Bedenken", sagte George Preti vom Monell Chemical Senses Center in Philadelphia dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist". Der Experte hatte 1986 zusammen mit Cutler eine Aufsehen erregende Studie über die Wirkung der im menschlichen Schweiß enthaltenen Pheromone veröffentlicht.

Preti ist jedoch nicht davon überzeugt, dass seine Kollegin seither die Schlüsselsubstanz in völliger Reinheit synthetisiert hat. Auch die richtige Dosierung könnte Probleme bereiten, warnt der Chemiker: Bei zu freimütiger Anwendung, so seine Einschätzung, "wird man vielleicht nicht mögen, was mit einem passiert."



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.