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USA: Brisante Daten aus Atomlabor verschwunden

Aus einem der wichtigsten Waffenlabors der USA sind brisante Daten verschwunden. Das Los Alamos National Laboratory, wo unter anderem die erste Atombombe entstand, hat daraufhin die Arbeit an Geheimprojekten eingestellt.

Los Alamos National Laboratory: Datenträger mit Geheiminformationen verschwunden
AFP

Los Alamos National Laboratory: Datenträger mit Geheiminformationen verschwunden

Die Alarmglocken schrillten bereits am 7. Juli: Bei einer Inventur fiel auf, dass im Los Alamos National Laboratory zwei Datenträger fehlten. Die Leiter des Labors, das zu den wichtigsten Einrichtungen für Atomwaffenforschung und -sicherheit in den USA zählt, traten die Flucht nach vorn an: Auf einer Pressekonferenz gab Direktor Pete Nanos den Verlust der beiden Datenträger zu - verriet aber nicht, welche Art von Informationen sich auf ihnen befand.

Dass es sich um brisante Daten handelt, dürfte indes feststehen: Die vorübergehende Einstellung aller geheimen Projekte in Los Alamos gilt als außergewöhnlicher Vorgang. Zudem verweigerte das Labor nähere Angaben über die vermissten Datenträger unter Verweis auf die nationale Sicherheit. Man wisse derzeit noch nicht einmal, ob sie überhaupt gestohlen wurden oder sich vielleicht noch innerhalb des Labors befinden, sagte ein Mitarbeiter der Forschungseinrichtung, die sich über rund 100 Quadratkilometer erstreckt und 12.000 Menschen beschäftigt.

"Bis wird das Problem im Griff haben, werden alle Arbeiten im Zusammenhang mit geheimen Materialien ausgesetzt", sagte Gerald Parsky von der University of California, die das Labor leitet. "Diese Lücken in der nationalen Sicherheit werden nicht toleriert." Los-Alamos-Sprecher Kevin Roark sagte, dass für "weniger als 20 Mitarbeiter" während der Nachforschungen der Zugang zum Labor gesperrt sei.

Feuergefahr: Vor vier Jahren wurde das Los-Alamos-Labor zuletzt geschlossen - wegen eines Waldbrandes
REUTERS

Feuergefahr: Vor vier Jahren wurde das Los-Alamos-Labor zuletzt geschlossen - wegen eines Waldbrandes

"In der Vergangenheit waren ähnliche Vorfälle nur im Zusammenhang mit Inventurfehlern und Ähnlichem aufgetreten", sagte Labordirektor Nanos. Dieses Mal aber gebe es "klare Hinweise", dass grundlegende Sicherheitsregeln missachtet worden seien. Nach Angaben von Robert Dynes, dem Präsidenten der University of California, werden die Ergebnisse der Ermittlungen geheim gehalten. "Wenn man plötzlich der ganzen Welt erzählte, dass diese Daten herausgesickert sind, würde man eine Schatzsuche auslösen." Daran aber sei man "nicht interessiert". "Wir müssen die Sicherheit unseres Landes schützen", betonte Dynes.

Die verschwundenen Datenträger markieren den bisherigen Höhepunkt in einer ganzen Serie peinlicher Zwischenfälle in Los Alamos. Erst im vergangenen Monat waren mehrere Schlüssel zu einem sensiblen Nuklearforschungsbereich kurzzeitig verschwunden. Vor vier Jahren gestand der taiwanesisch-amerikanische Wissenschaftler Wen Ho Lee vor Gericht, geheime Daten über Atomwaffen auf einen nicht gesicherten Computer heruntergeladen zu haben.

Im April sorgte ein Bericht des für Atomenergie zuständigen US-Energieministeriums für Wirbel, der scharfe Kritik an den mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen in den amerikanischen Waffenlabors übte. Fachleute des Ministeriums schätzten, dass ein Terroristen-Team innerhalb weniger Minuten in ein Atomwaffenlabor eindringen und eine Kernwaffe mit einer Sprengkraft von einer Kilotonne TNT zur Explosion bringen könnte - was angesichts der stadtnahen Lage vieler der Laboratorien Zehntausende Todesopfer bedeuten könne.

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