Auswertung in den USA Laxere Waffengesetze, mehr Massaker

Gibt es strenge Gesetze für Waffen, sind Massenschießereien seltener. Forscher in den USA haben nun untersucht, wie groß der Effekt ist.

Evakuierung beim Massaker an der Stoneman Douglas High School in Parkland im Februar 2018
TNS via Getty Images

Evakuierung beim Massaker an der Stoneman Douglas High School in Parkland im Februar 2018


Was intuitiv einleuchtet, ist nun auch wissenschaftlich belegt: In US-Bundesstaaten mit laxeren Waffengesetzen kommt es häufiger zu Schießereien mit mehreren Toten als in Staaten mit schärferen Gesetzen. Auch der Anteil an Waffenbesitzern in einem Staat steht mit der Zahl solcher Ereignisse im Zusammenhang, berichten Forscher um Charles Branas von der Columbia University in New York im "British Medical Journal".

Dass in Bundesstaaten mit freizügigeren Waffengesetzen und einem höheren Anteil an Waffenbesitzern mehr Morde und Suizide mit Waffen verübt werden als in Staaten mit strengeren Gesetzen, war bereits aus früheren Untersuchungen bekannt. Delikte, bei denen eine Person vier oder mehr Menschen erschießt, seien bisher nicht in gleicher Weise untersucht worden, schreiben die Forscher um Branas. Dies holten sie nun nach.

Basis der Studie waren Angaben aus einem Jahrbuch für Waffenbesitzer. Darin erläutern Juristen anhand von 13 Kriterien unter anderem, wie restriktiv oder freizügig einzelne US-Staaten ihre Waffengesetze gestaltet haben. Betrachtet wird, unter welchen Bedingungen der Besitz von Schusswaffen genehmigt wird und an welchen Orten diese erlaubt sind.

Die Staaten sind auf einer Skala von null - sehr restriktiv - bis 100 - sehr freizügig - bewertet. Im untersuchten Zeitraum von 1998 bis 2015 hatte Massachusetts das schärfste und Vermont das laxeste Waffengesetz.

344 Schießereien mit mehreren Toten in 16 Jahren

Die Forscher korrelierten diese Daten mit Angaben der Bundespolizei FBI zu größeren Vorfällen mit Schusswaffen: Demnach gab es zwischen 1998 und 2014 in den USA 344 Schießereien mit mehreren Toten. Auch mögliche andere Einflussfaktoren, wie durchschnittliches Einkommen, Bildungsniveau oder Arbeitslosenraten, berücksichtigten die Forscher in ihrer Auswertung.

Die Analyse zeigte, in welchem Ausmaß die Zahl der Delikte mit lascheren Waffengesetzen zunahm. Wenn auf der Jahrbuch-Skala ein Staat um zehn Einheiten freizügiger beim Waffengesetz war, stieg die Rate der Vorfälle im Durchschnitt um 11,5 Prozent. In einem Staat wie Kalifornien, in dem es statistisch gesehen zu zehn solchen Vorfällen in fünf Jahren kommt, gäbe es im gleichen Zeitraum also ein zusätzliches Ereignis.

Noch klarer war aber ein anderer Zusammenhang: Stieg die Zahl der Waffenbesitzer in einem Staat um zehn Prozent, erhöhte sich die Zahl der untersuchten schweren Vorfälle um 35 Prozent. Da es keine umfassenden Statistiken zum Waffenbesitz in den USA gibt, nahmen die Forscher die Zahl der Selbsttötungen mit Waffen als Indikator für den Anteil an Waffenbesitzern. Dies habe sich bei früheren Studien als aussagekräftig erwiesen.

Schießereien mit mehreren Toten werden häufiger

Seit 2010 nehmen Gewaltereignisse mit mehreren Toten in Staaten mit freizügigen Waffengesetzen zu und in Staaten mit restriktiveren Gesetzen ab, fanden die Wissenschaftler weiter.

"Unsere Analysen zeigen, dass US-Waffengesetze in den letzten Jahrzehnten freizügiger geworden sind und dass sich in Bezug auf die Zahl von Schießereien mit mehreren Toten eine wachsende Kluft zwischen restriktiven und freizügigen Staaten abzeichnet", so die Wissenschaftler.

Die Hoffnungen, dass es bald einheitlich strengere Gesetzte gibt, sind gering. Nachdem im Februar 2018 in Parkland in Florida ein 19-Jähriger in einer Schule 17 Menschen erschossen hatte, versprachen viele Politiker schärfere Waffengesetze. Auch Präsident Donald Trump setzte sich kurz dafür ein, stellte sich aber bald wieder hinter die National Rifle Association (NRA). Die Waffenlobby klagt immer wieder vor Gericht, wenn Gesetze verschärft werden.

jme/dpa



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