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USA: Schöpfungsmuseum eröffnet - Wissenschaftler protestieren

Christliche Fundamentalisten haben in den USA ein Museum eröffnet, das die biblische Schöpfungsgeschichte nach ihrer Auffassung wissenschaftlich darstellt. Tausende Forscher hatten zuvor vergeblich gegen die Einrichtung protestiert.

Auf den ersten Blick erscheint das Creation Museum in Petersburg bei Cincinnati wie ein Naturkundemuseum: hier ein paar Sauriermodelle, dort Abbildungen exotischer Pflanzen. Nur Hinweise auf Darwin und die Entstehung der Arten, wie sie der Begründer der Evolutionstheorie beschrieben hatte, sucht man vergebens. Stattdessen trifft der Besucher auf Figuren wie Adam und Eva. Oder Kain, der sich - elektronisch gesteuert - über seinen gerade erschlagenen Bruder Abel beugt. Andere Figuren in Lebensgröße sägen und hämmern an der Arche Noah, und Methusalem ruft mit warnender Stimme: "Mit jedem Tag rückt das jüngste Gericht näher."

Das Creation Museum zeigt auf mehr als 5000 Quadratmetern, wie die Erde der Bibel zufolge in sechs Tagen geschaffen wurde. Das Weltall ist lediglich rund 6000 Jahre alt - so lautet eine der zentralen These. Geologische Formationen wie der Grand Canyon in Arizona seien binnen weniger Monate von der Flut geschaffen worden, mit der Gott die Menschen für ihre Sünden bestraft habe.

Das Museum behauptet sogar, dass Adam und Eva bis zum verhängnisvollen Biss in den Apfel mit friedlich pflanzenfressenden Tyrannosaurus-rex-Dinosauriern Seite an Seite im Garten Eden lebten. Dabei handelte es sich beim Tyrannosaurus rex nach Erkenntnis von Paläontologen um einen gefährlichen Fleischfresser. Er ist außerdem bereits 65 Millionen Jahre vor "Adam und Eva" durch klimatische Veränderungen - vermutlich nach einem Meteoriteneinschlag - von der Erde verschwunden und kommt in der Bibel gar nicht vor.

Doch für den Museumsdirektor Ken Ham zählen solche Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaft nicht. Im Gegenteil: Das ausschließlich durch Spenden finanzierte Museum weise die Schöpfungsgeschichte "wissenschaftlich" nach, erklärte er.

Die gestrige Eröffnung des Kreationisten-Museums provozierte teils heftigen Widerspruch - nicht nur unter Forschern. Dutzende Verfassungsverfechter protestierten vor dem Gebäude und verurteilten den Inhalt der Ausstellung als "Lüge". Die Zeitung "Los Angeles Times" spottete, dass das Museum Theorien als "Wissenschaft" präsentiere, die zur Zeit von Kolumbus populär waren.

Das National Center for Science Education der USA nannte das Museum ein "Disneyland für Kreationisten". Ein Vergleich, der sich geradezu aufdrängt, denn die Ausstellung entstand unter der kreativen Federführung des Designers Patrick Marsh, der in Floridas Universal Studios die Attraktionen zu den Kinohits "Jaws" ("Der weiße Hai") und "King Kong" entworfen hatte.

hda/dpa

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