USA Stammzellforscher dürfen wieder Staatsgelder bekommen

Acht Jahre dauert die Zwangspause - jetzt darf die Forschung mit embryonalen Stammzellen in den USA wieder staatlich gefördert werden. 13 Zelllinien sind von den Behörden dafür freigegeben worden. Damit ist der im März angekündigte Kurswechsel von Präsident Obama vollzogen.

Stammzellen im Behälter: Gesetzeslockerung in den USA
AP

Stammzellen im Behälter: Gesetzeslockerung in den USA


Washington - Unter Präsident George W. Bush war die staatliche Förderung der Forschung an embryonalen Stammzellen tabu. Wenn schon menschliche Embryonen für die Wissenschaft benutzt werden, so das Argument von Bush und vieler seiner religiös-konservativen Anhänger, dann zumindest nicht mit Hilfe von Steuergeldern.

Bushs Nachfolger Obama hatte die im Jahr 2001 verfügte Beschränkung außer Kraft gesetzt. Am Mittwoch haben die US-Behörden nun mitgeteilt, dass sie die Nutzung von 13 Linien embryonaler Stammzellen freigegeben haben. Diese Zellen seien nach einem "ethisch erprobten Verfahren" gewonnen worden, sagte der Direktor der US-Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH).

Zu einer Stammzellenlinie zählen alle künstlich im Reagenzglas gezüchteten Zellen, die denselben Ursprung haben. Die Vermehrung von Stammzellen im Labor hat den Vorteil, dass Experimente zu verschiedenen Zeitpunkten und an verschiedenen Orten an identischem Erbmaterial vorgenommen werden können.

Es sei das Ziel der USA, auf diesem vielversprechenden Forschungsfeld die Führungsrolle zu übernehmen, hatte Obama im Frühjahr gesagt. Als gläubiger Christ sei er aufgerufen, leidenden Menschen zu helfen. Die Forschung an embryonalen Stammzellen könne zu Durchbrüchen im Kampf gegen Krankheiten wie Parkinson und Diabetes führen.

George W. Bush hingegen hatte in seiner Amtszeit wegen ethischer Bedenken sowie aus Rücksicht auf die religiösen Rechte eine staatliche Unterstützung für solche Forschungsprojekte untersagt, die neue embryonale Stammzellen von Menschen verwenden. Die Nutzung embryonaler Stammzellen ist besonders umstritten, weil dazu Zellen aus Embryonen entnommen werden, die künstlich erzeugt, dann aber keiner Frau eingepflanzt wurden. Bushs Auffassung nach würde dadurch menschliches Leben vernichtet. Er hatte lediglich die Finanzierung für Projekte erlaubt, bei denen bereits bestehende embryonale Stammzellen verwendet werden.

cib/dpa/AFP



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