Varusschlacht Archäologen finden Lager des Römer-Feldherren

Die Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus war ein blutiges Gemetzel. Nun haben Archäologen das Lager gefunden, in dem der unglückliche römische Feldherr Varus die Nacht vor seiner entscheidenden Niederlage gegen die Germanen verbracht haben soll.


Porta Westfalica - Wo genau der römische Feldherr Varus sein Ende fand, darüber streiten die Gelehrten noch. Wo er aber herkam, auf dem Weg in die Falle, die ihm und seinen Legionen die Germanen vor fast 2000 Jahren stellten - das können die Experten nun erstmals genauer sagen.

Denn in Porta Westfalica bei Minden sind Archäologen einem römischen Lager auf der Spur. Dort habe Varus wahrscheinlich "im Jahr 9 residiert, bevor er in die Schlacht gezogen ist", sagte Daniel Bérenger, Vize-Chefarchäologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Die Fundstelle in einem Ortsteil von Porta Westfalica passe zu den historischen Quellen, bestätigte Thomas Otten, Referatsleiter Bodendenkmalpflege und Bodendenkmalschutz im Düsseldorfer Bauministerium. Die Distanz sowohl zu den Lippelagern wie Haltern als auch nach Kalkriese bei Osnabrück sei plausibel. Kalkriese, ein kleines Örtchen nördlich von Osnabrück gilt als wahrscheinlichster Schauplatz der Varusschlacht.

Der neue Fundort lasse "in Qualität und Dichte einiges erwarten ", sagte Otten. Bei ersten Grabungen wurden Münzen, eine Gewandspange, Sandalennägel und ein römischer Mühlstein gefunden. Vor allem das Mühlsteinfragment belege, dass es sich um ein römisches Lager handeln müsse, erklärte Bettina Tremmel, LWL-Expertin für römische Archäologie. Außerdem seien Bleilote gefunden worden, die zum Vermessen und Anlegen römischer Lager dienten.

Die Experten datierten die Funde anhand des Vergleichs mit Funden aus den Lippelagern auf das erste Jahrzehnt nach Christus. Eine römische Goldmünze sei schon 1950 gefunden worden - nur 150 Meter von der Grabungsstätte entfernt. Und die Region sei schon früher als Ort des Sommerlagers der Römer unter Varus im Gespräch gewesen, sagte Otten mit Blick auf Minden und Hameln.

Ehrenamtliche Helfer mit Metallsonden - und Suchgenehmigung - machten im Juli die ersten Entdeckungen auf dem Baugebiet. Sie fanden vor allem Münzen. Eine Fläche von vier Hektar nahmen sich die Forscher vor, das gesamte Lager habe aber mindestens eine Fläche von 16 Hektar gehabt. Der Großteil sei also längst überbaut. Zwar sind die Bauherren nach Angaben der Stadt kooperativ, dennoch müssen sich die Archäologen beeilen. In diesem Jahr soll eine Fläche von 2000 Quadratmetern unter die Lupe genommen werden, 2009 soll es deutlich schneller gehen.

Thomas Strünkelnberg, dpa



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