Mangelhafte Restaurierung Der zweite Untergang von Pompeji

Die antike Ruinenstadt Pompeji in Süditalien verfällt trotz aufwendiger Sanierungsarbeiten. Erneut sind mehrere Wände eingestürzt. Die Lage sei dramatisch, warnt ein Architekt - Ursache sei die schlechte Verwaltung des Unesco-Kulturerbes.

AFP

Rom/Neapel - Italienische Experten schlagen wegen Schäden in der Ruinenstadt Pompeji Alarm: Nur kurz nach der Restaurierung stürzte die Wand eines historischen Geschäfts unter dem Gewicht einer weiteren eingestürzten Wand ein, wie die Behörden am Montag mitteilten.

Erst am Sonntag waren Steine aus einem Bogengang des Venus-Tempels herabgefallen und eine weitere Mauer in der Nekropolis umgestürzt. Die Lage in der vor rund 2000 Jahren vom Vesuv zerstörten Stadt sei "dramatisch", erklärte Antonio Irlando, Architekt von der Beobachtungsstelle für das Kulturerbe.

Er machte eine schlechte Verwaltung der bedeutenden archäologischen Stätte verantwortlich. Es gebe ein "beispielloses Vakuum" im Management von Pompeji. Und für jeden gemeldeten Schaden gebe es neun weitere, die es nicht in die Nachrichten schafften, sagte Irlando. Kulturminister Dario Franceschini berief eine Sondersitzung ein, um die Schäden zu bewerten.

Verstrickt mit der Mafia

Im vergangenen Jahr hatten Restauratoren mit Arbeiten an dem Unesco-Welterbe begonnen, 105 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. 42 Millionen Euro davon steuert die EU bei. Allerdings ist die Restaurierung wegen bürokratischer Hürden schon deutlich in Verzug geraten. Das Projekt gilt als entscheidend, um Pompeji zu erhalten.

Zuvor war jahrelang nur wenig Geld für den Erhalt ausgegeben worden. Verstrickungen beteiligter Firmen mit der Mafia hatten die Restaurierung immer wieder verzögert. Eine schwere Hypothek waren zudem noch nicht aufgearbeitete Betrugsskandale. Gegen einen früheren Manager wurden Ermittlungen eingeleitet, weil er eine Firma angeheuert haben soll, die Theateraufführungen organisierte, anstatt sich um die Restaurierung zu kümmern.

Jahr für Jahr besuchen Millionen von Touristen das 66 Hektar große Gelände. Die Stadt war bei einem Ausbruch des Vulkans Vesuv im Jahr 79 verschüttet worden. Tausende Menschen wurden getötet, der Ort unter einer meterhohen Ascheschicht begraben und so für Jahrhunderte konserviert. Erst im Jahr 1748 wurde das antike Pompeji wiederentdeckt.

hda/AFP

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jayram 03.03.2014
1. Wieder zuschütten
wäre das Beste, eigentlich schade, aber so bleibt Pompeji wenigstens erhalten. Die schönsten Stücke sind sowieso in Museen zu besichtigen und zur Not könnte man ja ein Pompeji-Land nachbauen.
Anay2 03.03.2014
2. Nur Erhalt bringt's auch nicht
Zitat von sysopAFPDie antike Ruinenstadt Pompeji in Süditalien verfällt trotz aufwendiger Sanierungsarbeiten. Erneut sind mehrere Wände eingestürzt. Die Lage sei dramatisch, warnt ein Architekt - Ursache sei die schlechte Verwaltung des Unesco-Kulturerbes http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/verfallende-ruinenstadt-mauern-in-pompeji-eingestuerzt-a-956679.html
Nur Geld in den Erhalt zu stecken bringt's auch nicht. Sieht man an Herculaneum. Da geht's nur noch um Erhalt, Sicherung, Grundwasserschutz usw., dabei wären Ausgrabungen und Erschließungen extrem wichtig. Allein die lateinische Bibliothek in der Villa dei Papiri wäre das Geld wert. Und das Geld ist eigentlich da, aber leider ist es eine politische Entscheidung, es gerade *nicht* für Wissenschaft auszugeben. Das finde ich fast noch tragischer. Aber so ist es heute halt: Wissen? Neugier? Fortschritt? Unwichtig. Stattdessen UNESCO, Konservierung, Musealisierung, Tourismus und der ganze korrupte Rattenschwanz.
Gluehweintrinker 03.03.2014
3. Wer hält wohl hier die Hände auf?
Nun, man muss sich klarmachen, dass dieses Kleinod in der Nähe von Neapel liegt und wenn man weiß, wer in Süditalien die Strippen zieht, dann wird einem auch ganz schnell klar, in wessen Taschen die Gelder verschwinden, welche für die Instandhaltung von Pompeji vorgesehen sind. Es sollte uns eher wundern, wenn die Instandhaltung funktionieren würde.
ariovist1966 03.03.2014
4. Lauf der Welt
Zitat von jayramwäre das Beste, eigentlich schade, aber so bleibt Pompeji wenigstens erhalten. Die schönsten Stücke sind sowieso in Museen zu besichtigen und zur Not könnte man ja ein Pompeji-Land nachbauen.
Wozu zuschütten? Letztlich vergeht alles, auch die Ruinen vom Pompeji. Oder wollen Sie den Genuss des "offenen" Pompejis anderen Generationen gönnen. Wichtig ist allerdings, möglichst viele Daten für die Wissenschaft zu retten.
only_for_test 03.03.2014
5. Geld sinnvoller investieren
Einfach verfallen lassen und das Geld lieber in Bildung, Nahrung u.s.w. in Ländern investieren, die es wirklich nötig haben. Die Ruinen von Pompeji nutzen keinem Menschen auch nur irgendetwas, ausser den Professoren, die da mit dem Pinsel Staub weg putzen und dafür einen Haufen Geld bekommen
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