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Vergiftungssymptome bei Ratten: Genmais angeblich nicht unbedenklich

Französische Wissenschaftler haben nach eigenen Angaben erstmals ein Gesundheitsrisiko bei Genmais nachgewiesen: Ratten hätten Schäden an Leber und Nieren gezeigt. Der Hersteller der Maissorte weist die Darstellung zurück.

Schon seit Jahren kämpft Greenpeace gegen Gentechnik-Produkte. Insbesondere der seit Januar 2006 in Europa zugelassene Genmais MON863 ist den Umweltschützern ein Dorn im Auge. Schon während des Zulassungsverfahrens warf Greenpeace dem Hersteller Monsanto vor, eine Studie mit fehlerhafter Statistik erstellt zu haben, auf deren Basis die European Food Safety Authority über MON863 entscheiden musste.

Demonstration gegen Genmais(10.03.2007 in Niedermöllrich): "Der Mais muss sofort vom Markt genommen werden"
DPA

Demonstration gegen Genmais(10.03.2007 in Niedermöllrich): "Der Mais muss sofort vom Markt genommen werden"

Nun hat Greenpeace eine neue Analyse französischer Wissenschaftler publiziert, die sich die Monsanto-Daten noch einmal genau angeschaut hatten. Nach Auffassung der Umweltschützer belegt die neue Studie, dass diese Maissorte nicht als sicher eingestuft werden könne - und die bislang für die Marktzulassung notwendigen Tests nicht ausreichten.

In dem im Auftrag von Monsanto durchgeführten Tierversuch mit MON863 hätten die damit gefütterten Ratten Vergiftungssymptome und Schädigungen von Leber und Nieren aufgewiesen, sagte Gilles-Eric Séralini von der französischen Forschergruppe CRIIGEN am heutigen Dienstag in Berlin. Dies habe die erneute Durchsicht der umfangreichen Daten ergeben.

"Neben den Schäden an Leber und Nieren wurden auch die Gewichtsveränderungen der Tiere nicht ausreichend untersucht", erklärte er. Weitere wichtige Daten, beispielsweise über Veränderungen des Urins der Tiere im Vergleich zum Urin von Ratten, die mit konventionellem Mais gefüttert worden waren, habe Monsanto unter den Tisch fallen lassen.

Greenpeace hatte erfolgreich auf die Herausgabe der Tierversuchsdaten aus dem Jahr 2002 durch den Saatgutkonzern Monsanto geklagt. Der Genmais produziert ein Gift gegen den Schädling Maiswurzelbohrer und enthält auch ein Resistenzen für Antibiotika.

Greenpeace hofft, dass Bauern Alternativen suchen

Greenpeace sieht es nach der neuen Analyse als erwiesen an, dass von gentechnisch verändertem Mais ein potenzielles Gesundheitsrisiko ausgeht. "Der Mais muss sofort vom Markt genommen werden", forderte Greenpeace-Gentechnik-Experte Christoph Then. "Der Fall MON863 zeigt exemplarisch das Versagen der nationalen und europäischen Sicherheitskontrollen für Gen-Food auf", sagte er. Monsanto nutze die Schwächen des Systems gezielt, um sein Produkt zur Marktzulassung zu bringen.

Die Studie sei von unabhängigen Wissenschaftlern erstellt worden, betonte Then. Zudem habe die Arbeit einen Prüfungsprozess (Peer review) durchlaufen, sie werde in wenigen Tagen im Fachblatt "Archives of Environmental Contamination and Toxicology" erscheinen.

Andreas Thierfelder, Sprecher von Monsanto Deutschland, wies die Greenpeace-Darstellung zurück. "Die Vorwürfe sind nicht neu", sagte er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die von Monsanto erstellte Studie sei mehrfach überprüft worden, immer sei man zu dem Schluss gekommen, dass MON863 sicher sei. Die neue, heute publizierte Studie werde derzeit von den Toxikologen des Unternehmens geprüft.

MON863 wird in Deutschland bislang nur als Futtermittel genutzt, obwohl es auch als Lebensmittel zugelassen ist. Greenpeace-Experte Then rechnet nicht nur mit einer Reaktion der Behörden auf die neue Studie, sondern auch damit, dass der Markt reagiert: Bauern, die MON863 verfütterten, könnten sich nach Alternativen umsehen. Anfang Februar hatte die Umweltschutzorganisation eine Karte mit den Anbauflächen transgener Pflanzen in Deutschland veröffentlicht.

hda/dpa

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