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Verhaltensforschung: Geld macht nicht glücklich, aber der Gehaltsvergleich

Wären Sie zufrieden, wenn Ihr Gehalt auf eine Million Euro jährlich angehoben würde? Wahrscheinlich. Wären Sie es immer noch, wenn alle Ihre Kollegen zwei Millionen bekämen? Britische Forscher haben herausgefunden, dass mehr Gehalt alleine nicht glücklich macht - wohl aber eine höhere Position im Gehaltsgefüge.

Geld: Wichtig ist nicht die absolute Gehaltssumme, sondern der Vergleich mit anderen Zur Großansicht
dpa

Geld: Wichtig ist nicht die absolute Gehaltssumme, sondern der Vergleich mit anderen

Geld allein macht nicht glücklich. Diese alte Weisheit haben britische Forscher um Christopher Boyce von der University of Warwick nun wissenschaftlich bestätigen können. Demnach steigt die allgemeine Zufriedenheit eines Menschen nicht allein durch eine Gehaltserhöhung. Entscheidend ist, dass sich dadurch auch sein sozialer Rang verbessert. Menschen fühlen sich zufriedener, wenn sie durch eine Gehaltserhöhung andere Bezugspersonen wie Kollegen, Freunde oder Nachbarn überholen.

"In unserer Studie fanden wir heraus, dass man anhand des Gehaltsrangs einer Person am besten ihre allgemeine Lebenszufriedenheit voraussagen kann ", sagte Boyce. "Eine Million Pfund im Jahr zu verdienen, scheint einen nicht glücklich genug zu machen, wenn man zugleich weiß, dass alle Freunde zwei Millionen verdienen." Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Studie im Fachmagazin "Psychological Science".

Für ihre Untersuchung werteten die Forscher Daten des British Household Panel Survey aus. Darin wurden zwischen den Jahren 1997 und 2004 insgesamt 12.000 Briten befragt. Die Gehälter der Leute wurden ermittelt. Außerdem sollten die Teilnehmer auf einer Skala von 1 bis 7 ihre allgemeine Lebenszufriedenheit bewerten.

Die Forscher testeten in der Studie drei verschiedene Theorien zum Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenszufriedenheit:

  • Die absolute Höhe des Einkommens beeinflusst die allgemeine Lebenszufriedenheit.
  • Die Höhe des Einkommens im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen beeinflusst die allgemeine Lebenszufriedenheit.
  • Die Höhe des Einkommens beeinflusst nur indirekt über die Erhöhung des Rangs innerhalb einer Bezugsgruppe die allgemeine Lebenszufriedenheit.

Wie Boyce und seine Kollegen schreiben, gilt die zweite Theorie als allgemein anerkannt. Diese sowie die erste Theorie konnten sie jedoch widerlegen: "Die absolute Höhe des Gehalts und der Vergleich zu Durchschnittswerten anderer hatte keinen signifikanten Effekt", sagte Boyce. In ihrer Untersuchung stellte sich heraus, dass die Höhe des Einkommens im Bezug zu derjenigen von Vergleichspersonen der einzige Parameter war, um die Lebensqualität treffsicher vorherzusagen. Dabei waren die Vergleichspersonen beispielsweise Kollegen gleichen Alters und/oder gleicher Qualifikation. Aber auch das Gehalt von Freunden oder Nachbarn konnte als Vergleichswert dienen. Weiterhin fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Personen mehr nach oben hin verglichen als nach unten.

Die Ergebnisse hätten nach Meinung der Wissenschaftler auch gesellschaftspolitische Relevanz. Denn aus diesen Gründen würde das von Politikern ständig angestrebte wirtschaftliche Wachstum und das Anheben der Einkommen aller die Menschen insgesamt nicht glücklicher machen. Es gebe feste Rangfolgen in der Gesellschaft, nur einer könne der höchste Verdiener sein.

lub

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 46 Beiträge
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1. Bedingte Aussagekraft
E_B 22.03.2010
Ich nehme an, der Kreis der Befragten, beschränkt sich auf Menschen, deren Existenz durch bereits vorhandenes Einkommen gesichert ist. Ich bin überzeugt, dass Geld die Lebensqualität in erster Linie dahingehend beeinflußt, dass existentielle Sorgen im Zusammenhang mit Materie wegfallen bei hinreichendem Vorhandensein. Darüber hinaus mag der Gehaltsvergleich mit anderen durchaus eine Rolle spielen. Und es ist ja auch nachvollziehbar, dass Differenzen in der Entlohnung bei gleicher Tätigkeit und Qualifikation zu einer gewissen Unzufriedenheit führen. Ich schätze jedoch, dass der tatsächliche Gehalt an Zufriedenheit mit theoretischen Fragestellungen (Was wäre wenn ...) nur bedingt erfasst werden kann.
2. Bedingte Aussagekraft
E_B 22.03.2010
Ich nehme an, der Kreis der Befragten, beschränkt sich auf Menschen, deren Existenz durch bereits vorhandenes Einkommen gesichert ist. Ich bin überzeugt, dass Geld die Lebensqualität in erster Linie dahingehend beeinflußt, dass existentielle Sorgen im Zusammenhang mit Materie wegfallen bei hinreichendem Vorhandensein. Darüber hinaus mag der Gehaltsvergleich mit anderen durchaus eine Rolle spielen. Und es ist ja auch nachvollziehbar, dass Differenzen in der Entlohnung bei gleicher Tätigkeit und Qualifikation zu einer gewissen Unzufriedenheit führen. Ich schätze jedoch, dass der tatsächliche Gehalt an Zufriedenheit mit theoretischen Fragestellungen (Was wäre wenn ...) nur bedingt erfasst werden kann.
3. Differenz zu den Anderen
ecce homo 22.03.2010
Der Mensch definiert sich durch seine Differenz zu den Anderen.
4. Komparative " Wissenschaft" -
Titmouse 22.03.2010
Zitat von sysopWären Sie zufrieden, wenn Ihr Gehalt auf eine Million Euro jährlich angehoben würde? Wahrscheinlich. Wären Sie es immer noch, wenn alle Ihre Kollegen zwei Millionen bekämen? Britische Forscher haben herausgefunden, dass mehr Gehalt alleine nicht glücklich macht - wohl aber eine höhere Position im Gehaltsgefüge. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,684984,00.html
Man muss sich schon wundern, wie die Bekanntgabe eines banalen Zusammenhangs zur Qualifikation "Forscher / Wissenschaftler" ausreicht. Wie anspruchslos sind wir mittlerweile schon geworden.
5. Das rechtfertigt ....was?
Plumplori 22.03.2010
Rechtfertigt der pure Neid, Dass Leute, die ganze Volkswirtscahften ruinieren mehr verdienen als zB Ärzte? Aber es ist ja noch schlimmer. Während die Ärzte heute wieder für 5% mehr Gehalt streiken nehmen sich die Manager einfach was sie wollen. Will uns diese Studie also ernsthaft weißmachen, dass wir mit unseren Steuergeldern, mit Lohnverzicht und schlußendlich mit unseren Jobs für die Egotrips zugekokster Banker und Manger bezahlen? Top! Wo beantragt man nochmal ALG 2?
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